Hertha-Boss Fredi Bobic (l.) und Oliver Ruhnert, Manager des 1. FC Union, legen nach der WM in Katar den Finger in die DFB-Wunde.
Hertha-Boss Fredi Bobic (l.) und Oliver Ruhnert, Manager des 1. FC Union, legen nach der WM in Katar den Finger in die DFB-Wunde. Imago/Jan Huebner, Imago/Matthias Koch

Da braut sich was zusammen! Der Kater von Katar setzt ganz Fußball-Deutschland weiter zu. Immer mehr Stimmen werden laut, die knallharte Konsequenzen aus der erneuten WM-Blamage und dem Vorrunden-Aus fordern. Besonders heftig bekommt der DFB-Manager Oliver Bierhoff den Gegenwind der Liga zu spüren – auch von Fredi Bobic und Oliver Ruhnert. Liga-Sprengstoff für DFB-Bierhoff: Lesen Sie mal, was der 1. FC Union und Hertha BSC dazu zu sagen haben.

Die beiden Berliner Kaderplaner Bobic und Ruhnert hatten bekanntlich keine DFB-Aktien in Katar. Herthaner sind durch die blau-weiße Talfahrt der letzten Jahre vom DFB-Radar verschwunden, Unioner trotz des Höhenflugs noch nicht in Mode. Eine Meinung zum WM-Debakel haben die beiden Fußballmanager natürlich dennoch. Und die hat es durchaus in sich.

Hertha BSC: Fredi Bobic will sofort Tacheles reden

Erfolgreiche Zeiten: Fredi Bobic (2. v. r.) bekommt von Oliver Bierhoff den EM-Pokal überreicht. Die beiden Stürmer wurden 1996 mit Deutschland Europameister.
Imago/Horstmüller
Erfolgreiche Zeiten: Fredi Bobic (2. v. r.) bekommt von Oliver Bierhoff den EM-Pokal überreicht. Die beiden Stürmer wurden 1996 mit Deutschland Europameister.

Hertha-Boss Bobic nennt zwar keine Namen, fordert aber einen Neustart und vor allem, dass die Liga dabei ein Wörtchen mitreden darf. „Es ist wichtig, die Dinge aufzuarbeiten“, erklärte Bobic bei MagentaTV. Dabei kann, nein, soll es durchaus unangenehm zugehen. Bobic: „Wir brauchen einen harten, klaren und offenen Austausch.“ Mit Blick auf die Heim-EM 2024, die bereits in 18 Monaten beginnt, fordert Herthas Manager: „Es muss bis Weihnachten klar sein, was Sache ist. Danach würde es sich zu lange ziehen.“

Im Zentrum des DFB-Debakels steht Bierhoff. Dem Direktor Nationalmannschaften und Akademie, seit 18 (!) Jahren im Amt, werden bereits seit langer Zeit und von allen Seiten Missmanagement und Fehleinschätzungen vorgeworfen. Was einst mit befremdlichen Marketingkampagnen begann, setzte sich mit der miesen Quartier-Auswahl bei der WM in Russland 2018 fort und gipfelte nun im Eierkurs um die „One Love“-Binde in Katar. Dazu der erneute sportliche Offenbarungseid.

DFB-Krisengipfel: Die Zeit von Oliver Bierhoff läuft ab

DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der bei einigen Liga-Managern ebenfalls nicht gut wegkommt, sowie DFB-Vize und BVB-Boss Hans-Joachim Watzke sehen es wie Bobic, drücken aufs Tempo und wollen von Bierhoff und Bundestrainer Hansi Flick eine Aufarbeitung und Antworten auf den Kater von Katar.

Klar ist: Acht Wochen, die einst Flick-Vorgänger Jogi Löw nach der WM in Russland zur Aufarbeitung bekam (und dennoch keine Antworten lieferte), stehen Flick und Bierhoff nicht zu: Breits am Mittwoch steigt der erste DFB-Krisengipfel.

Ruhnert, Manager des 1. FC Union, wird deutlich, was er sich von dem Termin erhofft: einen echten Neustart. „Wenn man über personelle Konsequenzen spricht, muss man auch die Führungsebene ins Auge fassen. Das muss man klar ansprechen, trotz der Verdienste in der Vergangenheit“, fordert Unions Kaderplaner im Kicker.

1. FC Union: Oliver Ruhnert fordert Bierhoff-Aus

Dabei will Ruhnert Flick eine zweite Chance geben: „Auch wenn er mit seinen Aufstellungen und Wechseln sicherlich nicht immer richtig lag: Ihn halte ich dennoch für selbstkritisch genug, Dinge neu zu denken und zu entwickeln.“

Verantwortung für den DFB-Absturz der vergangenen Jahre trage laut Ruhnert vor allem Bierhoff: „Das ganze System passt einfach so nicht mehr. Wir sind im Gesamtbereich des DFB, der Direktion Nationalmannschaften schlecht aufgestellt – und das von unten bis oben. Im Nachwuchsbereich haben wir aus meiner Sicht personell und strukturell seit Jahren viele falsche Entscheidungen getroffen.“

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