Wer Schulden hat, hat es meist schwer, finanziell wieder auf den grünen Zweig zu kommen. imago/Panthermedia

„Raus aus den Schulden“ ist zurück! Am Montag zur besten Sendezeit (20.15 Uhr) gibt’s bei RTL wieder jede Menge Tipps rund um die Themen Schulden, Überschuldung und den richtigen Umgang mit Geld. Doch was im Fernsehen an in Not geratenen Familien vorgeführt wird, kann man auch alleine schaffen. Ganz ohne, sich im Fernsehen bloßzustellen.

2020 galt laut Schuldenatlas jeder zehnte Deutsche als überschuldet. Als „überschuldet“ gilt man, wenn Einkommen und Vermögen über einen längeren Zeitraum nicht ausreichen, um Rechnungen und Co. zu begleichen. Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass jeder Zweite, der 2020 eine Schuldnerberatung aufsucht, zwischen 25 und 44 Jahren alt war. 6,4 Prozent derer, die allein nicht mehr aus den Schulden herauskommen und auf externe Hilfe angewiesen waren, waren sogar noch jünger.

Peter Zwegat hat Familien in „Raus aus den Schulden“ jahrelang aus finanziellen Krisen geholfen. In den neuen Folgen wird er allerdings nicht mehr zu sehen sein. RTL/ Stefan Gregorow

„Raus aus den Schulden“: Per App statt im Fernsehen mit Peter Zwegat

Bei RTLs „Raus aus den Schulden“ unterstützt der neue Schuldnerberater Stilianos Brusenbach Familien bei ihrem Weg aus finanziellen Notsituationen. „Auch viele andere Schuldner würden sich über so eine umfassende Hilfe freuen“, kommentiert Susanne Krehl, Gründerin der kostenlosen App „Fabit“ (abgeleitet vom Englischen „financial habit“, also finanzielle Gewohnheit), die sich auf Hilfe für Schuldner spezialisiert hat.

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Die Expertin weiß: „Es ist oft nicht ganz einfach, in einer finanziell schwierigen Situation schnelle und unkomplizierte Hilfe zu erhalten. Betroffene stoßen in den Google-Suchergebnissen auf Umschuldungskredite mit hohen Zinsen oder auf kommerzielle Schuldnerberatungen, die zunächst mehrere Tausend Euro per Vorkasse erwarten.“

Susanne Krehl ist Finanz-Expertin und Gründerin der kostenlosen App „Fabit“, die sich auf Hilfe für Schuldner spezialisiert hat. Fabit

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Das Problem: Karitative Schuldnerberatungen leisten viel, verfügen jedoch oft nicht über die Ressourcen, umfassende Hilfe zu leisten. Das führt zu mehrmonatigen Wartezeiten auf einen Termin. Zudem müssen Betroffene viel Vorarbeit eigenständig leisten.

Doch wer erst einmal den Entschluss dazu gefasst hat, seine Geldprobleme anzugehen, muss motiviert bleiben. Dabei spielt es keine Rolle, ob man raus aus den Schulden will oder einfach mehr Geld im Monat zur Verfügung haben möchte. „Um langfristig erfolgreich zu bleiben und finanziell frei zu werden, muss man seine Gewohnheiten verändern“, erklärt Susanne Krehl.

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„Raus aus den Schulden“ in sechs Schritten

Eine unwirtschaftliche Haushaltsführung, befeuert durch Rechnungskäufe, günstige Kredite und „Buy now, pay later“-Angebote, sind neben dem Jobverlust und Krankheit die häufigsten Ursachen für Schulden. Gerade jüngere Schuldner haben häufig Konsumschulden. Um der Schuldenfalle zu entkommen, hilft es nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. Diese Tipps helfen dabei, die Schulden abzubauen und Finanzen wieder in den Griff zu bekommen.

„Raus aus den Schulden“ – Schritt 1: Bestandsaufnahme der Schulden

Auch wenn es unangenehm ist, am Anfang steht eine ehrliche und schonungslose Bestandsaufnahme. Denn nur so kann festgestellt werden, wie dramatisch die Situation tatsächlich ist. Wichtige Fragen sind dabei: Wem schulde ich wie viel? Wie viele Zinsen werden dafür regelmäßig fällig? Wann muss das Geld zurückgezahlt werden?

Bei „Raus aus den Schulden“ hilft Schuldnerberater Stilianos Brusenbach Familien, ihren Teufelskreis zu durchbrechen. RTL

„Raus aus den Schulden“ – Schritt 2: Bestandsaufnahme der eigenen finanziellen Situation

Nachdem klar ist, wie der Schuldenstand ist, geht es nun um die Einnahmen. Wie viel Geld steht monatlich zur Verfügung? Gibt es Rücklagen, auf die eventuell zugegriffen werden kann?  Neben den Einnahmen und Reserven geht es in diesem Schritt auch darum festzustellen, wofür jeden Monat wie viel Geld ausgegeben wird.

