Uwe Neuhaus musste in Bielefeld seinen Hut nehmen. Foto: dpa/Uwe Anspach

Wenn dem Esel zu wohl ist, geht er auf's Eis. Egal wie brüchig es ist. Auf der Bielefelder Alm ist das Eis dünne, aber das rettende Ufer in Sicht. Und so konnten die Verantwortlichen der Verlockung nicht widerstehen, mit einem Trainerwechsel auf einen Impuls-Effekt zu setzen. Aufstiegscoach Uwe Neuhaus musste seinen Hut nehmen. 

Was hatte man bei Arminia erwartet? Dass sie wie Union nach 23 Spieltagen den Klassenerhalt dingfest machen? Vergessen sind alle Beteuerungen vom Saisonbeginn. „Uns steht ein Wettstreit mit 17 Motorbooten bevor, wir sitzen in einem Schlauchboot“, hatte Geschäftsführer Samir Arabi treffend angemerkt. Dass die Mission Klassenerhalt eine äußerst schwierige werden würde, hatte er schon beim Aufstieg betont. Nur scheinbar jetzt vergessen ...

Der DSC, für den der Klassenerhalt - selbst über den Umweg Relegation - ein Riesenerfolg wäre, ist doch bei der Musik voll dabei! Punktgleich mit Hertha BSC auf dem rettenden Ufer. Ein Nachholspiel in der Hinterhand. Das Rennen also alles andere als aussichtslos. 

Arminia hätte von Dresden lernen sollen

Ja, doch der knurrige Westfale Neuhaus ist kein einfacher Kommunikator. Manchmal auch zu sehr auf sich und sein Bauchgefühl vertrauend. Und ja, der Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz, den sich die Bielefelder bis zum Ende der Hinrunde erkämpft hatten, ist im Februar von sieben auf einen Punkt zusammengeschmolzen. Normales Geschäft für einen Klub mit dem kleinsten Etat, der mit einer biederen Durchschnittstruppe das eher Unmögliche schaffen möchte.

Vielleicht hätte man in Ostwestfalen mal einen Blick nach Dresden werfen sollen. Also dahin, wo Neuhaus vor seinem Amtsantritt beim DSC gearbeitet hatte. Die vom Bundesliga-Aufstieg träumenden Sachsen feuerten 2018  ihren Aufstiegscoach und Klassenerhaltstrainer nach drei Zählern aus den ersten drei Spielen. Brachte nichts. Erst am 32. Spieltag konnte Dynamo die Rettung feiern, um im Jahr drauf sang- und klanglos in die 3. Liga zu marschieren. Könnte sich schon am Sonntag rächen, wenn die Eisernen bei den Ostwestfalen zu Gast sind.

Was hätte dagegen gesprochen, mit Neuhaus den Weg zu Ende zu gehen und dann gegebenenfalls im Sommer einen sauberen Schnitt zu machen? Egal in welcher Liga.