Bundestrainer Hansi Flick muss nach dieser WM einige Nationalspieler nach Hause schicken.
Bundestrainer Hansi Flick muss nach dieser WM einige Nationalspieler nach Hause schicken. dpa/Charisius

Es gab mal deutsche Nationalmannschaften, die spielten nie schön, eher hart, aber mit diesem unbändigen Siegeswillen und manchmal auch mit dem Quäntchen Glück – zum Beispiel bei Elfmeterschießen in der K.-o.-Runde. Über Jahrzehnte war es so. Der Engländer Gary Lineker sagte es voller Respekt: „Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“

Und heute? Der Mythos der Turniermannschaft ist tot. Er wurde wortwörtlich verspielt. Ein zweites WM-Aus in Serie muss zum Umdenken der ganzen Philosophie bei der DFB-Elf führen. Was haben wir bei dieser Blamage in drei Akten gesehen?

DFB-Abwehr nicht titelreif

Eine uneffektive Offensive beim 1:2 gegen Japan, beim 1:1 gegen Spanien und auch beim 4:2 gegen Costa Rica. Zu viel Klein-Klein, alles zu umständlich. Dazu ein junges Ausnahmetalent mit Jamal Musiala, von dem man Wunderdinge bei seinem ersten Turnier erwartete, die er mit 19 Jahren trotz toller Dribblings und Tricks nicht erfüllen konnte. 

Doch das Fatalste war die Abwehr – immer wieder katastrophale individuelle Fehler und zu wenig Biss in den Zweikämpfen –, mit der keine Mannschaft der Welt irgendeine Chance auf den WM-Titel hätte.

DFB-Desaster: Der Wille, die Gier fehlen Deutschland

Beim Ausscheiden in Russland war es wahrscheinlich das Gefühl des satten Weltmeisters. Die Selbstsicherheit im Kopf. Sorry, aber da ist auch nach vier Jahren noch ein Hochmut: „Wir haben doch gute Spieler.“ Nein, sie sind vielleicht mit den Füßen gut, aber nicht mit dem Kopf, dem Willen.

Es muss sich einiges bis zur Heim-EM 2024 ändern. Das ist die Aufgabe des Bundestrainers. Hansi Flick muss ab sofort eine vernünftige Balance zwischen Mentalität und Kreativität bei seiner Auswahl von Nationalspielern hinbekommen. Vielleicht kann man dann den Mythos reanimieren.

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