Ein paar Scheine mehr in der Geldbörse wären toll? Dann wechseln Sie doch die Steuerklasse!
Ein paar Scheine mehr in der Geldbörse wären toll? Dann wechseln Sie doch die Steuerklasse! Monika Skolimowska/dpa

Wieder zu wenig Netto vom Brutto auf dem Konto? Das könnte an der falschen Steuerklasse liegen! Denn wie viel Brutto der Arbeitgeber ihnen jeden Monat überweist, legt die Steuerklasse fest.

Sechs davon gibt es, meist werden sie mit den römischen Ziffern I bis VI (1 bis 6) bezeichnet. „Die Steuerklassen bestimmen, wie viel Lohnsteuer vom Bruttolohn abgezogen wird“, sagt Steuerfachmann Jörg Leine vom Finanzratgeber Finanztip. „Sie entscheiden also darüber, wie hoch der Nettolohn ausfällt.“

Mit der Lohnsteuer greift das Finanzamt auf Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit zu. Angestellte müssen sie als Vorabzahlung für die Einkommensteuer zahlen. Die Einordnung in verschiedene Steuerklassen soll erreichen, dass diese Vorabzahlung möglichst genau dem entspricht, was an Steuer fällig wird.

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„Dabei richtet sich die Steuerklasse in erster Linie nach dem Familienstand“, sagt Claudia Kalina-Kerschbaum, Geschäftsführerin der Bundessteuerberaterkammer. „Zudem werden durch die verschiedenen Steuerklassen Frei- und Pauschbeträge bereits abgezogen.“

In welche Steuerklasse jemand eingeordnet wird, ist in der Regel gesetzlich vorgegeben. Nur Verheiratete haben die Wahl und können die Kombination ihrer Steuerklassen selbst festlegen.

Steuererklärung fällig? Viel mehr als einen Computer braucht es für die Erstellung und das Versenden heute nicht mehr.
Steuererklärung fällig? Viel mehr als einen Computer braucht es für die Erstellung und das Versenden heute nicht mehr. Christin Klose/dpa

Steuerklasse I: Für Singles, Geschiedene, ohne Kinder

Dieser Steuerklasse waren 2018 rund 22 Millionen Menschen zugeordnet. Dort landet automatisch jeder Arbeitnehmer, der Single oder geschieden ist und keine Kinder hat.

Bei der Berechnung des Nettolohns berücksichtigt der Arbeitgeber einen jährlichen steuerlichen Grundfreibetrag von aktuell 10.908 Euro, einen Arbeitnehmerpauschbetrag von 1230 Euro und den Sonderausgabenpauschbetrag von 36 Euro. Nach Abzug der Freibeträge wird die fällige Lohnsteuer ermittelt. Nach den Berechnungen von Finanztip beträgt die bei einem Bruttoeinkommen von monatlich 3000 Euro rund 341 Euro.

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Steuerklasse II: Für Alleinerziehende

Die Steuerklasse der Alleinerziehenden. Wer also zum Beispiel getrennt lebt und ein Kind hat, für das Kindergeld gezahlt wird, kann in diese Steuerklasse wechseln. Sie berücksichtigt einen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende, der in diesem Jahr auf 4260 Euro angehoben worden ist. Dieser Betrag kommt noch auf die Freibeträge der Steuerklasse I drauf.

„Alleinerziehende haben so bei einem Kind rund 100 Euro netto mehr im Monat auf dem Konto“, rechnet Leine für dieses Beispiel vor. Davon profitieren derzeit rund eine Million Steuerpflichtige, die meisten davon sind Frauen.

Den Wechsel in diese Steuerklasse müssen Alleinerziehende zum Beispiel nach einer Trennung selbst beantragen. „Wer das vergisst, bekommt das Geld später bei der Steuererklärung zurück“, sagt Leine. „Aber erst mal hat man netto dann weniger raus.“

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Steuerklasse IV: Für Paare, die gleich viel verdienen

Nach dem Ja-Wort werden verheiratete oder verpartnerte Paare automatisch in diese Steuerklasse eingeordnet. Die Freibeträge sind die gleichen wie in Steuerklasse I. Das biete sich besonders für Paare an, bei denen beide Partner in etwa gleich viel verdienen, sagt Kalina-Kerschbaum. Die Partner werden in der Steuerklasse IV beide gleich besteuert.

