Eine Krankenpflegerin auf einer Intensivstation.  Foto: dpa/Dirk Waem/BELGA

Meldungen aus Asien haben für Aufsehen gesorgt, wonach bereits geheilte Patienten erneut positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Ist es möglich, dass sie doch nicht immun waren? Kann man sich zweimal mit dem Virus anstecken?

Bislang gibt es darauf keine eindeutige Antwort. Experten hoffen aber, dass ein infizierter Patient nach seiner Genesung zumindest für einige Monate immun ist. „Immun zu sein bedeutet, dass der Körper eine Abwehrreaktion gegen ein Virus entwickelt hat. Und weil diese Immunreaktion ein „Gedächtnis“ hat, heißt das, dass sie auch später eine Infizierung mit demselben Virus verhindert“, erläutert der Immunologe Eric Vivier von der Uniklinik in Marseille. Im Allgemeinen dauert es rund drei Wochen bis zur Bildung von genügend schützenden Antikörpern. Erfahrungsgemäß hält dieser Schutz dann mehrere Monate.

Soweit lautet die Theorie – doch das neuartige Sars-CoV-2 ist einfach noch zu unerforscht, um sich da sicher zu sein.  Eine aktuelle chinesische Studie mit Rhesusaffen macht Hoffnung: Demnach zeigten sich die mit dem Virus infizierten Tiere einige Wochen nach ihrer Genesung resistent. Diese Studie sagt aber noch nichts über den Zeitraum einer Immunität aus – denn sie hat nur einen Monat gedauert.

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Den Berichten aus Asien, wonach sich Corona-Patienten ein zweites Mal ansteckten, begegnen viele Experten allerdings mit Skepsis. Sie halten es für eher unwahrscheinlich, dass es sich tatsächlich um eine erneute Ansteckung handelt. Das Coronavirus könnte bei manchen Menschen auch chronisch werden, wie etwa der Herpes-Erreger. Eine Anfang April veröffentlichte Studie mit 175 geheilten Patienten aus Shanghai zeigt, dass die meisten von ihnen zwischen zehn und 15 Tagen nach Ausbruch der von dem Virus verursachten Lungenkrankheit Covid-19 Antikörper gebildet hatten – allerdings in unterschiedlicher Konzentration.

„Ob aber allein das Vorhandensein von Antikörpern mit Immunität gleichgesetzt werden kann, ist eine andere Frage“, warnt die WHO-Expertin Maria Van Kerkhove. Angesichts all dieser Ungewissheiten stellen manche Experten auch den Erfolg einer Herdenimmunität in Frage. Für den australischen Epidemiologen Archie Clements steht fest: „Die einzige wirkliche Lösung ist ein Impfstoff.“ (AFP)