Eine Putzfrau reinigt ein Treppenhaus. Vor allem Frauen und Menschen in Ostdeutschland, die häufig im Niedriglohnsektor beschäftigt sind, bekommen ab Oktober mehr Geld.
Eine Putzfrau reinigt ein Treppenhaus. Vor allem Frauen und Menschen in Ostdeutschland, die häufig im Niedriglohnsektor beschäftigt sind, bekommen ab Oktober mehr Geld. imago images/imagebroker

Wer wenig Geld zum Leben hat, der ist auf jeden Extra-Euro angewiesen. Gerade jetzt, wo alles immer teurer wird und viele sich schon das Nötigste kaum oder nicht mehr leisten können. Die gute Nachricht: Ab 1. Oktober gibt es für Geringverdiener mehr Geld. DAS müssen Sie jetzt wissen.

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Wie viel Geld gibt es ab 1. Oktober mehr?

Der Mindestlohn liegt seit 1. Juli 2022 bei 10,45 Euro brutto pro Arbeitsstunde. Ab dem 1. Oktober steigt der Mindestlohn auf 12 Euro pro Stunde. Das sind 1,55 Euro mehr. Das ist eine Erhöhung um knapp 15 Prozent. Seit Jahresbeginn beträgt die Steigerung rund 22 Prozent.

Ein Geringverdiener, der bisher mit dem Mindestlohn bei einer 40-Stunden-Arbeitswoche auf ein Brutto-Gehalt von 1811 Euro kam, bekommt künftig 2080 Euro – also 269 Euro brutto mehr.

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Wie viele Menschen profitieren von der Erhöhung?

6,64 Millionen. Zumindest verdienen so viele Beschäftigte laut einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung derzeit weniger als 12 Euro. Dabei profitieren rechnerisch 3,5 Millionen Frauen und 2,7 Millionen Männer. Vor allem Frauen und Menschen in Ostdeutschland, die häufig im Niedriglohnsektor beschäftigt sind.

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Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung betrifft die Mindestlohnerhöhung auf zwölf Euro pro Arbeitsstunde rund 22 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse. Das sind etwa doppelt so viele wie bei der Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015. Profitieren werden vor allem Beschäftigte in Mini- und Teilzeitjobs sowie Neueinsteiger.

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Welche Auswirkungen hat der erhöhte Mindestlohn für Beschäftigte in Minijobs?

Zum einen werde die Verdienst-Obergrenze für Minijobs ab Oktober von 450 Euro auf 520 Euro angehoben, erklärt Anke Marx, Juristin bei der Arbeitskammer des Saarlandes. Die Grenze soll sich künftig an einer wöchentlichen Arbeitszeit von zehn Stunden sowie dem gesetzlichen Mindestlohn orientieren. „Bei einem Mindestlohn von zwölf Euro können somit rund 43 Stunden im Monat gearbeitet werden.“

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Wer einem Minijob nachgeht, hat der Juristin zufolge aber keinen Anspruch auf eine Vertragsanpassung: Die Arbeitszeit muss nicht erhöht werden, lediglich der Lohn muss angepasst werden.

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Kellner sind oft in Minijobs angestellt. Ab Oktober dürfen sie mehr Geld verdienen und der Mindestlohn steigt.
Kellner sind oft in Minijobs angestellt. Ab Oktober dürfen sie mehr Geld verdienen und der Mindestlohn steigt. dpa/Jonas Walzberg

Gibt es weitere Änderungen für Minijobber?

Eine weitere Änderung betrifft das sogenannte Überschreiten. Ab Oktober darf die Minijob-Grenze von 520 Euro laut Marx innerhalb eines Zeitjahres nur noch in bis zu zwei Kalendermonaten überschritten werden.

Auch die Höhe wurde konkret festgelegt: Künftig dürfen Minijobber in einem Kalendermonat maximal das Doppelte der Minijob-Grenze (1040 Euro) verdienen. „Somit können, wenn die Überschreitung unvorhersehbar war, maximal 7280 Euro im Jahr statt der grundsätzlich möglichen 6240 Euro verdient werden“, so Marx. Die Änderungen zum Überschreiten werden im Gesetz festgelegt.

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Was ändert sich für Midijobs? Gibt es auch für sie mehr Geld?

Auch für Beschäftigte in sogenannten Midijobs gibt es Neuerungen. Sie konnten bislang zwischen 450,01 und 1300 Euro monatlich verdienen, um die Vorteile der geringeren Sozialversicherungsbeiträge für sich nutzen zu können.

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Hier verschiebt sich die Grenze ab Oktober auf 520,01 bis 1600 Euro. „Im unteren Bereich dieser Gleitzone werden Midijobber in den Beiträgen zur Sozialversicherung entlastet, der Beitragsanteil für Arbeitgeber erhöht sich“, erläutert Marx. Bis zur Obergrenze von 1600 Euro erfolge eine gleitende Anpassung der Sozialversicherungsbeiträge bis hin zum regulären Beitrag.