Ein beliebter Strand an der portugiesischen Algarve. Doch gerade hier breitet sich die Delta-Variante aus. imago/Jean-Baptiste Premat

In mehreren Ländern grassiert die hochansteckende Delta-Variante des Coronavirus und treibt die Infektionszahlen trotz Sommerwetter in die Höhe. Am Donnerstag starten in Berlin die Sommerferien, viele Urlaubsreisen sind längst gebucht. Nun warnt die Bundesärztekammer vor Urlaubsreisen in Gebiete, in denen sich die Delta-Variante des Coronavirus ausbreitet. „Auf Reisen in Regionen, die von der Delta-Variante besonders betroffen sind, sollte verzichtet werden“, sagte Ärztepräsident Klaus Reinhardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Besonders betroffen von der Delta-Variante in Europa ist zunächst Großbritannien. Nach neuesten Zahlen gehen bereits 99 Prozent aller Corona-Neuinfektionen auf diese Mutante zurück. Obwohl 45,8 Prozent aller Briten bereits vollständig geimpft sind (in Deutschland sind es 31,3 Prozent) ist die Sieben-Tage-Inzidenz in Großbritannien auf 85 Fälle pro 100.000 Einwohner hochgeschnellt. In Deutschland liegt die Inzidenz gerade bei acht, die Delta-Variante spielt hierzulande bislang kaum eine Rolle.

Starker Anstieg in den Urlaubsregionen am Mittelmeer: Algarve, Mallorca, Costa Brava

Ganz oben auf der Liste der beliebten Urlaubsländer der Deutschen: Portugal und Spanien. In beiden iberischen Ländern breitet sich die Mutante derzeit aus. Aus Portugal heißt es, derzeit gingen rund 60 Prozent aller Ansteckungen auf die Delta-Variante zurück, bald könnten es 90 Prozent sein! Die Sieben-Tage-Inzidenz ist in Portugal auf 180 angestiegen.

Besonders betroffen: Der Großraum Lissabon. Das Verbot, dieses Gebiet zu verlassen, soll auch am kommenden Wochenende greifen. Weitere Einschränkungen sind möglich. Auch die Urlaubsregion ist mit 104 Fällen pro 100.000 Einwohner stark betroffen. Landesweit beträgt die Inzidenz 74, die höchste innerhalb der EU.

In Spanien sind ausgerechnet die beliebtesten Urlaubsregionen bereits von Delta betroffen: Rund 20 Prozent aller Ansteckungen in Katalonien mit der Metropole Barcelona und der Costa Brava gehen auf diese Variante zurück, in Mallorca ist es jede zehnte Corona-Infektion. Allerdings liegt die spanienweite Inzidenz derzeit noch unter 20. Da Spanien ein auch bei Briten beliebtes Reiseland ist, wird es kaum dabei bleiben.

Sorge vor eingeschleppten Infektionen durch russische Urlauber

Sorgen machen die Infektionen mit Delta in Russland. Zwar gilt das Land nicht gerade als Traumdestination, viele Russen verbringen ihren Sommerurlaub beispielsweise in der Türkei. Dort liegt der Anteil von Delta an den Corona-Fällen nach offiziellen Zahlen derzeit bei gerade zwei Prozent. In Russland liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 75,6. Die Impfbereitschaft ist weiter gering. In Moskau soll bereits fast jeder Zweite eine Covid-Infektion hinter sich haben, dennoch breitet sich Delta hier besonders stark aus. Die Delta-Variante soll dabei für fast 90 Prozent aller Infektionen verantwortlich sein.

Infolge eingeschleppter Infektionen wird sich Deutschland nicht gegen die Delta-Variante abschirmen können: Ärztepräsident Klaus Reinhardt geht davon aus, dass sich die Mutante mittelfristig auch in Deutschland gegen die Urform des Coronavirus durchsetzt. Man könne auch davon ausgehen, dass die Inzidenz zum Ende des Sommers saisonbedingt wieder ansteigen werde.

Ob es zu einer vierten Welle komme, hänge wesentlich vom Fortschritt der Impfkampagne in Deutschland ab. Es sei zudem zu erwarten, dass die Zahl der schweren Verläufe auch bei einem Wiederanstieg der Infektionszahlen geringer ausfallen werde, weil insbesondere die vulnerablen Gruppen durch Impfungen besser geschützt seien.

Reisen wichtig für das seelische Gleichgewicht

Wenn Vorsicht und Verantwortung gewahrt seien, spreche dagegen nichts gegen Urlaubsreisen. Für viele Menschen sei der Urlaub nach den Belastungen der vergangen Monate wichtig für das seelische Gleichgewicht. „Notwendig ist aber die Einhaltung der Hygieneregeln auch im Urlaubsort“, mahnte Reinhardt.

Allein schon mit Blick auf einen geregelten Schulbetrieb nach den Sommerferien müssten die Menschen jedoch „alles dafür tun, einen starken Wiederanstieg der Infektionszahlen wie derzeit in Großbritannien zu verhindern“, sagte Reinhardt. Alle Erwachsenen sollten deswegen die Impfangebote wahrnehmen und auch fristgerecht die notwendigen Zweitimpfungen vornehmen lassen.