Feministin Zana Avdiu kritisierte Granit Xhaka für seinen „Eiergriff“ im WM-Spiel gegen Serbien – und steht nun unter Polizeischutz. 
Feministin Zana Avdiu kritisierte Granit Xhaka für seinen „Eiergriff“ im WM-Spiel gegen Serbien – und steht nun unter Polizeischutz.  imago/Shutterstock, Facebook/zana.avdiu

Granit Xhakas Vater war außer sich und kündigte Zana Avdiu bereits an, für ihre Kritik an seinem Sohn büßen zu müssen. Wie das nun aussieht, erlebt die Juristin aus dem Kosovo tagtäglich. Der Internet-Mob tobt, Avdiu wird seitdem beschimpft und bedroht, erhielt 11.000 sexistische Nachrichten und steht seit kurzem sogar unter Polizeischutz. 

Warum gehts? Beim letzten WM-Gruppenspiel gegen Serbien griff sich der Schweizer Kapitän Granit Xhaka (30) ans Geschlecht, mit Blick auf die serbische Bank und provozierte dadurch eine massive Rudelbildung im ohnehin schon mit reichlich Emotionen aufgeladenen Spiel gegen Serbien.  

Avdiu kritisierte Xhakas „Eiergriff“ danach scharf. Auf Facebook schrieb sie: „Granit Xhakas Akt ist eine Schande. Ein Akt eines Straßenjungen.“ Seither wird die kosovarische Feministin auf sozialen Medien eingeschüchtert und bedroht. Seit einer Woche benötigt sie Polizeischutz. 

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Zana Avdiu bezeichnet Granit Xhaka als Straßenjungen

Der Schweizer Kapitän Granit Xhaka, Sohn <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kosovo-Albaner">kosovo-albanischer</a> Eltern, war beim Spiel gegen Serbien, das den Kosovo nicht anerkennt, sehr emotional.
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Der Schweizer Kapitän Granit Xhaka, Sohn kosovo-albanischer Eltern, war beim Spiel gegen Serbien, das den Kosovo nicht anerkennt, sehr emotional.

Noch am selben Abend bekam Avdiu die Folgen ihrer Kritik live im Schweizer Fernsehen zu spüren. Ragip Xhaka, der Papa des Mittelfeldmanns, ließ sich telefonisch zuschalten und teilte heftig gegen Avdiu aus: Sie solle „aufpassen“, was sie über die Familie Xhaka schreibe. 

Avdiu konterte die Drohung, fragte: „Sonst passiert was?“ Und bekam von Xhaks Vater prompt die Antwort: „Du wirst dich auf jeden Fall verantworten müssen. Aber wenn es so weit ist, wird es schon zu spät sein, das garantiere ich dir mit meinem Leben. Denn du kennst die Familie Xhaka nicht.“ Auch Xhakas Bruder Taulant (31), Mittelfeldmann des FC Basel, attackierte Avdiu, warf ihr auf Instagram vor: „Schande, du hast überhaupt kein albanisches Blut.“ 

Nach „Eiergriff“-Kritik: Zana Avdiu bekommt 11.000 Nachrichten 

Seither wird Avdiu bedroht und steht mittlerweile unter Polizeischutz. Der Sonntagszeitung erklärte sie, dass sie nur noch zur Arbeit und danach sofort wieder nach Hause gehe. 11.000 meist sexistische Nachrichten habe sie auf ihren Kanälen in den sozialen Medien erhalten – aus ganz Europa: „Darunter waren viele konkrete Drohungen gegen mich und meine Familie. Es heißt, man sollte mich töten, ich solle nach Serbien auswandern, man sollte mich vergewaltigen. In 200 Fällen habe ich Anzeige erstattet, es gab bereits mehrere Verhaftungen.“ 

Die Anfeindungen scheinen Avdius Vorwurf an Xhaka zu bestätigen. Sie verurteilt die Machogeste als „sexistisch. Und ich habe auch etwas dagegen, dass ein großer Teil der kosovarischen Gesellschaft diese Geste gutheißt, ja sogar bejubelt.“ Die Geste symbolisiere „sexuelle Gewalt und den Stolz und die Macht, die Männer aufgrund ihres Penis empfinden“. 

Zana Avdiu: „Herr Xhaka erlebte den Kosovo-Krieg in der Schweiz“

Dann wird Avdiu noch deutlicher: Gewalt gegen Frauen sei im Kosovo „weitverbreitet und akzeptiert“. Dass Ragip Xhaka die Reaktion seines Sohnes mit dem Krieg erkläre, sei „nicht nachvollziehbar. Er scheint auch nicht zu verstehen, worum es geht.“ 

Auch ihre Familie habe im Krieg gelitten, sagt Avdiu. „Aber ich bin eine junge Frau und Feministin, er ist ein Mann und der Vater eines wohlhabenden Fußballspielers. Er denkt, seine Stellung gebe ihm das Recht, mir gegenüber derart aufzutreten. Herr Xhaka, der den Krieg aus der Ferne in der Schweiz erlebt hat, will mir, die ich den Krieg im Kosovo in seiner ganzen Brutalität erlebt habe, erklären, was Krieg bedeutet oder mit einem macht.“ 

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