Die Spritpreise für Diesel und Benzin an einer Tankstelle in Deutschland: Jenseits der polnischen Grenze sind die Preise deutlich niedriger. dpa/Michael Kappeler

Diesel-Fahrern fällt beim Tanken in diesen Tagen die Kinnlade herunter: 2,15 Euro pro Liter kostet der Sprit derzeit an deutschen Tankstellen, das ist laut ADAC 40 Prozent mehr als in der Vorwoche, so viel wie noch nie zuvor. Selbst das bei vielen Fahrern unbeliebte Super E10 hat sich binnen Wochenfrist um 27,6 Cent auf über 2,10 Euro verteuert.

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Der Grund ist offensichtlich: Die Ölpreise haben sich angesichts des Ukraine-Krieges und der Sanktionen gegen Russland massiv erhöht. Die Angst vor einem Lieferstopp jagt den Preis auf bisher unbekannte Höhen. Dazu kommt, dass wegen der weiterhin kalten Nächte die Nachfrage nach Heizöl ungewöhnlich hoch bleibt. Das treibt vor allem die Diesel-Preise in bislang unbekannte Gefilde.

Polen senkte Sprit-Steuern, doch nur bis zum Sommer

Worüber sich viele Autofahrer besonders ärgern: Ein Großteil des Spritpreises geht überhaupt nicht auf den Rohöl-Preis zurück, sondern auf Steuern. Während die Energie- oder Mineralölsteuer unverändert bleibt, verdient der Staat durch die Mehrwertsteuer auch an den gestiegenen Preisen kräftig mit.

Im Nachbarland Polen hat die Regierung schon Anfang Februar gegengesteuert. Jenseits der Grenze war der Sprit seit jeher etwas günstiger, doch als zeitlich begrenzte Maßnahme wurden Steuern massiv gesenkt, sodass die Preise selbst im Vergleich mit anderen osteuropäischen Ländern extrem niedrig liegen. Im Juli wird die Maßnahme auslaufen. Jetzt schon sorgt die Preissenkung für lange Schlangen vor Tankstellen in Slubice, der Nachbarstadt von Frankfurt (Oder). Allerdings sind dort die Preise auch wegen der hohen Nachfrage erheblich angestiegen – auch im Vergleich zu Tankstellen in anderen Regionen Polens.

So teuer ist der Sprit derzeit in Polen: Für wen sich die Fahrt lohnt

So kostet Diesel derzeit umgerechnet schon knapp 1,50 Euro, Super um die 1,35 Euro, erheblich weniger als an deutschen Tankstellen. Für grenznahe Brandenburger ist die Entscheidung klar: Getankt wird jenseits der Grenze. Die Frage für Berliner ist schwieriger zu beantworten: 80 Kilometer beträgt die Entfernung nach Frankfurt. Und für die Fahrt konsumiert der Pkw den zurzeit ja ultrateuren Sprit. Hin und zurück sind es 160 Kilometer. Ist der Tank kaum gefüllt und ein Benzinkanister (ADAC rät aus Sicherheitsgründen: maximal zehn Liter) zur Hand, kann sich die Fahrt lohnen.

Besser wäre es allerdings, die Fahrt mit einem Familien-Ausflug etwa ins Oderbruch oder zum „Krummen Wald“ im polnischen Gryfino zu verbinden. Denn ansonsten wäre eine 160 Kilometer lange Fahrt, allein um zu tanken, schon aus Klimagründen aberwitzig. Und der getankte Sprit wird auch irgendwann wieder verbraucht sein. Soll es dann wieder nach Polen und zurück gehen? Je länger man darüber nachdenkt, zeigt sich: Auf Dauer ist es keine Lösung.

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Wer ohnehin nur im Berliner Stadtverkehr unterwegs ist, sollte sich angesichts des sonnigen Wetters überlegen, ob das Rad nicht doch eine Alternative sein könnte. Wer sich damit nicht anfreunden will, findet in Berlin zahlreiche Anbieter für Leih-Pedelecs, E-Motorroller oder schicke E-Autos. Der öffentliche Nahverkehr wird ergänzt durch Sammeltaxis und Taxidienste. Nur wer tatsächlich auf das Auto als Transportmittel angewiesen und nicht elektrisch unterwegs ist, ist der Spritpreis-Spirale derzeit hilflos ausgeliefert.