Die Weser wirkt Wunder: Vor Niclas Füllkrug (M.) stürmten bereits die Werder-Profis Rudi Völler (r.) und Miroslav Klose (l.)  erfolgreich für den DFB bei einer WM.
Die Weser wirkt Wunder: Vor Niclas Füllkrug (M.) stürmten bereits die Werder-Profis Rudi Völler (r.) und Miroslav Klose (l.)  erfolgreich für den DFB bei einer WM. IMAGO/Sven Simon, IMAGO/Agencia MexSport, IMAGO/Laci Perenyi

Es könnte so einfach sein! Niclas Füllkrug rettete Deutschland bei der WM in Katar ein 1:1 gegen Spanien. Jetzt soll der Mittelstürmer für den ersten DFB-Sieg in Katar sorgen und gegen Costa Rica (Donnerstag, 20 Uhr) den Einzug ins WM-Achtelfinale klarmachen. Auffällig: Werders Angreifer tritt in prominente Fußstapfen. Völler, Klose, Füllkrug: Mit einem Bremer Stürmer geht’s dem DFB gut!

Füllkrug muss sich vorkommen wie in einem Märchen. Anders lässt sich das vergangene Jahr aus seiner Sicht schlichtweg nicht beschreiben. Gerade noch gurkte der 1,89 Meter große Stürmer mit Werder in der Zweiten Liga herum, hatte akute Ladehemmungen und wurde nach einem Disput mit dem damaligen Trainer Markus Anfang sogar kurzzeitig suspendiert. 

Niclas Füllkrug: Spanien statt Sandhausen 

Niclas Füllkrug kommt bei seinen DFB-Kollegen nicht nur wegen seines WM-Tors gegen Spanien, sondern auch mit seiner offenen, direkten Art gut an. 
Imago/Moritz Müller
Niclas Füllkrug kommt bei seinen DFB-Kollegen nicht nur wegen seines WM-Tors gegen Spanien, sondern auch mit seiner offenen, direkten Art gut an. 

Auch davor verlief die Karriere des heute 29 Jahre alten Stürmers alles andere als rund. Mehrere schwere Verletzungen bremsten ihn immer wieder aus, darunter zwei Knorpelschäden und ein Kreuzbandriss. Füllkrug ließ sich nie hängen, kämpfte sich immer wieder zurück und ist seit fast genau einem Jahr einfach nur noch „on fire“. 

Mit 19 Toren und acht Vorlagen in nur 24 Spielen schoss er Werder nach seiner Suspendierung zurück in die Bundesliga. Dort macht Fülle einfach so weiter. Zehn Tore aus allen Lagen nach 15 Spieltagen machen ihn zum besten deutschen Angreifer, was ihm kurz vor dem WM-Start in Katar zum ersten Mal überhaupt die Nominierung für die A-Nationalmannschaft bescherte. Spanien statt Sandhausen. Innerhalb eines Jahres. Wahnsinn! 

Niclas Füllkrug beendet die Mittelstürmer-Debatte beim DFB

Bei der Wüsten-WM mutiert Füllkrug weiter, gilt mittlerweile als Retter der Nation. Vorbei sind die harmlosen Angriffsbemühungen des DFB, vorbei ist die deutsche Mittelstürmer-Debatte, die seit dem Rücktritt von Miroslav Klose landauf und landab geführt wurde. Dank Füllkrug beginnt jetzt die Jagd nach dem WM-Titel, die Jagd nach dem fünften Stern.  

Dabei fällt auf: Die Weser muss Wunder wirken. Denn immer wieder ist es ein Bremer, der dem DFB bei großen Turnieren und großen Problemen im Angriff hilft. 1986 wurde Rudi Völler zum Weltstar – wie Füllkrug als Joker. Zwei von drei Toren gelangen Völler als Einwechselspieler. Was Völler in Mexiko als Werder-Stürmer  noch nicht (ganz) schaffte, gelang ihm 1990 in Italien als Spieler der AS Rom: der Gewinn der Weltmeisterschaft. 

Völler, Klose, Füllkrug: Alle kamen in Bremen groß raus

Nachdem danach erneut die ganze Republik lange nach einen Mittelstürmer fahndete, war es ab 2006 Miroslav Klose, der acht Jahre lang die Neuner-Debatte erst gar nicht aufkommen ließ.

Über Klose, dem wie Völler der Durchbruch bei Werder Bremen gelang, muss nicht viel gesagt werden: Mit 71 Treffern ist Klose erfolgreichster DFB-Torschütze. 2014 krönte er seine Karriere (dann im Trikot des FC Bayern) mit dem WM-Titel und seinem insgesamt 16. WM-Tor, das ihn bis heute zum alleinigen WM-Rekordtorschützen macht. 

Seit dem Tiefpunkt der deutschen WM-Geschichte und dem Vorrunden-Aus in Russland 2018 nahm die Mittelstürmer-Debatte in Deutschland wieder Fahrt auf – bis Füllkrug sie nun gegen Spanien und hoffentlich für eine ganze Weile wieder beendete. 

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