Bewegung an der frischen Luft bringt das Immunsystem in Schwung. Foto: imago images/Panthermedia

Hatschi! Heute schon geniest? Es ist doch verrückt, kaum stellt das Wetter auf Herbst um, laufen die Schnupfnasen wieder. Der Mensch ist in den kalten Jahreszeiten anfälliger für Infektionen. Aber man kann auch gegensteuern. Mit einer gezielten Stärkung der Abwehrkräfte. Was dabei wirklich hilft, was Mythos ist und was totaler Humbug – der KURIER klärt auf.

Kalte Dusche: Forscher aus Jena konnten zeigen, dass regelmäßige kalte Güsse am Oberkörper die Immunabwehr ankurbeln können. Probanden hatten danach mehr Abwehrzellen im Blut als vorher. Auch Naturheilmediziner schwören seit langem auf die (kneippsche) Kältetherapie und haben damit viele gute Erfahrung gemacht. Und so geht’s: Kalte Duschen trainieren die Gefäße. Bei Kälte verengen sie sich, bei Wärme weiten sie sich wieder. Das kurbelt die Durchblutung an und macht nebenbei hellwach. Also gilt: Wer es schafft, die Zähne morgens beim Duschen für ca. 30 Sekunden zusammenzubeißen und das Warmwasser abzustellen, tut sich ganz sicher nichts Schlechtes, auch wenn die Wirkung auf die Immunabwehr nicht hundertprozentig bewiesen ist.

Vitamine aus der Apotheke: Vitamin D, Vitamin C, aber auch Folat, B12, B6 und Vitamin A tragen wissenschaftlich bewiesen zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Das heißt aber nicht, dass Sie sich in Ihrer Apotheke einen Vitamin-Cocktail mixen lassen müssen.

Empfehlungen wie „jetzt 5.000 I.E. Vitamin D täglich“ (= 125 µg) sind gefährlich, warnt die Verbraucherzentrale, das sei die absolute Tageshöchstgrenze. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt nicht mehr als 20 µg (= 800 i.E.) Vitamin D pro Tag. Besser: Bewegen Sie sich viel im Freien, gehen Sie spazieren und lassen Sie Sonne an Ihre Haut. Das geht auch auf dem Balkon oder am offenen Fenster. Denn Sonnenlicht regt die körpereigene Vitamin D-Produktion an.

Ähnlich sieht es beim Vitamin C aus: Es ist wissenschaftlich nicht bewiesen, dass die Einnahme von Vitamin-C-Präparaten Erkältungen vorbeugen oder sie heilen kann. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt deshalb auch keine routinemäßige Einnahme eines Präparats zur Prophylaxe und Therapie von Erkältungen. Ob Vitamin-C-Kapseln sinnvoll sind, muss immer individuell entschieden werden.

Bewegung an der frischen Luft stärkt das Immunsystem

Nahrungsergänzungsmittel mit Propolis: Was den Bienenstock schützt, könnte doch auch dem Menschen nützen. Zumindest werben damit zahlreiche Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln, die das wertvolle Propolis konzentrieren. Wissenschaftlich aussagekräftige Hinweise auf eine Infekt-vorbeugende Wirkung von Propolis z. B. mit Blick auf Erkältung oder Grippe lassen sich nicht finden. Zwar kann Propolis in der Petrischale das Wachstum verschiedener Bakterien, Pilze und sogar mancher Viren bremsen, das lässt sich aber nicht auf den Menschen übertragen.

Bewegung an der frischen Luft: Aus medizinischer Sicht ist Bewegung – am besten an der frischen Luft – das A und O. Regelmäßige körperliche Aktivität sorgt für einen gesunden Kreislauf. So kommen die Helferzellen des Immunsystems schnell und ohne Probleme an die Stellen des Körpers, an denen sie gebraucht werden.

An apple a day keeps the doctor away: Hält einem der berühmte Apfel am Tag tatsächlich den Arzt vom Hals? Vielleicht nicht zu hundert Prozent. Fakt ist aber: Der Körper benötigt eine ausgewogene Ernährung, um seine Funktionen zu erfüllen und ausreichend Abwehrzellen zu produzieren. Dazu gehören neben stärkenden Lebensmitteln, die Kohlehydrate und Proteine enthalten, unbedingt auch frisches Obst und Rohkost, die mit Ihrem hohen Gehalt an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen für eine gute Versorgung des Körpers sorgen.

Stoßlüften: Es gibt Infektionskrankheiten, bei denen ist für eine Ansteckung noch nicht mal Körperkontakt notwendig. Das bloße Einatmen der Luft, in der entsprechende Viren herumschwirren, reicht schon – das wissen die meisten Deutschen spätestens seit Corona. Das erklärt, wieso Erkältungen – und auch die „normale“ Grippe“ – so besonders ansteckend sind. Zudem macht es deutlich, wieso es sinnvoll ist, gerade auch im Winter regelmäßig zu lüften.

Und aus noch einem Grund ist Stoßlüften wichtig: Gerade die im Winter typische trockene Heizungsluft macht es den Krankheitserregern leicht, den Körper auszuknocken. Was vor allem daran liegt, dass in der trockenen Luft die Schleimhäute schneller austrocknen und sich somit Viren leichter einnisten können.

Erholsamer Schlaf: Wissenschaftler der Universität Tübingen und der Universität Lübeck haben nun in einer Studie einen neuen Mechanismus nachgewiesen, über den Schlaf das Immunsystem fördert. Sie konnten zeigen, dass bereits nach drei Stunden ohne Schlaf die Funktion der T-Zellen beeinträchtigt war. „T-Zellen zirkulieren ständig im Blutkreislauf und suchen nach Erregern. Die Adhäsion an andere Zellen erlaubt ihnen dabei, im Körper zu wandern und beispielsweise an infizierte Zellen anzudocken, um sie anschließend zu beseitigen“, sagt Erstautor Stoyan Dimitrov. Wie die Studie zeigt, war die Adhäsionsfähigkeit der T-Zellen bei den Probanden ohne Schlaf sichtlich reduziert. Tun Sie sich und Ihrem Immunsystem also etwas Gutes: Schlafen Sie regelmäßig und ausreichend.