Einsam auf der Straße: Geht es nach den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Bundesländer, soll das noch länger so bleiben. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Am Dienstag werden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Bundesländer wieder beraten, wie es mit dem Corona-Lockdown weitergeht. Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zufolge haben sich die Länderchefs im Vorfeld bereits darauf verständigt, ihn über den 10. Januar hinaus zu verlängern. Denn trotz eines Monats verschärfter Maßnahmen meldete das Robert-Koch-Institut für den Freitag 12.690 neue Infektionen (insgesamt 1,755 Millionen) und 336 Covid-19-Tote (33.960 seit Beginn der Pandemie). Es dürften aber mehr Infektionen sein, weil es seit Weihnachten weniger Tests gegeben haben wird. Die Chefs der Staatskanzleien seien sich in einer Telefonkonferenz allerdings nicht einig darüber gewesen, ob die Verlängerung zunächst für zwei oder drei Wochen beschlossen werden sollte. Vor allem besonders stark von der Corona-Pandemie betroffene Länder wie Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen oder Thüringen plädierten demnach für die längere Frist bis zum 31. Januar. Bremen, Hamburg und Hessen hätten sich hingegen dafür ausgesprochen, die Maßnahmen zunächst für zwei Wochen zu verlängern.

Die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, wünscht sich  „eine möglichst einheitliche Verlängerung der Kontaktbeschränkungen“, wie sie der Funke-Mediengruppe sagte.  „Das Gesundheitssystem braucht dringend eine Entlastung, die nur durch eine Verlängerung der Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung zu erreichen ist.“ Denn laut Divi-Intensivregister sind gegenwärtig bundesweit fast 21.800 Intensivbetten belegt, 5726 davon mit Covid-19-Patienten. 565 kamen binnen eines Tages dazu. 

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Bundesweit gab es eine Inzidenz von 140 Neuinfektionen binnen einer Woche pro 100.000 Einwohner – 50 will die Politik erreichen. Eine Marke, die der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) für zu hoch hält. Uwe Janssens: „Wir  raten dringend, bis zu einem Inzidenzwert von unter 25  keine Lockerungen in Aussicht zu stellen“, sagte er der Rheinischen Post. „Wir werden erst Ende kommender Woche in den Krankenhäusern sehen, wie stark Weihnachten zur Verbreitung von Covid-19 beigetragen hat.“ Mit einer Entspannung auf den Intensivstationen rechnet er erst im Sommer.

Wann es zu einer Entspannung bei Impfstoffen kommt, ist noch nicht klar. Noch sind sie knapp – was zu grotesken Situationen führt. Lutz Stroppe, Ex-Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, berichtete auf Twitter, dass das Altenheim seiner Mutter (88) in Frankfurt/M. ausloste, wer geimpft wird: „Meine Gefühle zu schildern, verbietet die Etikette.“ Biontech/Pfizer sind auf der Suche nach weiteren Produktionsstätten. Es wird erwartet, dass am Mittwoch die EU-Zulassung für das Vakzin des US-Herstellers Moderna erfolgt. Der Bund rechnet damit, dass bis Anfang Februar allein Biontech/Pfizer 2,68 Millionen Dosen ausliefert, was für halb so viele Menschen reicht.