Hertha-Routinier Prince Boateng (35) hält Ausschau. Straßenkicker wie er sind in Deutschland nicht in Sicht. 
Hertha-Routinier Prince Boateng (35) hält Ausschau. Straßenkicker wie er sind in Deutschland nicht in Sicht.  IMAGO/Jan Huebner

Das zweite Vorrunden-Aus bei einer WM in Folge sorgt für ein Beben in Fußball-Deutschland. DFB-Direktor Oliver Bierhoff nahm nach 18 Jahren seinen Hut, Hertha-Boss Fredi Bobic (51) gilt als heißer Nachfolge-Kandidat. Doch nicht auf dem Managerposten müssen sich Dinge verändern. DFB-Debatte nach WM-Desaster: Fehlt Deutschland ein Typ wie Kevin-Prince Boateng?

Bobic würde beim DFB als Manager sicherlich vieles korrigieren, was zuletzt unter Bierhoff (54) falsch lief. Bierhoff aber allein die sportliche Minusleistung in die Schuhe zu schieben, wäre nicht korrekt. Fußball-Deutschland braucht gravierende Reformen, vor allem in der Nachwuchsarbeit.  

Auch deswegen grübelt der von DFB-Präsident Bernd Neuendorf (61) ins Leben gerufene und viel kritisierte Expertenrat über eine Jobteilung. Neben einem Manager könnte ein Sportdirektor die Strukturen in der neu gebauten Akademie aufbauen, die es braucht, um wieder in die Weltspitze vorzustoßen. Heiß gehandelt wird daher Rio-Weltmeister Per Mertesacker (38), der genau diesen Job ziemlich erfolgreich beim FC Arsenal in London macht.

Maximilian Arnold vermisst Typen wie Prince Boateng

Dabei kommt auf Mertesacker, oder den, der den Job antritt, viel Arbeit zu. Für Wolfsburg-Kapitän Maximilian Arnold (28), der bis zuletzt auf eine WM-Normierung von Bundestrainer Hansi Flick gehofft hatte und ausgerechnet von Ex-Union-Star Max Kruse einen Seitenhieb einstecken musste, hat die WM-Blamage auch etwas mit der Einstellung der Spieler zu tun.

Arnold bringt dabei Herthas Routinier ins Spiel: „Es gibt immer weniger Straßenfußballer wie Kevin-Prince Boateng. Diese Mentalität, dieser unbedingte Wille, für den Erfolg einfach mehr als 100 Prozent zu geben, das wird immer weniger.“

Prince Boateng: Aus dem Wedding zur Weltkarriere

Boateng, der Junge aus dem Wedding mit der Weltkarriere, musste sich wie viele andere erst auf der Straße durchsetzen, bevor er Profi wurde. Diesen Kampf prägt das Spiel des mittlerweile 35 Jahre alten Mittelfeldmanns bis heute. Die meisten DFB-Stars von heute werden dagegen in den Nachwuchszentren gepampert und ihrer Individualität beraubt. Das Ergebnis: Fußballer ohne Ecken und Kanten, denen die absolute Gier auf den Erfolg fehlt. 

Dass man auf dem Weg zum Profi viel Einstecken muss, weiß auch Arnold aus eigener Erfahrung. Als 16-Jähriger wechselte er aus der Jugend von Dynamo Dresden nach Wolfsburg. Damals alles andere als ein leichter Schritt für Arnold: „Ich habe abends sehr oft geweint, weil ich nach Hause wollte. Aber das sind Dinge, die haben mich geprägt, gestärkt und gefestigt.“

Lesen Sie hier mehr über Hertha BSC >>