Die Kosten für ein separates Arbeitszimmer können bei der Einkommenssteuererklärung geltend gemacht werden. Steuerzahler können hoffen, dass dies bald auch fürs Homeoffice gilt. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

In diesem besonderen Jahr gibt es für Steuerzahler einige Vergünstigungen vom Staat. Das bekannteste Beispiel ist die reduzierte Mehrwertsteuer: Statt 19 Prozent zahlen wir bis zum Jahresende nur 16 Prozent auf die meisten Waren; Bücher und andere Artikel mit reduzierter Mehrwertsteuer werden nur noch mit fünf statt wie bisher mit sieben Prozent vom Staat belegt. Wir geben Tipps, wie sich die Steuerlast weiter senken lässt.

Anschaffungen: Die oben erwähnte Herabsetzung der Mehrwertsteuer soll den Konsum ankurbeln. Wer größere Anschaffungen plant, einen neuen Computer, einen Fenseher oder einen Büroschrank, sollte sich noch in diesem Jahr entscheiden und kaufen. Entscheidend für den Steuersatz ist, dass der Gegenstand noch in diesem Jahr geliefert wird. Dieser Rat gilt für diejenigen, die den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1000 Euro voraussichtlich überschreiten. Wer dies nicht tut, kann darauf verzichten, Geld auszugeben und Belege zu sammeln.

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Homeoffice: Die Kosten für ein separates Arbeitszimmer können bei der Einkommenssteuererklärung geltend gemacht werden, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten Berufstätigkeit bildet oder kein Arbeitsplatz in der Firma zur Verfügung steht. Das provisorische Büro am Küchentisch zählte bisher nicht. Zurzeit laufen Beratungen, die Bestimmungen zu ändern. Deshalb schon einmal den Arbeitsplatz am Couch- oder Esstisch fotografieren und aufmerksam die Nachrichten verfolgen, rät der Bund der Steuerzahler (BdSt). Der Bund hat sich dafür eingesetzt, dass Arbeitnehmer ohne separates Arbeitszimmer auch einen Werbungskostenabzug erhalten und hofft, dass dies noch im Jahressteuergesetz 2020 verankert wird, heißt es in der aktuellen Steuerinformation des Bunds der Steuerzahler.

Handwerkerkosten: Wie bei Waren gilt auch für Dienstleistungen bis Ende des Jahres der niedrigere Mehrwertsteuersatz. Wer also das Büro streichen lassen möchte, sollte das noch dieses Jahr in Auftrag geben. Die Arbeitsstunden der Handwerker können teilweise von der Steuer abgesetzt werden: 20 Prozent der Aufwendungen können geltend gemacht werden, maximal 1200 Euro pro Jahr.

Haushaltsnahe Dienstleistungen: Als haushaltsnahe Dienstleistungen zählen das Schneeschieben, ein Putzdienst oder Hausmeister- oder Gartenarbeiten. Wer hierfür professionellen Helfer engagiert, kann 4000 Euro (20 Prozent von 20.000 Euro) beim Finanzamt einreichen.

Bonus vom Arbeitgeber: Arbeitgeber können ihren Beschäftigten in diesem Jahr einen Bonus von bis zu 1500 Euro gewähren – steuer- und sozialversicherungsfrei. Für eine Sachleistung in dieser Höhe gilt dasselbe. Erfasst werden laut Steuerzahler-Bund Sonderleistungen, die die Mitarbeiter zwischen dem 1. März und dem 31. Dezember dieses Jahres erhalten. Voraussetzung ist, dass die Sonderzahlung zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erfolgt. Die Bonusregelung gilt für alle Branchen und Berufe. Arbeitgeber, die mit dem Gedanken an eine Prämie spielen, sollten diese ihren Mitarbeitern in diesem Jahr zukommen lassen. 2021 werden vielleicht wieder Steuern und Sozialversicherung fällig – dann kommt beim Mitarbeiter netto deutlich weniger an.

