Es muss nicht immer Fleisch sein. Vegetarier leben mitunter gesünder. Foto: imago images / Cavan Images

Vegetarische Ernährung liegt im Trend. Aber hält diese Form der Ernährung, was sie verspricht? Kann man sich gänzlich fleischlos wirklich gesund ernähren? Wie groß ist die Gefahr einer Mangelversorgung mit bestimmten Nährstoffen? Und ist fleischlose Wurst, wie sie von vielen Herstellern beworben wird, eine echte Alternative? Der KURIER räumt auf mit Mythen rund ums vegetarische Essen und sagt, was stimmt und was nicht.

Mythos 1: Vegetarische Ernährung ist gesünder

„Fakt ist: Patienten, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, sind gesünder als Patienten, die auch Fleisch essen. Sie haben weniger Herzkreislauf-Erkrankungen, bekommen weniger Schlaganfälle, sie haben seltener Bluthochdruck“, erklärt Ernährungs-Experte Olaf Lenze. Wichtig ist aber, dass man sich gründlich informiert, am besten auch mit einem Mediziner berät und die Ernährungsumstellung ärztlich begleiten lässt. Denn: „Es gibt eben bestimmt Dinge, die man vor allem bei veganer Ernährung beachten muss, um nicht in Mangelzustände zu kommen. Zum Beispiel die ganze Vitamin-B-Reihe, die überwiegend in Fleisch vorhanden ist, die muss gegebenenfalls substituiert werden“, so Lenzen.

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Mythos 2: Vegetarier brauchen Nahrungsergänzungsmittel

Vegetarier essen Eier und Milchprodukte. Damit ist eine Mangelerscheinung bei guter Zusammensetzung der Nahrungsmittel nicht wahrscheinlich und die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln unnötig. Wer sich vegetarisch ernährt, sollte auf seine Eisenzufuhr achten, auf die Vitamine der B- und D- Reihe, auch die A-Reihe ist wichtig. Auch genügend Eiweiße sind wichtig. „Sie sind die wichtigsten biochemischen Funktionsträger“, weiß Lenzen. „Es gibt sehr viele verschiedene Eiweiße. Der Mensch braucht davon 20.“ Ideal ist zum Beispiel eine Mahlzeit mit Kartoffeln und Ei. Die Eiweißzusammensetzung in diesen beiden Komponenten kommt dem sehr nah, was wir wirklich brauchen.

Mythos 3: Vegetarier sorgen sich vor allem um die Tiere

Das stimmt nur bedingt. Die Ablehnung der Massentierhaltung spielt eine wesentliche Rolle. „Aber auch die Tatsache, dass zum Beispiel rotes Fleisch von Säugetieren - von Kühen, Schweinen und so weiter - als krebserregend eingestuft ist, haben Vegetarier voll im Blick“, erklärt Lenzen. „Wir wissen, dass bis zu 60 Prozent des Dickdarm- oder des Brustkrebses durch die Ernährung verursacht wird.“ Allgemein wird das auf die ungünstige Fettzusammensetzung im Fleisch zurückgeführt.

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Mythos 4: Vegetarier sind schlanker

Am Ende entscheidet die Kalorienzufuhr und der Verbrauch über das Körpergewicht – unabhängig von der Ernährungsform. Als Nicht-Fleischesser nimmt man allerdings fast automatisch viel weniger Fett zu sich, denn vegetarische Gerichte sind in der Regel kalorienärmer. Wer die jedoch in großen Mengen isst, läuft auch Gefahr zuzunehmen. So gelten z.B. Smoothies aus jeder Menge Obst auf Dauer als wahre Dickmacher.

Mythos 5: Fleischlose Wurst ist besser als Schinken

Viele große Hersteller werben mit fleischloser Wurst, die genauso schmecken soll wie echte Wurst.  Die Hersteller verwenden Ei, Soja, Tofu oder Weizen und geben noch zusätzlich etwas Pflanzenöl dazu. Verdickungsmittel und Zusatzstoffe sorgen dafür, dass sich die Veggie-Wurst auch in Scheiben schneiden lässt. Aus ökologischer Sicht ist der vegetarische Aufschnitt echtem Fleisch weit überlegen, erklärt Stiftung Warentest. Aber: „Ich würde es nicht kaufen“, sagt Experte Lenzen. „Das ist wie mit der E-Zigarette für Raucher. Raucher, die aufhören wollen, denken, mit einer Liquid-Zigarette wird alles besser. In Wirklichkeit versuchen sie auch nur, das Rauchen nachzuspielen. Gesünder ist es nicht.“