Ein Blick auf die Kontoauszüge hilft dabei, die Kosten nachvollziehen zu können. Wichtig: Ausgaben, die nur einmal im Jahr anfallen, nicht vergessen und mit einbeziehen. Wenn alle Ausgaben von den Einnahmen abgezogen sind, bleibt am Ende der Betrag übrig, der im Monat maximal für die Rückzahlung der Schulden zur Verfügung steht.

Tipp: Auch wenn es altmodisch klingt, aber ein Haushaltsbuch, entweder in der Fabit-App oder klassisch im Notizbuch, ist eine sinnvolle Unterstützung. Wer gewissenhaft alle Ausgaben notiert, sieht schnell, in welchen Bereichen Sparpotenziale vorhanden sind.

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„Raus aus den Schulden“ – Schritt 3: Schuldenplan aufstellen

Wenn bekannt ist, wie viel Geld pro Monat für die Rückzahlung der Schulden vorhanden ist, wird als Nächstes festgelegt, in welcher Reihenfolge die Forderungen am besten beglichen werden sollen. Bei diesem sogenannten Schuldenplan ist es wichtig, die Schulden und die Gläubiger nach Priorität zu sortieren.

Heißt: Ganz oben auf die Liste kommen die Schulden, bei denen ernsthafte Konsequenzen drohen. Das sind insbesondere Mietschulden oder Forderungen des Stromversorgers, der sonst den Saft abdreht. Diese Schulden müssen als Erstes vom Tisch.

Die restlichen Schulden werden am besten nach der Höhe der Summe sortiert. Beim Snowball-Prinzip wird erst die kleinste Summe bezahlt, dann die nächsthöheren. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Menschen Belohnungen erleben müssen, um bei einer Sache am Ball zu bleiben. Deshalb gibt es in der Bewältigung von Schulden das Snowball-Prinzip, bei dem Verbindlichkeiten von der Kleinsten zur Größten abzahlen werden. Dadurch hat man regelmäßig ein Erfolgserlebnis, das einen wiederum motiviert, weiterzumachen“, erklärt die Finanz-Expertin.

Wer sein Geld nicht verbrennt, sondern bewusst einsetzt, kann auch ohne Blamage im TV raus aus den Schulden kommen.  imago/blickwinkel

„Raus aus den Schulden“ – Schritt 4: Mit den Gläubigern reden

Wenn der Schuldenplan steht, muss im nächsten Schritt mit den Gläubigern gesprochen werden. So unangenehm diese Aufgabe auch ist, sie ist alternativlos. Denn der Schuldenplan funktioniert nur, wenn die Gläubiger vom Ende der Liste geduldig auf ihr Geld warten. Am besten ist es, wenn offen und ehrlich über die Situation gesprochen wird.

Der Schuldenplan hilft dabei zu erklären, welcher Gläubiger wann mit seinem Geld rechnen kann und wann die Forderung vollständig erfüllt sein wird. Sind die Gläubiger vom Plan überzeugt, kann eventuell sogar ein Kompromiss ausgehandelt werden, zum Beispiel kleinere Raten über einen längeren Zeitraum und/oder eine tilgungsfreie Zeit. Schließlich bekommen die meisten Gläubiger ihr Geld lieber später zurück als gar nicht.

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„Raus aus den Schulden“ – Schritt 5: Einnahmen erhöhen, Kosten senken

Je mehr Geld für die Schuldentilgung zur Verfügung steht, umso schneller kann der Schuldenplan abgearbeitet werden. Dafür wird entweder mehr Geld benötigt oder die monatlichen Ausgaben müssen reduziert werden. Am effektivsten ist eine Kombination aus beiden Maßnahmen.

„Raus aus den Schulden“ – Schritt 6: Gesunde finanzielle Gewohnheiten leben

Der Abbau der Schulden ist ein langer Prozess, bei dem man aber auch viel über sich selbst, seine finanziellen Gewohnheiten und den eigenen Umgang mit Geld lernt. Gesunde Geldgewohnheiten sind die Grundlage für ein finanziell selbstbestimmtes Leben.

Wer nach dem Abbau der Schulden so weiter macht, kann ein neues Projekt starten: den Aufbau eines Notgroschens und eines eigenen Vermögens. Denn Geld, dass nicht mehr für die Schuldentilgung benötigt wird, kann jetzt in die eigene Rücklage gesteckt werden.

Tipp: Sparrate gleich am Anfang des Monats auf ein Extra-Konto überweisen. Selbst wenn es nur ein kleiner Betrag ist, wird sich im Laufe der Zeit ein Polster ansammeln, mit dem sich dann der ein oder andere Wunsch erfüllen lässt. Und das, ohne wieder in die Schuldenfalle zu tappen.

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