„Zusätzlich zur Steuerklassenkombination IV/IV besteht die Möglichkeit, diese mit Faktor zu wählen“, sagt Kalina Kerschbaum. „Der Faktor ist ein steuermindernder Multiplikator und ermöglicht, für beide das günstigere Ehegattensplitting anzuwenden. Dadurch behält der Fiskus nicht mehr Lohnsteuer ein als unbedingt notwendig.“

Beim Ehegattensplitting werden bei einer gemeinsamen Steuererklärung beide Einkommen zusammengerechnet, durch zwei geteilt und dann besteuert. In der Regel fällt die Last dadurch niedriger aus.

Mit dem Faktor wird versucht, die Steuern schon vor der Steuererklärung auf beide Partner möglichst gleich aufzuteilen. Der mit dem niedrigeren Einkommen hat dadurch netto mehr auf dem Konto als ohne Faktor. Steuerzahler müssen den Faktor beim Finanzamt beantragen. Er gilt dann zwei Jahre lang.

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Steuerklassen III und V: Für Paare, die ungleich viel verdienen

Die meisten Paare wählen laut Statistik die Steuerklassen-Kombination III und V. Das ist erlaubt, sofern die Ehe- oder Lebenspartner nicht dauerhaft getrennt leben. Wichtig: Das Paar muss sich entscheiden, wer welche Steuerklasse nimmt.

Der Anreiz für diese Kombination ist der Vorteil der Steuerklasse III: Dort greift der doppelte Grundfreibetrag. Finanztip-Berechnungen zufolge fällt dann erst ab einem Bruttomonatseinkommen von etwa 2400 Euro erst Lohnsteuer an.

Den Preis dafür zahlt der Partner in Steuerklasse V. Dieser hat nämlich kaum Freibeträge und deshalb vergleichsweise hohe Abzüge. In unserem Beispiel wären das 643 Euro Lohnsteuer im Monat.

Das habe vor allem Vorteile bei Paaren mit unterschiedlich hohem Einkommen, so Kalina-Kerschbaum: „Der Ehegatte, der Lebenspartner beziehungsweise die Lebenspartnerin mit dem geringen Einkommen wählt die ungünstigere Steuerklasse V, während das hohe Einkommen des anderen in der Steuerklasse III geringer besteuert wird.“ Insgesamt hat ein solches Paar dadurch jeden Monat mehr auf dem Konto als wenn beide die Steuerklasse IV hätten.

Doch die Steuerklassen III und V sind nach dem Willen der Bundesregierung ein Auslaufmodell. Das Finanzministerium arbeitet an einem Gesetz, um die beiden Steuerklassen abzuschaffen. So soll die Lohnsteuerbelastung der beiden Partner gerechter verteilt werden.

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Steuerklasse VI: Für den Zweitjob

Wer mehr als einen Job hat, landet mit dem zweiten automatisch in dieser Steuerklasse – zumindest solange es sich nicht um einen Minijob handelt. Freibeträge gelten hier keine, deshalb fällt bereits ab dem ersten Euro Verdienst die Lohnsteuer an.

Aber: Beschäftigte können frei wählen, welcher der beiden Jobs der Steuerklasse VI zugeordnet werden soll. Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe rät Arbeitnehmern, diese für den Job mit dem niedrigeren Einkommen zu wählen.

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Erst mit der Steuererklärung wird abgerechnet

Egal welche Steuerklasse auf dem Lohnzettel steht: Abgerechnet wird erst mit Abgabe der Steuererklärung. „Die Höhe der insgesamt fälligen Einkommensteuer richtet sich nach dem gesamten Einkommen“, sagt Jörg Leine. „Dadurch kann es sein, dass zum Beispiel ein Ehepaar durch sein Steuerklassen-Modell zu wenig Lohnsteuer gezahlt hat“, erklärt Leine. Es müsste dann also nach Ablauf des Jahres Steuern nachzahlen.

Wer dagegen mit seinem Zweitjob in Steuerklasse VI landet, kann sich mit einer Steuererklärung einiges von der gezahlten Lohnsteuer zurückholen. Beide Einkommen werden dafür zusammengerechnet und dann Bilanz gezogen. Sie sollten daher in jedem Fall unbedingt eine Steuererklärung abgeben.