Die Leber baut Alkohol ab und ist maßgeblich für den Stoffwechsel im Körper. Imago /Gladys Chai von der Laage

Der menschliche Körper hat die eine oder andere Überraschung parat. Seine Fähigkeit zur Regeneration ist verblüffend. Doch unsere Leber schießt dabei den Vogel ab.

Das Organ im Oberbauch rechts unter den Rippen sorgt dafür, dass die Party gestern keine all zu großen Nachwirkungen hat. Die Leber wandelt Nährstoffe aus der Nahrung um, nimmt Giftstoffe wie Alkohol auf und wandelt sie in ungiftige Stoffe um oder sorgt dafür, dass sie ausgeschieden werden.

Eine Studie an Leberzellen, veröffentlicht im Magazin Cell Systems, hat nun Erstaunliches festgestellt. Unabhängig von unserem Alter sind die Leberzellen im Schnitt nicht älter als drei Jahre. Die Leber erneuert sich erstaunlich schnell selbst.

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Untersucht wurde das mit einer speziellen Radiokarbondatierung, die das Alter von Geweben bis in die einzelne Zelle hinein verrät. Dabei stießen Forscher der TU Dresden auch auf spezielle Zellen mit ungewöhnlich viel DNA: Sie tragen vier, acht oder sogar mehr Chromosomensätze in sich.

Leberzellen können sich besonders gut regenerieren

Wegen ihrer großen Bedeutung für unseren Stoffwechsel und ihrem häufigen Kontakt mit Giften kann sich das Gewebe der Leber besonders gut regenerieren. Bei Verletzungen oder Gewebeschäden werden neue Leberzellen nachgebildet – das weiß man schon länger.

Unklar war jedoch, wie lange Leberzellen unter normalen Umständen erhalten bleiben und wie stark die Regenerationsfähigkeit mit dem Alter abnimmt.

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Die Leber bleibt unser ganzes Leben lang jung, das haben Paula Heinke von der Technischen Universität Dresden und ihre Kollegen herausgefunden. Für ihre Untersuchung entnahmen sie 33 Menschen, die im Alter zwischen 20 und 84 Jahren gestorben waren, Zellproben aus der Leber und isolierten jeweils die DNA aus den Zellkernen. Die Erbgutmoleküle unterzogen sie anschließend einer Radiokarbondatierung. Diese Methode kennt man vor allem aus der Archäologie – versteinerte Baumstämme, Dinoknochen und Co werden anhand des Anteils des instabilen Kohlenstoff-Isotops C 14 datiert. „Durch den Vergleich der Werte mit dem atmosphärischen Radiokohlenstoff können wir rückwirkend das Alter der Zellen bestimmen“, erklärt Heinkes Kollege Olaf Bergmann.

Radiokarbondatierung einzelner Zellen

Das Ergebnis: Die Leberzellen erneuern sich rasant und werden das ganze Leben hindurch immer wieder ausgetauscht. „Die Leber bleibt im Durchschnitt unter drei Jahre alt – egal ob man 20 oder 84 Jahre alt ist“, sagt Bergmann. Das Alter hat kaum einen Einfluss darauf, wie schnell sich die Leberzellen erneuern.

Warum wird die Leber im Alter trotzdem häufiger krank?

Das wirft jedoch die Frage auf, warum trotzdem Lebererkrankungen wie Leberzirrhose und Leberkrebs auftreten und sich bei älteren Menschen häufen. Bisher ist dies noch unklar. Heinke und ihre Kollegen vermuten aber, dass dies mit den DNA-reichen Zellen zusammenhängen könnte. Diese nehmen im Alter in der Leber stark zu. „Polyploide Zellen sind oft mit Chromosomenfehlern und genomischer Instabilität assoziiert“, erklärt das Team.

Da im Alter diese Zellen zunehmen, könnte dies die Krankheitsanfälligkeit der Leber erhöhen. Andererseits teilen sich diese Zellen im Alter auch weniger oft, was wiederum das Risiko für Kopierfehler und Mutationen verringert. Was hinter altersbedingten Lebererkrankungen steckt, muss weiter erforscht werden, heißt es im Bericht des Portals scinexx.de.

Zuvor hatten die Dresdner Forscher mit derselben Methode herausgefunden, dass auch in unserem Gehirn im Erwachsenenalter noch neue Neuronen gebildet werden. Man ist also nie so alt, wie man sich fühlt.