Albrecht Broemme führt am Montag Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier durch das Impfzentrum an der Treptower Eichenstraße. Foto: Hannibal Hanschke/Pool via AP

Amsterdam - Europa blickte in die Niederlande,  und kurz nach 15 Uhr kam am Montag die Botschaft: Der deutsch-amerikanische Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer ist für die EU bei Menschen ab 16 Jahren zugelassen. Nach den Weihnachtsfeiertagen kann mit der Impfung damit begonnen werden, die in Großbritannien, den USA und Kanada schon läuft. Die Zustimmung der EU-Kommission und des in Deutschland zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts gilt nur noch als Formsache.

Das Mittel „BNT162b2“, das in Deutschland in Mainz, Idar-Oberstein und Marburg hergestellt wird, wird vom Bund auf 27 Verteilzentren geliefert, wo die Bundesländer die Verantwortung übernehmen.  Von mobilen Teams und in 442 Impfzentren soll das Präparat in die Oberarme der Menschen gespritzt werden.

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Das wird zunächst nicht schnell möglich sein. Biontech/Pfizer wollen zwar noch 2020 rund 50 Millionen Dosen liefern - aber weltweit. Weil jeder Impfwillige sich zweimal binnen drei Wochen eine Spritze geben lassen muss, reicht das für 25 Millionen Menschen. Die EU hat sich in einem ersten Schritt 300 Millionen Dosen für 150 Millionen Menschen gesichert. Davon wird Deutschland 55,8 Millionen erhalten.

Nach einem Verteilungsschlüssel waren ursprünglich 40 Millionen Dosen für Deutschland vorgesehen, doch laut Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hätten einige Länder ihre Bestellungen heruntergeschraubt, sodass Deutschland überproportional viele Dosen erhalten werde. Außerdem hat sich Deutschland über eine Bestellung der EU 50,5 Millionen Dosen des Impfstoff-Herstellers Moderna gesichert. Moderna befindet sich in der letzten Phase der EMA-Zulassung, in den USA ist auch dieser Impfstoff bereits zugelassen.  

Nach derzeitigem Stand sollen etwa 400.000 Dosen des Impfstoffes in den ersten Tagen in Deutschland verteilt werden - eine logistische Herausforderung, weil der Stoff auf minus 70 Grad gekühlt werden muss. 

Ein Kühl-Transporter verlässt das Gelände von Biontech in Mainz: Der Impfstoff muss bei minus 70 Grad transportiert werden. Foto: Boris Roessler/dpa

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) zufolge wird die Hauptstadt über Weihnachten zunächst 9750 Dosen bekommen, bis zum Jahresende weitere 49.000 und im neuen Jahr wöchentliche Lieferungen von je 29.750 Dosen. Der Impfstoff wird in Berlin an einem geheimen Ort gelagert. Von dort geht er nach Bedarf an die sechs Impfzentren.

Am 27. Dezember soll dann in der Stadt begonnen werden. Der Anfang wird in den Pflegeheimen gemacht. Mobile Impfteams, die jeweils aus Ärzten, Pfleger und einem Fahrer gebildet werden, stehen bereit. Bis zu 60 werden es sein, erklärte der frühere THW-Chef Albrecht Broemme, der die Einrichtung der sechs Impfzentren geleitet hatte. Zunächst soll nur das Zentrum in der Arena in Treptow (Eichenstraße) genutzt werden, weil noch nicht genügend Vakzine vorhanden sein werden. 

Berlin plane gerade den Einsatz, zu welchen Terminen die Teams in die Pflegeeinrichtungen kommen, sagte Marie Sieprath vom Bundesverband privater sozialer Pflegeeinrichtungen und Dienste (BPA). Die Pflegeheime hätten im Vorfeld Gespräche mit den zum Impfen infrage kommenden Bewohnern besprochen, und der Gesundheitsverwaltung gemeldet, wie viele Dosen die Einrichtungen benötigen, erfuhr der KURIER vom BPA.

Nach Informationen dieser Zeitung fanden beziehungsweise finden auch in den Berliner Krankenhäusern Abfragen statt. Dort werden Listen mit den Ärzten und Pflegern mit höchstem Infektionsrisiko erstellt, die sich von Ärzten der Krankenhäuser impfen lassen wollen. „Schließlich ist das Impfen freiwillig“, sagt ein Klinik-Sprecher.

Zunächst wird auch nicht flächendeckend geimpft: Die oberste Priorität haben Menschen über 80 Jahre und Pflegeheimbewohner, die besonders anfällig für schwere Covid-19-Erkrankungen sind und oft daran sterben. Außerdem Menschen, die sie behandeln, pflegen und betreuen, sowie Personal in Notaufnahmen und Corona-Stationen. Das sind bundesweit rund 8,6 Millionen Menschen. Bekämen täglich 150.000 Menschen eine Spritze, würde es fast vier Monate dauern, um allein sie zu versorgen. Mit Massenimpfungen ist laut Spahn erst vom Sommer an zu rechnen.

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Die Impfung ist für jedermann kostenlos, gleichgültig, ob krankenversichert oder nicht. Nach den Daten von Biontech/Pfizer erreicht man nach zwei Spritzen eine 95-prozentige Wahrscheinlichkeit, nicht an Covid-19 zu erkranken. Angestrebt wird eine Impfquote von bis zu 70 Prozent, was die Corona-Pandemie stoppen dürfte.