Sitzt der Büstenhalter zu eng, kann es zum Beispiel zu Schmerzen kommen, die man Herz und Lunge zuordnet. Imago/Rainer Unkel

Die figurbetonten Röhrenjeans, die enge Bluse, die eine schöne Taille macht, der straffe Body, der formt – so manche Kleidung, die uns so gut zur Geltung bringt, ist nicht gerade angenehm zu tragen. Und dann ist da noch die Hose, aus der man ein klein wenig rausgewachsen ist, aber mit etwas Baucheinziehen kriegt man den Knopf doch noch zu ...

Stimmt schon, bequem ist das alles nicht. Doch schadet enge Kleidung unserer Gesundheit? In einigen Fällen schon.

Die gute Nachricht: „Der Druck durch eine enge Hose ist für die Bauchorgane und die Verdauung nicht relevant“, sagt Ivo Grebe, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Internistinnen und Internisten. ABER: Enge Kleidung kann zu anderen Beschwerden führen. „In der Brust kann es etwa durch das Tragen eines zu engen BHs zu Schmerzen kommen, die fälschlicherweise als Herzschmerzen oder Lungenschmerzen interpretiert werden“, sagt Grebe.

Schmerz in Kopf und Rücken durch zu enge Kleidung

Ein weiterer Punkt: Enge Kleidung schränkt in der Bewegungsfreiheit ein. „Die Atmung kann abflachen, wenn sich der Brustkorb nicht physiologisch bewegen kann“, sagt Physiotherapeutin Ute Merz. Das wiederum kann zu Konzentrationsproblemen und Kopfschmerzen führen, da das Gehirn dann nicht mehr optimal mit Sauerstoff versorgt wird.

Auch auf den Rücken kann zu enge Kleidung Auswirkungen haben. Denn aufrecht sitzen fällt mit kneifendem Hosenbund schwer. Man nimmt dann automatisch die etwas bequemere gekrümmte Sitzhaltung ein und die wiederum begünstigt Rückenschmerzen.

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Doch nicht nur weil sie drückt, kann enge Kleidung schlecht sein. Auch die Luft kann darunter nicht zirkulieren, die Wärme sammelt sich unter dem Stoff. Das könnte vor allem beim Sport problematisch werden. Es kann sein, dass der Körper überhitzt, was sich durch Kreislaufprobleme bemerkbar macht.

Eine enge Hose ist nicht gut für die Hoden

Die Wärme unter enger Kleidung kann sich auch auf den Genitalbereich auswirken - etwa auf die Hoden. Die liegen nicht ohne Grund außerhalb des Körpers: Damit sie optimal funktionieren, also Spermien produzieren können, brauchen sie eine Umgebung, die etwas kühler ist als die Körpertemperatur. Wärmestau in engen Hosen kann die Produktion von Samenzellen in den Hoden beeinträchtigen.

Auch vaginale Pilzinfektionen können durch zu enge Kleidung begünstigt werden. „Die Hefepilze der Candida-Familie besiedeln die Vagina, werden aber normalerweise durch den niedrigen pH-Wert dort in Schach gehalten“, sagt Gynäkologe Christian Albring.

„Sie vermehren sich aber, wenn der pH-Wert in der Vagina ansteigt, oder auch dann, wenn die Hautbarriere nicht mehr intakt ist.“ Scheuern enge Hose den Intimbereich wund, haben die Pilze der Candida-Familie freie Bahn – was spätestens dann lästig wird, wenn es im Schritt juckt oder brennt.

Hautpilze mögen enge Kleidung

Auch abseits des Intimbereichs mögen Pilze enge Kleidung. So gibt es mit den Dermatophyten Hautpilze, die in geringer Zahl immer auf der Haut zu finden sind. „Sie vermehren sich gerne in feuchtem und von Luft abgeschlossenem Milieu, also vor allem in warmen Hautfalten“, sagt Christian Albring.

Um all das zu vermeiden sollte man sich also besser nicht ständig in enge Klamotten zwängen. Was aber nicht heißt, dass man sich gar nicht mehr figurbetont kleiden soll. Nur halt dem Körper oft genug bequeme Kleidung gönnen.