Die Möhre ist aus zahngesundheitlicher Sicht ein perfektes Lebensmittel. Foto: Hans-Jürgen Wiedl/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Wer regelmäßig Zähne putzt, kann doch eigentlich alles essen. Stimmt. Nur seine Zähne werden trotzdem Schäden nehmen. Zumindest dann, wenn bestimmte Lebensmittel im Überfluss genossen werden. Zum Tag der Zahngesundheit am Freitag erklärt der KURIER, wie die Ernährung zur Gesunderhaltung der Zähne beitragen kann und sie sich damit eine Menge Geld für hohe Zahnarztrechnungen sparen.

Warum ist Zucker so schädlich für die Zähne?

„Cola, Limonade oder Schokolade schädigen die Zähne durch einen hohen Zuckergehalt. Sie bilden einen idealen Nährboden für Kariesbakterien, die den Zucker in Säure umwandeln, welche wiederum den Zahnschmelz angreift“, erklärt Dr. Thea Lingohr, Zahnärztin und Oralchirurgin aus Köln. Auch Lebensmittel, die nicht zu den klassischen Naschereien zählen, wie Ketchup, Fruchtjoghurt oder Smoothies, enthalten viel Zucker. Den Zähnen ist es nämlich egal, ob es sich um Fruchtzucker, Milchzucker, Traubenzucker oder eben den Haushaltszucker handelt – alles schadet dem Zahnschmelz gleichermaßen.

Kann ich also nie wieder naschen?

Doch. Aber in Maßen. Wer auf Süßes nicht verzichten kann, sollte sich trotzdem überlegen, wie oft er zu Schokolade und Co. greift. Denn vor allem der dauernde Griff in die Süßigkeiten-Schublade schadet – von Gewichtsproblemen und Diabetes mal abgesehen – den Zähnen erheblich. „Um die Zähne zu schützen, empfiehlt es sich, die Tagesration auf einmal zu naschen und nicht mehrmals zwischendurch“, mahnt Dr. Thea Lingohr, Zahnärztin aus Köln. Wer über den Tag verteilt immer wieder nascht, setzt seine Zähne dauerhaft dem Angriff von Zucker aus. Rückstände können sich zwischen den Zähnen ablagern und auch die Zahnzwischenräume schädigen. Übrigens: Auch immer wieder Apfelspalten zu knabbern, ist keine Alternative. Auch die Säure schadet auf Dauer den Zähnen.

Also ab zum Zähneputzen, wenn ich Cola getrunken oder Äpfel gegessen habe?

Bitte nicht! Das ist ein Irrglaube, dass man nach dem Essen sofort ins Bad rennen sollte, um seine Zähne zu putzen. Damit tut man sich nichts Gutes – im Gegenteil. „Nach dem Essen sollte mindestens 30 bis 60 Minuten gewartet werden. In dieser Zeit sorgt der Speichel durch die in ihm enthaltenen Enzyme für die Remineralisierung“, erklärt die Zahnärztin. Kommt die Zahnbürste zu früh zum Einsatz, trägt sie den Schmelz ab. Experten sprechen hier von Abrasion. Bakterien können dann durch Lücken im Zahnschmelz das empfindliche Zahnbein, das sogenannte Dentin, ungehindert angreifen. Ist der Zahnschmelz einmal abgebaut, kann er sich nicht wieder neu bilden. Schmerzempfindliche Zähne sind die Folge. „Wer nach dem Essen nicht so lange warten kann, auf der Arbeit oder unterwegs ist, greift am besten zu einer fluoridhaltigen Mundspüllösung oder einem zuckerfreien Kaugummi“, rät Dr. Lingohr. „Das sind gute Helfer, um die Remineralisierung anzuregen, und hilft zudem bei der Stabilisierung des pH-Wertes der Mundhöhle.“

Von Limonade mal abgesehen – welche Getränke schaden den Zähnen?

Sowohl Kaffee als auch schwarzer Tee enthalten Farbstoffe, die sich auf die Zähne legen und diese durch das Eindringen in den Zahnschmelz gelblich färben. Auch der Genuss von Wein verursacht Zahnverfärbungen. Zudem zerstört Alkohol in größeren Mengen die gesunde Mundflora und erhöht somit das Risiko einer Zahnfleischentzündung.

Und welche Lebensmittel sind gut für die Zähne?

Vollkornprodukte, rohes Gemüse oder Nüsse enthalten keinen einfachen, also für Kariesbakterien leicht verwertbaren Zucker. Ihre raue Oberfläche reibt außerdem bereits beim Kauen schädlichen Belag von den Zähnen. Zusätzlich bekommen Zähne und Kiefer kräftig etwas zu tun, da diese Lebensmittel gründlich gekaut werden müssen. Dies stärkt die Muskulatur und regt die Speichelproduktion an. Speichel verdünnt schädliche Säuren, macht sie dadurch weniger aggressiv und weniger zahnschädigend. Ebenfalls gut: Milchprodukte, denn sie enthalten viel Kalzium und stärken die Zähne.

Noch mehr Lebensmittel im Zahn-Freundlichkeits-Check

  • An apple a day keeps the dentist away?  Was den Doktor freut, macht den Zahnarzt nicht rundum glücklich, denn leider greifen Fruchtzucker und Säure beim Apfel den Zahnschmelz an. Andererseits schrubbt das Apfelessen auch ein bisschen Ihre Zähne. Damit dürften dann beide Ärzte happy sein.
  • Cheese, please! Käse neutralisiert den sauren pH-Wert im Mund und die Mineralstoffe Kalzium und Phosphat sind sehr gut für den Zahnschmelz. Wie wäre es mit einem Stückchen Käse? Aber ohne Kräcker, bitte. Die pappen zu sehr an den Zähnen.
  • Dunkle Schokolade macht glücklicher. Vielleicht ist es ja ein Mythos, dass Schokolade glücklich macht. Aber wenn Sie schon welche naschen, dann empfehlen die Arag-Experten die dunklen Riegel, mit mindestens 50 Prozent Kakaogehalt. Da ist auch viel Magnesium drin.
  • Ran an den Fisch! Omega-3-Fettsäuren schützen vor Parodontitis. Also gerne Lachs und Hering essen. Walnüsse sind auch prima!
  • Fluorid für den Zahnschmelz: Fluorid härtet Ihren Zahnschmelz. Säuren aus Speisen oder Getränken attackieren lieber weiches Material. Kaufen Sie fluoridiertes Speisesalz. Der Mineralstoff ist außerdem in Fisch, schwarzem Tee und in manchen Mineralwässern vertreten
  • Vollkorn kräftig kauen: Das beste Training für Ihre Kiefermuskeln ist kräftig zu kauen. Zum Beispiel Vollkornbrot. Die Körner schrubben Ihre Zähne und der Zucker aus Vollkorn-Produkten führt seltener zu Karies.
  • Rohkost als Zahnbürste nutzen. Knabbern Sie Möhren! Das ist eine prima Bio-Zahnreinigung. Kohlrabi und Stangensellerie gehen auch. Das funktioniert prima. Oder haben Sie schon mal ein Kaninchen beim Zahnarzt getroffen?
  • Wasser, Wasser, Wasser
    Trinken Sie viel Wasser! Das sorgt für mehr Speichel, der aktiv Säure- und Zuckerangriffe auf Ihre Zähne abmildert. Speichel gilt als wichtiger Zahnschutz.