Pascal Soriot verteidigt sein Unternehmen Astrazeneca, trifft bei der EU aber auf Unglauben.
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Die Auseinandersetzung zwischen der EU und dem Impfstoff-Hersteller Astrazeneca um eine verringerte Lieferung wird zum Nervenkrieg: Die Vertreter des britisch-schwedischen Unternehmens sagten zunächst die Teilnahme an einem Krisentreffen ab, zu dem sie für den Mittwochabend in Brüssel eingeladen waren. Die EU-Kommission und die 27 Mitgliedstaaten bedeuteten der Firma daraufhin, sie möge sich die Absage gut überlegen. Prompt ruderte sie zurück.

Ein Astrazeneca-Sprecher erklärte: „Wir können bestätigen, dass wir uns nicht aus den Gesprächen mit der EU-Kommission zurückgezogen haben, die für heute geplant sind.“ Seitens der EU-Kommission, so wurde gestreut, sei man „erfreut“.

Vergangenen Freitag  hatte die Firma mitgeteilt, sie werde bis Ende März nur 31 Millionen statt vereinbarter 80 Millionen Impfdosen in die EU liefern können. Ein Telefonat von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit Astrazeneca-Chef Pascal Soirot sowie ein Treffen von Unternehmensvertretern mit EU-Gremien führten zu nichts: Begründungen der Firma für die Lieferverzögerung seien nicht stichhaltig.

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Die Firma argumentierte, dass die EU die Impfstoffe zu spät bestellt habe. In einem Interview mit der Welt erklärte Soirot, in der EU werde der Impfstoff in Belgien und den Niederlanden produziert. Dort sei bei einer Anlage leider der Ertrag sehr niedrig. Sein Unternehmen sei vertraglich auch nicht zur Lieferung bestimmter Mengen in festgelegten Zeiträumen verpflichtet. In Großbritannien habe es anfangs auch Schwierigkeiten gegeben. „Aber der Vertrag mit den Briten wurde drei Monate vor dem mit Brüssel geschlossen.“ Die Anlagen mit der niedrigsten Produktivität lägen nun einmal in Europa. „Das machen wir ja nicht mit Absicht!“

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Aus Kommissionskreisen hieß es jedoch, es sei nicht verständlich, warum nicht in Großbritannien produzierter Impfstoff an die EU geliefert würden. Wesentliche Aussagen aus dem Interview Soriots bestreite man. 

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen ist nicht amüsiert. Foto: AP/Pool/Olivier Hoslet

Die EU hatte im August bis zu 400 Millionen Impfdosen von Astrazeneca bestellt und 336 Millionen Euro für Entwicklung und Fertigung vorgestreckt, im Oktober wurde der endgültige Vertrag geschlossen. Nach Darstellung der EU-Kommission hätte Astrazeneca seit Oktober auf Halde produzieren müssen, damit der Impfstoff sofort nach der für Freitag erwarteten Zulassung in der EU bereitsteht.  

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Die EU hinkt hinter Ländern wie Großbritannien und Israel mit dem Impfbeginn ohnehin hinterher, weil alle 27 Staaten einig waren, ein ordentliches und nicht nur ein Notzulassungsverfahren zu absolvieren. Es wird erwartet, dass spätestens im März der Ausstoß des Biontech/Pfizer-Impfstoffs steigt, wenn eine neue Fabrik in Marburg mit der Produktion beginnt. Im Sommer, so teilte der französische Konzern Sanofi mit, werde man ebenfalls in die Produktion einsteigen können. Die US-Firma Moderna ist dabei, den Ausstoß ihres bereits eingesetzten Vakzins zu steigern.