Die Lebensmittelpreise steigen – manchmal sogar unbemerkt, weil die Hersteller kleinere Verpackungen in die Regale stellen.
Die Lebensmittelpreise steigen – manchmal sogar unbemerkt, weil die Hersteller kleinere Verpackungen in die Regale stellen. dpa/Hendrik Schmidt (Symbolbild)

Die Teuerungen bei Lebensmittel bringen viele Verbraucher in Existenznöte: Gerade einkommensschwache Haushalte können sich selbst die grundlegendsten Einkäufe kaum noch leisten. Mehrere Discounter versprechen nun, Kunden mit preiswerten Lebensmitteln zu entlasten: So werden saisonales Obst und Gemüse wie Tomaten oder Äpfel in bestimmten Verpackungen zum Teil nicht teurer angeboten als im Vorjahr. Doch auf der anderen Seite wird bei bestimmten Produkten dreist abkassiert.

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Verpackungstrick: Preis leicht erhöhen, aber Füllmenge deutlich senken

Zum Beweis hat die Verbraucherzentrale einige besonders freche Verpackungstricks herausgegriffen. So hat der Discounter Netto den Preis für die Feinschmecker-Salate scheinbar nur leicht erhöht: Ein Becher Olivano’s Linsen-Bulgursalat pikant kostete früher 89 Cent, jetzt 99 Cent. Okay, zehn Cent mehr, sagen sich viele Verbraucher, so viel ist das ja nicht.

Tatsächlich wurde aber die Füllmenge von 250 Gramm auf 200 Gramm um ein Fünftel reduziert. Alles in allem, rechnet die Verbraucherzentrale vor, eine Preiserhöhung von 39 Prozent!

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Verpackungstrick: Preis bleibt gleich, aber ein Viertel weniger Inhalt!

Statt wie vorher 400 Gramm findet sich in den Jack’s Farm Lammsteaks von Aldi nur noch 300 Gramm, eine Preiserhöhung von 33,3 Prozent.
Statt wie vorher 400 Gramm findet sich in den Jack’s Farm Lammsteaks von Aldi nur noch 300 Gramm, eine Preiserhöhung von 33,3 Prozent. Verbraucherzentrale Hamburg

Auch die Konkurrenz hat sich einiges einfallen lassen: So hat Aldi den Preis für Jack’s Farm Lammsteaks scheinbar trotz allgemeiner Inflation nicht angehoben: 6,99 Euro kostet die Packung weiterhin. Die Verbraucherschützer haben genau hingeschaut, und siehe da: Statt wie vorher 400 Gramm findet sich darin nur noch 300 Gramm, eine Preiserhöhung von 33,3 Prozent.

Der Discounter erklärt in einer Stellungnahme, mitunter lasse es sich „nicht vermeiden, Produktpreise nach oben anzupassen“. Die kleinere Portionsmenge sei auch Folge „der aktuellen Verknappung der Ware“. Die Verbraucherzentrale Hamburg lässt sich davon nicht beeindrucken und erklärt das Produkt zur „Mogelpackung des Monats Juni 2022“.

Auch im Biomarkt nicht vor Verpackungstricks gefeit

Bei Penny hat sich der Pizza-Preis deutlich erhöht.
Bei Penny hat sich der Pizza-Preis deutlich erhöht. Verbraucherzentrale Hamburg

Bei Penny hat sich der Pizza-Preis deutlich erhöht: Die Steinofen-Pizza Mozzarella, Spinat & Feta kostete zuvor 2,49 Euro, seit Juni 2,99 Euro. Zudem hat sich aber das Gewicht der Pizza deutlich verschlankt: Von 460 auf nur noch 410 Gramm. Die Rewe Group, zu der die Penny-Märkte gehören, begründet das mit der Umstellung auf einen neuen Lieferanten, der „schlichtweg keine höhere Grammatur anbieten kann“. Die Rohstoffpreise wiederum hätten die Preiserhöhung von insgesamt 34,7 Prozent nötig gemacht.

Selbst im Biomarkt ist man laut Verbraucherzentrale Hamburg vor Verpackungstricks nicht gefeit: Die vegane Soße Soul Kitchen Chili Sin Carne wird bei Denn’s Biosupermarkt unverändert für 2,99 Euro verkauft (Stand: Mai 2022). Der Verpackungsinhalt verringerte sich jedoch von 410 auf 370 Gramm – eine Preiserhöhung von 10,8 Prozent. Die Rezeptur sei die gleiche, allerdings habe man bei den Sorten „noch einmal verstärkt auf den Einsatz von Bio-Gemüse aus regionalem Anbau gesetzt“.

Die komplette Mogelpackungsliste gibt’s bei der Verbraucherzentrale Hamburg >>>