In Großbritannien wird wie hier in London weiter mit Astrazeneca geimpft. Foto: AP Photo/Kirsty Wigglesworth

Der Stopp der Astrazeneca-Impfungen bringt alle Planungen durcheinander. Allein im Zeitraum vom vergangenen Montag bis Ostern sollte das Unternehmen 2,15 Millionen Dosen liefern, die möglicherweise nie zum Einsatz kommen. Bis zum Montag hatte die Firma knapp 3,5 Millionen Dosen an Deutschland geliefert, das über 53 Millionen Astrazeneca-Dosen erhalten soll. Falls aus der vorsorglichen Sperre eine dauerhafte wird, würden also fast 50 Millionen Dosen für knapp 25 Millionen Deutsche ausfallen, weil Biontech/Pfizer, Moderna und Johnson & Johnson das nicht schnell ausgleichen können.

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Wie viele andere Staaten hatte Deutschland am Montag die Impfungen mit dem Vakzin ausgesetzt, weil es nach den bislang rund 1,75 Millionen Astrazeneca-Impfungen bislang sieben Fälle von Thrombosen in Hirnvenen gegeben hatte. Drei endeten tödlich. Das für die Impfsicherheit verantwortliche Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hatte wegen des Auftretens der ansonsten noch selteneren Thrombose-Form bei Geimpften empfohlen, trotz bislang fast 74.000 Covid-19-Toten im Land zunächst nicht weiter mit dem Stoff zu arbeiten. 

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Jetzt warten alle auf die Ergebnisse von Untersuchungen, die in Deutschland, der EU und weltweit angestellt werden, ob die Thrombosen auf das Vakzin zurückzuführen sind. Deshalb wurde der für diesen Mittwoch geplante Impfgipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten abgesagt.

Der grüne Bundestagsabgeordnete und Arzt Janosch Dahmen (Grüne) verlangte, dass weiter mit Astrazenca geimpft wird - nach gründlicher Beratung bei jedem, der es will. Angesichts der 3. Corona-Welle sei der Impfstopp „fahrlässig“.

Bislang sei der Zusammenhang Impfung-Thrombose nicht belegt, erklärte Peter Berlit von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. „Deswegen wird in England und Kanada auch weiterhin geimpft.“ Andere Mediziner wiesen darauf hin, dass bislang vor allem Menschen mit Vorerkrankungen immunisiert würden, die ohnehin ein erhöhtes Thrombose-Risiko hätten.

Janosch Dahmen (Grüne) war Oberarzt bei der Berliner Feuerwehr und dort für die Corona-Bekämpfung zuständig, ehe er im November 2020 als Nachrücker in den Bundestag einzog. 
Foto: imago/Christian Spicker

Wer die Impfung 16 Tage hinter sich hat, muss ohnehin nichts mehr fürchten, sagte PEI-Präsident Klaus Cichutek. Davor sollte man „unverzüglich“ einen Arzt aufsuchen, wenn man sich noch mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlt, etwa mit starken oder anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen.

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Eine gute Nachricht gibt es: Biontech/Pfizer wird im zweiten Quartal 200 statt 190 Millionen Dosen seines Vakzins an die EU liefern, was für 100 Millionen Komplettimpfungen reicht und den möglichen Totalausfall von Astrazeneca ein wenig ausgleicht.