Charité-Chefvirologe Christian Drosten erwartet bei Corona weniger Virus-Mutationen als bei der echten Grippe, der Influenza.  Foto: dpa/Christophe Gateau

Grippe-Impfstoffe müssen jedes Jahr aktualisiert werden, um vor neuen Influenzaviren zu schützen. Ähnlich wird es auch bei Corona-Impfstoffen, fanden Forscher der Charité heraus.  Während der Pandemie werden regelmäßige Impfstoff-Updates nötig sein, nach einigen Jahren ist jedoch eine längere Haltbarkeit der Impfstoffe zu erwarten.  

Influenzaviren seien Meister darin, sich der Immunreaktion des Menschen zu entziehen: Sie verändern sich so schnell, dass die Antikörper, die das Immunsystem nach einer früheren Infektion oder Impfung hergestellt hat, sie nicht mehr gut erkennen können. Das macht eine Anpassung des Impfstoffs in praktisch jeder Grippe-Saison nötig. Auch das Corona-Virus hat bereits verschiedene Mutanten hervorgebracht, von denen einige, wie die sogenannte südafrikanische Variante, die Immunreaktion teilweise unterläuft. Erste Impfstoff-Hersteller entwickeln daher schon neue Versionen ihres Vakzins. 

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Um einschätzen zu können, ob das gefährliche Coronavirus SARS-CoV-2 langfristig eine ebenso stark ausgeprägte „Flucht“ vor dem Immunsystem zeigen wird wie Grippeviren, haben die Charité-Virologen um Prof. Dr. Jan Felix Drexler und Dr. Wendy K. Jó die genetische Entwicklung von Erkältungs-Coronaviren über die letzten 40 Jahre untersucht. Bekannt sind vier solcher vergleichsweise harmlosen Erreger, die rund zehn Prozent der Erkältungen weltweit verursachen und schon wesentlich länger im Menschen zirkulieren als SARS-CoV-2. Auch sie entern menschliche Zellen über das sogenannte Spike-Protein, das die namensgebende „Krone“ auf der Virus-Oberfläche bildet und gegen das alle bisherigen Impfstoffe gerichtet sind.

Corona-Viren ändern sich vermutlich langsamer als Grippe-Viren

Die Forscher fanden heraus, dass sich bei den harmlosen Erkältungsviren aus der Corona-Familie weniger Mutationen im Erbgut entwickelten.  Damit veränderten sie sich um das Vierfache langsamer als das Grippevirus. „Das ist mit Blick auf SARS-CoV-2 eine gute Nachricht“, resümiert Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie.

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Zwar liege die Evolutionsgeschwindigkeit von SARS-CoV-2  mit geschätzt rund zehn Mutationen pro 10.000 Erbgut-Bausteinen im Jahr noch deutlich über der landläufiger Coronaviren. „Diese schnelle genetische Veränderung   spiegelt sich in dem Aufkommen vieler verschiedener Virusvarianten weltweit wider“, erklärt Studienleiter Drexler. „Der Grund dafür liegt aber hauptsächlich in dem hohen Infektionsgeschehen während der Pandemie: Wo es viele Infektionen gibt, kann sich ein Virus auch schneller weiterentwickeln.“

Angesichts der Veränderungsraten der heimischen Erkältungscoronaviren gehe man aber davon aus, dass sich auch SARS-CoV-2 langsamer verändern wird, sobald das Infektionsgeschehen abebbt – also nachdem ein Großteil der weltweiten Bevölkerung entweder durch die Erkrankung selbst oder durch eine Impfung einen Immunschutz aufgebaut habe. Drexler: „Deshalb nehmen wir an, dass die Covid-19-Impfungen während der Pandemie regelmäßig überprüft und wenn nötig angepasst werden müssen. Sobald sich die Situation stabilisiert hat, werden die Impfungen aber voraussichtlich länger nutzbar sein.“