Ärztin Natascha Kempkes impft Beatrix Mengen im Terminal C des ehemaligen Flughafens Tegel mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca.   Foto: dpa/Sören Stache

Berlin war schnell, die Berliner nicht ganz so schnell: Am Tag nach der erneuten Freigabe des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca wurden die wieder geöffneten Impfzentren in den ehemaligen Flughäfen Tegel und Tempelhof, in denen er gespritzt wird, nicht gerade überrannt.

Rund 6000 Astrazeneca-Termine waren seit dem vorsorglichen Impfstopp am Montag bis einschließlich Donnerstag ausgefallen. Berliner, die für diese Tage einen Termin hatten, können ihn schon am Sonnabend und Sonntag (9-18 Uhr) nachholen, wenn sie ihre Unterlagen mitbringen.

Kein Impf-Gedrängel zu erwarten 

Es kann in beiden Zentren vielleicht zu Wartezeiten kommen, weil auch die bereits für diese Tage gebuchte Impflinge erwartet werden. Bei einer Kapazität von bis zu 3000 Impfungen pro Zentrum und Tag ist aber kein Gedrängel zu erwarten. Wer kein Risiko eingehen will, kann seinen Termin über die Hotline 9028 2200 verlegen lassen.

In Tegel war der Andrang am Freitagvormittag sehr bescheiden, die rund 200 Helfer und  acht Impfärzte hatten wenig zu tun. Die meisten Shuttle-Kleinbusse, die vom Impfzentrum im Terminal C zur BVG-Bushaltestelle nahe dem Saatwinkler Damm fuhren, waren spärlich besetzt.

Zbigniew Bucki hat sich für die Impfung mit Astrazeneca entschieden. Foto: BK/Markus Wächter

Ein Fahrgast war Zbigniew Bucki (68) aus Reinickendorf, der eigentlich am Dienstag hätte geimpft werden sollen. „Ich habe einfach angerufen, und der Termin wurde verlegt“, sagt der Rentner, berichtet von reibungslosem Ablauf beim Impfen und seinen Gedanken über den Impfstoff: „Wenn man die Argumente für und gegen die Impfung auf die Waage legt, wiegt das Impfen schwerer.“

Die „wahrscheinlich älteste Web-Designerin Berlins“ Gerlinde Behrendt (68) schildert eine sorgfältige Beratung im Impfzentrum, weil bei ihr der Verdacht auf die Lungenkrankheit COPD vorliegt und sie Haselnuss-Allergikerin ist. Die Charlottenburgerin hatte ihren Termin für den Freitag eigentlich vorbeugend umgebucht und war dann einfach ohne Termin zum Impfzentrum gefahren, nachdem sie  gehört hatte, dass es wieder arbeitet.

Gerlinde Behrendt hat die Spritze kaum gespürt. Foto: BK/ Markus Wächter

Ob sie Sorgen wegen möglicher Nebenwirkungen von Astrazenca hat? „Es sind so viele Engländer damit geimpft worden, der Stoff wurde von der Uni Oxford entwickelt – so schlecht kann er dann wohl nicht sein.“

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Behrendt und Bucki haben auch schon ihre Termine für die zweite Injektion im Juni.

Berliner sind verlässliche Impflinge

Albrecht Broemme (67), früherer Chef des Technischen Hilfswerks und der Berliner Feuerwehr, der die Einrichtung der Impfzentren organisiert hatte, machte sich in Tegel ein Bild und ist zufrieden: „Wer einen Termin hat, kommt bis auf ganz wenige Ausnahmen auch.“

Er erwartet wie Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci, dass von April an in den Arztpraxen langsam ansteigend mit Astrazeneca geimpft wird. Der Impfstoff sei dafür viel besser geeignet als der von Biontech/Pfizer, erklärt er, holt im Bus-Wartehäuschen ein Biontech-Übungsfläschchen aus seiner alten THW-Jacke.

Daran demonstriert Broemme, dass die Vorbereitung dieses Vakzins etwas herausfordernd sei: „Man muss das Gefäß, dass nur zu einem Fünftel mit Impfstoff befüllt ist, mit einer Salzlösung auffüllen, dann liebevoll bewegen, aber nicht schütteln. Das verträgt er nicht.“ Anschließend müsste der Arzt sechs Spritzen daraus aufziehen.

Albrecht Broemme mit einem Biontech-Übungsfläschchen: Der Umgang damit ist eine ziemliche Fummelei bei Aufziehen der Spritzen. Foto: BK/Markus Wächter

Das sei mit Astrazeneca viel einfacher, die Fläschchen wären größer und man bekomme aus einem elf Injektionen heraus. Das sei gut, denn es komme auf jede Praxis an, die mitimpft. 20 Impfungen pro Tag könne jeder niedergelassene Arzt am Tag schaffen, wenn genügend Impfstoff da ist. Allerdings müsse noch die Bezahlung der Ärzte bundesweit geregelt werden – ob sie über das Regelwerk des Sozialgesetzbuchs 5 oder direkt vom Land Berlin honoriert werden.

Mit zunehmender Zahl von Impfungen in Praxen könne man dann auch Impfzentren schließen, Tegel und Tempelhof voraussichtlich als letzte.

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Für April wird laut Broemme erwartet, dass für die sechs Impfzentren täglich rund 15.000 Dosen aller Impfstoffe bereit stehen, gegenüber 12.000 im März. Dazu käme Impfstoff für die Krankenhäuser, für Betriebsärzte und die mobilen Impfteams, die inzwischen alle Berliner Pflegeheim-Bewohner immunisiert hätten.

Vor dem Impf-Hangar in Tempelhof wurden große Heiz- und Belüftungsanlagen aufgestellt. Der schwarze Streifen über den Rolltoren ist der Taubenschutz. Foto: Gerhard Lehrke

Broemme sah sich anschließend nach Tempelhof um, wo das Impfzentrum im Hangar 4 vor der Eröffnung vor einem Problem gestanden hatte: Tauben, die durch die Lücke über den Toren in die Halle kamen. Die Lösung: Ein Kunststoffgewebe wurde mit Magneten befestigt und blockiert seither die Einflugschneise.

Albrecht Broemme stehen nicht nur die Türen der Impfzentren offen. Foto: Gerhard Lehrke

Broemme selbst stehen neuerdings viele Türen offen. „Ich käme, wenn ich wollte, in die Berliner Clubs rein.“ Viele der Sicherheitsleute an den Impfzentren werden nach der Pandemie wieder als Türsteher arbeiten und haben ihm angeboten, ihn dann reinzulassen.