Familien am Springbrunnen im Treptower Park: Die Kinder kühlen sich an der Plansche ab, doch für Ältere werden die Temperaturen zum lebensbedrohlichen Risiko. Imago Images/Jürgen Held

Noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war es in einem Juni so heiß in unserer Region: Bis zu 37 Grad werden die Temperaturen am Sonntag dem Deutschen Wetterdienst zufolge erreichen, während sich die Temperaturen im Südwesten Deutschlands bereits der 40-Grad-Marke nähern. Nach Einschätzung des Meteorologen Tim Staeger vom ARD-Kompetenzzentrum Wetter könnte dies erst der Anfang sein einer nie gekannten Extremhitze: „Die wärmste Zeit des Jahres seien die sogenannten Hundstage zwischen Mitte Juli und Mitte August. Wenn wir jetzt schon so eine Hitzewelle haben, steht zu befürchten, das im Verlauf des Sommers noch weitere, nachfolgend vielleicht noch heißere Tage ins Haus stehen“, so Staeger in der „Tagesschau“.

Können wir uns an Temperaturen von 40 Grad und mehr gewöhnen?

Temperaturen von 40 Grad und mehr, so etwas wurde in extrem heißen Sommern in Deutschland bereits an einzelnen Messstationen festgestellt. Aber müssen wir uns an derartige Extremtemperaturen zukünftig gewöhnen? In Zeiten des Klimawandels halten Meteorologen dies für wahrscheinlich, und dies wird gravierende Konsequenzen nicht nur für die Umwelt haben, sondern direkt für die Gesundheit der Menschen.

In Ländern wie Saudi-Arabien, Ägypten oder Teilen der USA sind Menschen gewöhnt, dass die Sommertemperaturen ein derartiges Niveau erreichen, doch dort ist es üblich, dass auch Privathaushalte mit Klimaanlagen ausgerüstet sind, die eine solch extreme Hitze zumindest in Innenräumen erträglich macht. Doch Klimaanlagen sind stromzehrende Luxus-Güter, die sich ärmere Leute nicht leisten können. Für diese Menschen ist die Hitze nicht eine Frage des Komforts, vielmehr geht es um Leben und Tod.

Ab 30 Grad steigt das Sterberisiko deutlich, ab 37 Grad wird es lebensbedrohlich

Bis zu einem gewissen Grad kann der menschliche Körper Hitze durch den eigenen Kühlmechanismus kompensieren: Schwitzen wird oft als unangenehm empfunden, doch der Schweiß ermöglicht dem Körper, Hitze nach außen abzutransportieren. Das gelingt allerdings nur bei Temperaturen bis zu 37 Grad, wie eine Studie der Universität von Hawaii demonstrierte. Doch unter bestimmten klimatischen Voraussetzungen reichen bereits Temperaturen oberhalb von 30 Grad, um die Hitze vor allem für vorbelastete Menschen zu einer tödlichen Gefahr werden zu lassen. Dabei spielt neben der Temperatur die Luftfeuchtigkeit eine zentrale Rolle. Intensive Sonnenstrahlung kann zu einem zusätzlichen Stressfaktor werden, Wind kann zumindest bei mäßiger Hitze erleichternd wirken.

Grundlage der von Camilo Mora und Farah Powell durchgeführten Studie waren Sterbedaten zu Hitzetodesfällen aus mehreren Ländern zwischen den Jahren 1980 und 2014. Dabei sticht vor allem ein Jahr hervor: 2003 erfasste Europa eine historische Hitzewelle, denen in Frankreich und Deutschland mehrere Tausend Menschen zum Opfer fielen. Bei einer Hitzewelle in Russland starben 2010 mehr als 10.000 Menschen in Moskau. Während gesunde Menschen die Hitze leichter bewältigen können, werden die Extremtemperaturen für gesundheitlich vorbelastete und ältere Menschen leicht zum Todesurteil – es sei denn, Angehörige und Pflegende kümmern sich akribisch darum, dass die Betroffenen die heiße Zeit im Kühlen verbringen und dennoch genug Bewegung bekommen, um den Kreislauf zu stärken.