Den Zahnersatz abrechnen

Eine neue Brille, Zahnersatz oder eine Kur werden vom Finanzamt als „außergewöhnliche Belastungen“ eingestuft und können ebenfalls mit der Steuererklärung eingereicht werden. Sinnvoll ist es, die Kosten in einem Jahr zu bündeln, also keine Ratenzahlung zu vereinbaren.

Das Finanzamt berechnet die „zumutbare Belastung“ für jeden Steuerzahler individuell. Sie hängt vom Einkommen und vom Familienstand ab und kann im drei- oder vierstelligen Bereich liegen. Wer neugierig ist, findet Online-Rechner auf den Seiten der Finanzämter.

Freibeträge: Wer regelmäßig Kosten für Weiterbildungen oder Werbungskosten für einen langen Arbeitsweg in der Steuererklärung angibt, kann beim Finanzamt einen Freibetrag beantragen (zum Beispiel auf www.formulare-bfinv.de). Das Finanzamt wird bei Genehmigung weniger Lohnsteuer abziehen, weil es diese ja ohnehin erstatten müsste. Voraussetzung ist, dass die Aufwendungen mehr als 600 Euro pro Jahr betragen, teilt der Bund der Steuerzahler mit. Bei den berufsbedingen Werbungskosten müssen die Ausgaben den Arbeitnehmer-Pauschbetrag übersteigen. Anträge für einen Freibetrag können ab Oktober gestellt werden. Fürs nächste Jahr kann man also jetzt noch aktiv werden. Wer schon einen Freibetrag hat, sollte ihn in diesem Jahr überprüfen. Wegen Corona kann es zu Änderungen bei den Ausgaben kommen, weil zum Beispiel der Weg zur Arbeit entfallen ist. Ist der Freibetrag zu hoch, muss die Steuer nachgezahlt werden. Also besser vorher anpassen.

Kfz-Steuer: Am 1. Januar 2021 steigt die Kfz-Steuer. Sie wird künftig stärker nach dem CO2-Wert des Autos bemessen. Außerdem werden Fahrzeuge mit reduzierten Emissionen gefördert. Wer ein Auto anschaffen möchte, sollte deshalb noch in diesem Jahr handeln, denn für sie wird die Kfz-Steuer noch nach dem alten Satz berechnet. Bereits zugelassene PKW sind nicht betroffen. E-Autos bleiben von der Kfz-Steuer befreit.

Baukindergeld: Baukindergeld soll es Familien mit Kindern und Alleinerziehenden leichter machen, ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung zu finanzieren. Pro Kind erhalten die Bauherren 12.000 Euro, ausgezahlt in jährlichen Raten zu je 1200 Euro. Familien, die bis zum 31. März 2021 eine Immobilie kaufen – egal, ob ein neues oder altes Haus – oder für ihr Grundstück eine Baugenehmigung erhalten, können von dieser Förderung profitieren. Entscheidend ist das Datum des notariellen Kaufvertrags oder das Datum der Baugenehmigung. Ursprünglich war die Regelung bis Ende 2020 befristet, wurde aber wegen der Coronakrise verlängert. Obwohl jetzt mehr Zeit vorhanden ist, sollten Familien das Bau- oder Kaufvorhaben nicht auf die lange Bank schieben und möglichst noch in diesem Jahr tätig werden, empfiehlt der Bund der Steuerzahler. „Genehmigung und Kaufverfahren erfordern erfahrungsgemäß Zeit“, heißt es in der aktuellen Steuerinformation. Die Kaufpreiszahlung, die Übergabe des Hauses, Bauarbeiten oder der Einzug könnten aber nach dem 31. März 2021 erfolgen.

Hinzuverdienst bei vorgezogener Altersrente: In vielen Branchen wie in der Pflege gibt es Fachkräftemangel. Deshalb hat die Bundesregierung in der Coronazeit die Hinzuverdienstgrenze für Rentner mit vorgezogener Altersrente angehoben. In diesem Jahr können erwerbstätige Rentner Einkünfte in Höhe von 44.590 Euro erzielen, ohne dass die gesetzliche Altersrente belastet wird. Früher lag dieser Satz bei nur 6300 Euro. Ab 2021 gilt voraussichtlich wieder der niedrigere Satz.