In der 42. Minute brachte Youssef En-Nesyri (Nr. 19)  die marokkanische Nationalmannschaft per Kopfball mit 1:0 gegen Portugal in Führung.
In der 42. Minute brachte Youssef En-Nesyri (Nr. 19)  die marokkanische Nationalmannschaft per Kopfball mit 1:0 gegen Portugal in Führung. imago/Shutterstock/Michael Zemanek

Marokko jubelt, Portugal trauert: Die Nordafrikaner kämpften am Sonnabend das Team um Cristiano Ronaldo im Viertelfinale mit 1:0 aus dem Turnier in Katar und sind als erste afrikanische Mannschaft jemals im Halbfinale einer Fußball-Weltmeisterschaft.  In der 42. Minute hatte Youssef En-Nesyri den portugiesischen Keeper Diogo Costa überwunden.

In der 93. Minute flog zwar noch der Marokkaner Walid Cheddira mit Gelb-Rot vom Platz, aber die Portugiesen, die im Achtelfinale die Schweiz mit 6:1 buchstäblich weggeballert hatten und verzweifelt anrannten, bekamen den Ball auch gegen zehn Marokkaner nicht ins Tor.

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Ronaldo verließ  weinend das Spielfeld

„CR7“ verließ nach dem Schlusspfiff in der 8. Nachspielminute weinend das Feld, es wird keine Chance mehr für den jetzt 37 Jahre alten Ausnahmespieler geben, Weltmeister zu werden. Da hilft ihm auch nicht, dass er mit seinem 196. Länderspiel den Weltrekord des Kuwaiters Badr al-Mutawa einstellte.

Auch Ronaldo hatte nach seiner Einwechslung in der 51. Minute das marokkanische Abwehr-Bollwerk nicht knacken können, das dem portugiesischen Sturmlauf standhielt. Es gab sogar noch Konterchancen.  

Die marokkanischen Spieler Achraf Dari (l.) and Jawad El-Yamiq versuchen, den fassungslosen Cristiano Ronaldo zu trösten.
Die marokkanischen Spieler Achraf Dari (l.) and Jawad El-Yamiq versuchen, den fassungslosen Cristiano Ronaldo zu trösten. AP/Alessandra Tarantino

Die etwas 25.000 marokkanischen Fans unter den knapp 45.000 Zuschauern im Al-Thumama-Stadion von Doha hatten für Ronaldos Trauer keinen Blick: Ihr Jubel war grenzenlos. In Berlin gab es Siegespartys auf der  Neuköllner Sonnenallee und auf dem Alexanderplatz mit insgesamt mehreren hundert Teilnehmern. 

Damit bleibt das Turnier in Katar eine WM der Überraschungen, nachdem Marokko bereits Spanien überwunden und Kroatien die Brasilianer im Viertelfinale besiegt hatte. Marokkos Trainer Walid Regragui sagte: „Es ist kein Wunder. Viele halten es für ein Wunder, vor allem in Europa. Das ist kein Wunder, das ist das Ergebnis harter Arbeit.“

Jubelnde Marokko-Fans nach dem Sieg gegen Portugal: Einer ist zu (Plüsch-)Pferd gekommen.
Jubelnde Marokko-Fans nach dem Sieg gegen Portugal: Einer ist zu (Plüsch-)Pferd gekommen. dpa/Tom Weller

Marokko präsentiert der Welt eine Wunder-Abwehr

Und es war fast abzusehen gewesen: Marokko hatte in den vier Spielen bis zur Begegnung mit Portugal nur ein einziges Gegentor kassiert – und es war ein Eigentor beim 2:1-Sieg in der Gruppenphase gegen Kanada. Selbst den Ausfall zweier Abwehrspieler, Noussair Mazraoui vom FC Bayern und Nayef Aguerd von West Ham United, die sich beim siegreichen Achtelfinal-Spiel gegen Spanien (3:0 im Elfmeterschießen) verletzt hatten, konnten die Marokkaner wettmachen.

Der Abend des fliegenden Trainers: Das marokkanische Team bejubelt Walid Regragui.
Der Abend des fliegenden Trainers: Das marokkanische Team bejubelt Walid Regragui. dpa/Tom Weller

Nach dem Spiel kritisierten portugiesische Spieler den Schiedsrichter Facundo Tello, unterstellten ihm Parteilichkeit. „Jeden unserer Spielzüge haben sie mit Fouls unterbrochen, aber der Schiedsrichter hat kaum eingegriffen“, sagte Innenverteidiger Pepe. „Es ist inakzeptabel, dass ein argentinischer Schiedsrichter unser Spiel pfeift.“

Portugals Trainer widerspricht  Spielern: Schiedsrichter hatte keine Schuld 

 Trainer Fernando Santos wollte die Schuld für das Aus allerdings nicht beim Unparteiischen suchen. „Schiri? Ich denke das nicht. Er hätte in einigen Situationen Foul pfeifen können, aber allgemein denke ich das nicht. Wir hätten mehr tun können, das haben wir nicht geschafft, dafür sollten wir nicht den Schiedsrichter verantwortlich machen.“

Marokko wird am Mittwoch im Halbfinale gegen den Weltmeister Frankreich antreten, der am Abend England mit 2:1 besiegt hatte. Das zweite Halbfinale wird am Dienstag zwischen Kroatien und Argentinien ausgetragen.