Abwärts: Ein Feuerwehrmann steigt an der Motzener Straße in einen Schacht, um in der Tiefe ein Leck im Abwasserkanal zu stopfen. Foto: Morris Pudwell

Das Großfeuer in einem Galvanik-Betrieb an der Motzener Straße führt nach Angaben der Feuerwehr Waßmannsdorf zu einem Fischsterben und gefährdet Hunde und andere Tiere. Das in der Nacht zu Freitag in Massen verschossene Löschwasser floss - mit Giftstoffen durchsetzt - von Marienfelde durch die Kanalisation in das Klärwerk Waßmannsdorf.

Das Klärwerk Waßmannsdorf: Seine biologische Reinigung funktionierte wegen giftigen Abwassers nicht mehr. Foto: Markus Wächter/BK

Die Feuerwehr teilte über die sozialen Medien und Katwarn mit: „Sie sind dort nicht vollständig abbaubar und bewirken unter anderem in den beiden offen fließenden Ableitern des Klärwerks eine starke Sauerstoffzehrung. Dies hat bereits zu einem Sterben von Fischen geführt. Eine Gefahr für Spaziergänger besteht nicht. Hundebesitzer sollten vorsorglich darauf achten, dass ihre Tiere nicht aus den in Richtung Rudow sowie in Richtung Schönefeld jeweils zum Teltowkanal fließenden bachartigen Ableitern trinken.“ 

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Währenddessen war die Berliner Feuerwehr in der Nacht zu Sonntag damit beschäftigt, weiteren Umweltschaden in der Nähe des Brandorts zu verhindern: In den Abwasserkanälen gab es ein Leck, durch das das Giftwasser in den Untergrund gelang. Ein Spezialist des technischen Diensts stieg durch einen Schacht in die Tiefe und dichtete das Leck mit einem Luftkissen ab. 

Nach dem Arbeitseinsatz „unter Tage“ wird die Schutzkleidung des Feuerwehrmanns dekontaminiert. Foto: Morris Pudwell

Stephan Natz, Sprecher der Wasserbetriebe: „Die Feuerwehr hat sich am Sonnabend gemeldet, dass in den beiden zunächst wie Bäche wirkenden Klärwerksableitern von Waßmannsdorf nach Rudow und zum Rathaus Schönefeld, die von dort aus unterirdisch in Rohren zum Teltowkanal führen, tote Fische treiben.“

Jasmin Wöllner (31) spaziert mit „Joko“ am Rudower Fließ, das aus dem Klärwerk gespeist wird. Sie hatte nichts von der Warnung gewusst, hält ihren badefreudigen Labrador aber immer eher vom Wasser fern.
 
 
Foto: Markus Wächter/BK

Daraufhin habe es die „Katwarn“-Meldung gegeben. Bei Untersuchungen im Klärwerk wurde festgestellt, dass ein Cocktail giftiger Stoffe, darunter Cyanid, von der Motzener Straße aus ins Klärwerk geraten war.

Biologische Reinigung im Klärwerk außer Gefecht

Deshalb seien dort die bis zu 200 verschiedenen Mikroorganismen, die in sogenannten Belebungsbecken zusammen mit dem Abwasser eine tief braune, fast schwarze Brühe bilden und beispielsweise Stickstoffverbindungen im normalen Abwasser zerlegen, mindestens gelähmt, wenn nicht sogar „komatös“ oder abgestorben. Deshalb funktioniere das Klärwerk nicht mehr richtig, Schadstoffe verlassen es.

Das nur noch schlecht geklärte Wasser strömt in Richtung Schönefeld, verschwindet dort in Rohren zum Teltowkanal. Foto: Markus Wächter/BK

Natz: „Obwohl diese Organismen, meistens Bakterien, in einer stinkenden Brühe existieren und sie bilden, sind sie sensibel. Es geht jetzt darum, die biologischen Vorgänge wiederzubeleben.“ Es wurden deshalb zunächst zwanzig Saugwagen der Wasserbetriebe und privater Firmen, die normalerweise Sickergruben leeren, für einen Pendeldienst zwischen den Klärwerken Waßmannsdorf und Ruhleben herangeholt.

Sie transportieren - vermutlich über den ganzen Sonntag - Bakterien-Schlamm aus Ruhleben nach Waßmanndorf. Je nach Größe kippt jeder Tankwagen pro Tour bis zu 19 Kubikmeter des gesunden „Belebtschlamms“ in die Becken, um den biologischen Reinigungsprozess wieder ins Laufen zu bringen.   

Die Wasserbetriebe bemühen sich, weitere Tankwagen heranzuführen, und gegebenenfalls noch Schlamm aus dem Klärwerk Stahnsdorf zu holen.