Kingsley Coman nach seinem verschossenen Elfmeter.
Kingsley Coman nach seinem verschossenen Elfmeter. Imago/Joel Marklund

Er verschoss seinen Elfmeter. Dann brach der unfassbare Hass über ihn herein. 

Bayern Münchens Stürmer-Star Kingsley Coman (26) trat als zweiter Schütze im WM-Finale für Frankreich an. Argentinien-Torwart Emiliano Martinez (30) hielt und tanzte provozierend auf dem Platz. Coman schlug entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen. Nur Minuten später begann die Welle von Hass auf Instagram: Coman wurde auf seinem Account unflätig und rassistisch beleidigt.

Es gibt viele Posts, die wir hier nicht zitieren, um den Autoren nicht weitere Aufmerksamkeit zu gönnen. Nur so viel: Einige  enthielten das beleidigende Affen-Emoji. Immer wieder ist das N-Wort zu lesen. Hater wollen ihn „zurück nach Afrika schicken“ und sprechen ihm ab, Franzose zu sein. Es ist widerlich. 

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Nach dem Elfmeter: Coman entsetzt, Martinez jubelt.
Nach dem Elfmeter: Coman entsetzt, Martinez jubelt. AP/Christophe Ena

„Hör nicht auf die Hater!“

Erfreulich ist lediglich, wie schnell vernünftige User dagegenhalten. „Die Bayern-Familie steht hinter dir“, heißt es etwa aus Deutschland. Und auch viele Franzosen setzen ein Zeichen: „Diese rassistischen Nachrichten kommen nicht von uns. Wir lieben dich hier.“

„Du bist nicht allein“, machen ihm andere User Mut. Und: „Hör nicht auf die Hater!“

Kingsley Coman hatte nach seiner Einwechslung entscheidenden Anteil an der Aufholjagd der Franzosen. Ohne ihn wäre das Team des Titelverteidigers wohl überhaupt nicht in die Verlängerung und bis zum Elfmeterschießen gekommen. 

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Rassismus-Welle trauriger Tiefpunkt des Finales

Dass er am Ende einen Strafstoß unter gigantischem Druck verschoss, ist schon ganz anderen passiert. Da machen es sich die Hater sehr leicht. Die Rassismus-Welle war der traurige Tiefpunkt eines Finales, das sich durch großartigen Fußball nicht aber durch besondere Fairness auszeichnete. Dabei waren es erneut vor allem die Argentinier, die negativ auffielen.

Nur ein Beispiel von vielen: Argentiniens Keeper Emiliano Martinez wurde nach dem Spiel zunächst als bester Torwart des Turniers ausgezeichnet. Mit dem zugehörigen Pokal jubelte er dann, indem er sich den goldenen Handschuh wie ein Geschlechtsteil vor die Hüfte hielt. Was sollte dieser absurde Penis-Jubel? 

Mit dieser albernen Geste provozierte Emiliano Martinez die Welt.
Mit dieser albernen Geste provozierte Emiliano Martinez die Welt. Imago/JB Autissier

Im argentinischen TV erklärte der 30-Jährige danach: „Ich habe es getan, weil mich die Franzosen ausgebuht haben. Ich kann mit deren Arroganz nichts anfangen.“ Ausgerechnet Martinez spricht also über Arroganz. Der Torwart, der durch seine Tänzchen aufgefallen war, mit denen er die verschossenen Elfer der Franzosen Aurélien Tchouaméni und eben Kingsley Coman feierte.

Emiliano Martinez: Fairness geht anders

Dazu leistete sich Martinez einen echten Aussetzer, als er Tchouaméni vor dessen Schuss den Ball wegschnappte und in Richtung Strafraumeck warf. Beobachter wunderten sich, dass der Schiedsrichter ihn gewähren ließ.  

Ohne Frage: Sportlich war Martinez überragend. Fairness geht aber anders. Das galt wohl für das ganze Team Argentiniens, das sich schon im Viertelfinale gegen Holland einige Unsportlichkeiten leistete.   

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