Hochbetagte haben nach der ersten Impfserie häufig eine geringere Immunität gegen das Coronavirus aufgebaut als Jüngere – darum raten Fachleute ihnen zur Auffrischung. Aber auch Jüngere sollen später die Möglichkeit dazu erhalten. dpa/Benjamin Nolte

In Israel wird gerade die gesamte Bevölkerung noch einmal durchgeimpft: Auch Jüngere bekommen die sogenannten Auffrischungsimpfungen, auch Booster-Impfungen genannt. Deutschland hinkt wieder einmal hinterher: Hier wird noch diskutiert und beraten. Doch nun geht es los mit der Corona-Auffrischimpfung: Besonders gefährdete Menschen bekommen sie seit Mittwoch. Doch bei den Kassenärzten fragen viele bereits durchgeimpfte Patienten, ob sie auch eine weitere Dosis Impfstoff erhalten können. Die Mediziner wollen Klarheit: Die Ständige Impfkommission (Stiko) soll eine Empfehlung aussprechen, für wen genau eine dritte Dosis empfohlen wird.

In Bundesländern wie Berlin, Hessen, Sachsen und Thüringen starteten die Auffrischimpfungen für Menschen in Pflegeheimen sowie für über 80-Jährige. KBV-Chef Andreas Gassen sagte, die Stiko solle eine Empfehlung aussprechen, weil sie „anders als mitunter die Politik“ rationale, faktenbasierte Entscheidungen treffe.

Berlin impft Ältere in Pflegeeinrichtungen und Wohngemeinschaften

In Berlin wird den Menschen in vollstationären Pflegeeinrichtungen, Pflege-Wohngemeinschaften, Seniorenwohnanlagen und Tagespflegen ein Angebot zur Auffrischungsimpfung gemacht, wie die Senatsverwaltung für Gesundheit mitteilte. Beteiligt daran seien das Deutsche Rote Kreuz, der Arbeiter-Samariter-Bund, die Johanniter sowie die Malteser. Der Schutz der besonders vulnerablen Gruppen stehe „ganz oben an“, erklärte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD).

In Hessen impfen die Hausärztinnen und Hausärzte vor Ort in Zusammenarbeit mit den Einrichtungen, wie Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) mitteilte. Außerdem können die mobilen Teams der Impfzentren Unterstützung leisten. Pflegebedürftige und Menschen über 80 Jahre, die zu Hause leben, könnten sich an ihre Hausärztinnen und Hausärzte wenden. Darüber hinaus kann die Auffrischimpfung auch in den Impfzentren verabreicht werden.

Auffrischung unabhängig vom bisherigen Impfstoff mit Biontech oder Moderna

Zwischen dem Abschluss einer Impfserie und der Auffrischimpfung sollen nach den Angaben aus Hessen mindestens sechs Monate liegen. Die Auffrischimpfung wird unabhängig vom bisherigen Impfstoff immer mit Biontech oder Moderna erfolgen.

Thüringen bietet Impftermine für die vorgesehenen Gruppen über das Terminvergabeportal des Freistaates an. Das Angebot richtet sich ausdrücklich auch an jene, die die vollständige Impfung mit einem Vektor-Impfstoff erhalten haben, also entweder zweimal mit dem Impfstoff von Astrazeneca oder einmal mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson.

Keine strenge Priorisierung: genug Impfstoff vorhanden

Da ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehe, diene die Priorisierung der Corona-Impfverordnung des Bundes zwar als Orientierung, hieß es aus Thüringen. Sie werde jedoch nicht so streng gehandhabt wie zu Beginn des Jahres. „Daten aus anderen Ländern, insbesondere aus Israel, zeigen uns, dass für alte und für immungeschwächte Menschen eine Auffrischungsimpfung sinnvoll ist“, erklärte die Erfurter Gesundheitsministerin Heike Werner.

Die Booster-Impfung kann nach einer Stiko-Empfehlung nach ärztlichem Ermessen parallel mit der saisonalen Grippeschutz-Impfung verabreicht werden, wie das sächsische Gesundheitsministerium mitteilte. „Mit den Auffrischungsimpfungen bieten wir den vulnerablen Gruppen den bestmöglichen Schutz“, erklärte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD).

Der Start der Auffrischimpfungen geht auf eine entsprechende Entscheidung der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) von Anfang August zurück. Gassen sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, die Stiko habe die Daten, um für bestimmte Gruppen eine Empfehlung auszugeben. Deshalb sei sie für solche Vorgaben die richtige Institution.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte, die Politik müsse „jetzt eine klare Ansage machen, welche Gruppen bei den Auffrischungsimpfungen zuerst an der Reihe sind“. Es müsse klar sein, um welche Jahrgänge es sich handelt und bei welchen Risikofaktoren eine dritte Impfung angezeigt ist.