Bei Goldhamstern zeigte die Nasen-Impfung gute Erfolge gegen Corona. Foto: imago/Alfred Schauhuber

„Pffft“ statt „piks“: Forscher der Freien Universität arbeiten an einem Corona-Impfstoff, der mit einem Nasenspray oder Tropfen statt mit einer Spritze verabreicht wird. Ausprobiert wurde er an einigen Dutzend Goldhamstern und Roborovski-Zwerghamstern, und da hat er gewirkt. Möglicherweise schon Mitte 2022 könnte es zu ersten klinischen Tests an Menschen kommen.

Einer der Forscher, der Virologe Dr. Jakob Trimpert aus dem Fachbereich Veterinärmedizin, beschreibt den Impfstoff, der den Hamstern in die Nasen geträufelt wurde: In das Erbgut von Corona-Viren werde eine von einem Computer errechnete, synthetisch hergestellte Sequenz eingebaut.  Die durch die Erbgutveränderung abgeschwächten Viren „sCPD9“ vermehrten sich viel langsamer in Zellen und verbreiten sich weniger schnell auf andere. 

Ein veränderter Virus, der sich sehr langsam vermehrt, stimuliert die Immunabwehr

Der Körper aber, so die Hoffnung, reagiere auf „sCPD9“ genau wie auf das Original-Corona-Virus „SARS-CoV-2“, mobilisiere angeborene und neue Immunabwehrkräfte, die bei einer echten Corona-Infektion schnell wirkten.

Tatsächlich habe das bei den Hamstern funktioniert, sagt der Virologe Dr.  Dusan Kunec, der die Studie mit Trimpert verfasst hatte:  „Obwohl sich sCPD9 in den oberen und unteren Atemwegen von Hamstern vermehrte, zeigten die Hamster nach der Tropfen-Impfung mit sCPD9 keine Anzeichen von Krankheit.“

Vielmehr hätten die Tierchen nach nur einer Impfung Antikörper gegen die Corona-Varianten Alpha, Beta, Gamma und Delta entwickelt und nach einer gezielten Corona-Infektion einen vollständigen Schutz gegen drei von ihnen bekommen.

Trimpert ist deshalb vom Ansatz der FU-Forschung überzeugt: „Durch die ständige Evolution von SARS-CoV-2 hin zu neuen und schwer zu kontrollierenden Varianten wie der jüngst beschriebenen Omikron-Variante sind breit wirksame und lokal anwendbare Impfstoffe dringend notwendig.“

Ein leicht einzusetzender Impfstoff

Dusan Kunec erwartet: „Ein Lebendimpfstoff wie sCPD9 ist durch die intranasale Anwendung einfach zu einzusetzen und gleichzeitig hochwirksam. Er kann damit als wirksames Mittel zur Bekämpfung der anhaltenden Pandemie dienen.“

In den nächsten Tagen will das Institut einen Vertrag mit einem Pharmaunternehmen abschließen, es aber wegen der noch ausstehenden Unterschriften noch nicht nennen. Das Unternehmen habe die Hoffnung geäußert, dass bereits in einem halben Jahr die erste von drei Phasen von klinischen Studien an Menschen beginnen kann, die vor einem echten Einsatz vorgeschrieben sind. In diesem Stadium mit nur wenigen Freiwilligen werden grundlegende Eigenschaften wie Verträglichkeit und Sicherheit eines neuen Medikaments überprüft, um zu sehen, ob es sich für einen Einsatz beim Menschen eignet.