Der Geschäftsführer Nationalmannschaften Oliver Bierhoff steht beim DFB vor dem Aus. Sagt er nächsten Freitag schon Tschüss? 
Der Geschäftsführer Nationalmannschaften Oliver Bierhoff steht beim DFB vor dem Aus. Sagt er nächsten Freitag schon Tschüss?  AFP/Fassbender

Drei Bundestrainer und neun Präsidenten gab es in den vergangenen 18 Jahren beim DFB, aber einer blieb immer: Oliver Bierhoff (54)! Zwölf erfolgreiche Jahre mit der Krönung WM-Titel 2014, aber die letzten sechs Jahre gab es vom einstigen Golden-Goal-EM-Torschützen von 1996 nur noch Blech. Die Nationalelf ist nach dem erneuten WM-Aus ein Schrotthaufen. Bierhoffs Zeit ist spätestens nächsten Freitag wohl abgelaufen.

Dann ist Krisensitzung beim DFB, da muss der Geschäftsführer Nationalmannschaften mit Bundestrainer Hansi Flick (57) zum Rapport. Im Fokus der Kritik steht dabei weniger Flick, der in 15 Monaten Amtszeit gar keine Chance hatte, die Missstände um das Nationalteam zu beseitigen. Dabei ist für die Aufarbeitung bemerkenswert, welche Analyse der Bundestrainer völlig treffend schon vorab gegeben hatte: Stürmer und Außenverteidiger sind in Deutschland rar gesät. War das schon ein Abrücken von Bierhoff? Schließlich ist der für die Nachwuchsförderung verantwortlich. Nach Miro Klose (44) kam ab 2014 kein Knipser mehr.

Matthäus: „Bierhoff muss man infrage stellen“

„Wir haben schlechte Jahre hinter uns, da sitzt Oliver Bierhoff mit im Boot – und da muss man auch Oliver Bierhoff infrage stellen“, sagt Rekordnationalspieler Lothar Matthäus (61). Das wird DFB-Präsident Bernd Neuendorf (61) tun, wenn er es nicht schon länger macht. Der sachliche Boss blieb schon vor der Abreise aus dem hitzigen Katar am Flughafen ziemlich unterkühlt: „Wir werden ein geordnetes Verfahren einleiten, wie wir mit dieser Situation umgehen. Die Analyse muss die Entwicklung der Nationalmannschaft und unseres Fußballs seit 2018 umfassen.“

Damit ist Bierhoff gemeint und nicht Flick. Neuendorf geht es nicht um das punktuelle Scheitern bei der WM, es geht um das Generelle. Und es geht ihm um die Zukunft, die Heim-EM ist schon in 18 Monaten.

DFB-Boss Neuendorf holt Watzke beim Rapport hinzu

DFB-Boss Bernd Neuendorf (r.) und Vize Hans-Joachim Watzke (M.) entscheiden darüber, on Bierhoff (l.) bleibt. 
DFB-Boss Bernd Neuendorf (r.) und Vize Hans-Joachim Watzke (M.) entscheiden darüber, on Bierhoff (l.) bleibt.  dpa/Gambarini

Bierhoff wird erklären müssen, welchen Anteil er an den WM-Desastern in Russland und Katar sowie am frühen EM-Aus 2021 hatte. Warum er so lange an Ex-Bundestrainer Jogi Löw (62) festhielt, obwohl spätestens nach der WM 2018 die Reißleine hätte gezogen werden müssen. Und warum überhaupt die Nationalmannschaft so ein schlechtes Image bei den Fans hat?

Neuendorf, erst seit neun Monaten im Amt, holt sich für die Krisensitzung auch DFB-Vize Hans-Joachim Watzke (63) hinzu. Der gilt schon lange als Bierhoff-Kritiker. Bierhoff selbst sagt: „Vielleicht schaut man sich die gesamte Bilanz sachlich an. Ich habe ein sehr gutes Gefühl für mich. Ich mache mir nicht die großen Sorgen.“

Große Sorgen hatte Bierhoff auch vor der WM 2018, der EM 2021 und jetzt nicht. Vielleicht ist die Einschätzung seiner Situation der letzte Irrtum.

Lesen Sie hier mehr über die WM 2022 >>