ZDF-Sportkommentator Béla Réthy sagte zum Abschied: "Ich habe versucht, alle irgendwie mitzunehmen. Es freut mich, wenn es gefallen hat. Und sorry an die, die ich nicht erreichen konnte."
ZDF-Sportkommentator Béla Réthy sagte zum Abschied: "Ich habe versucht, alle irgendwie mitzunehmen. Es freut mich, wenn es gefallen hat. Und sorry an die, die ich nicht erreichen konnte." dpa/Robert Michael

Der Abschied einer Legende: Am Mittwoch hat Fußball-Reporter Béla Réthy im ZDF das WM-Halbfinale zwischen Frankreich und Marokko kommentiert. Es war sein Abschied vom ZDF, sein Start in den Ruhestand. Frankreich gewann das Spiel, zieht ins WM-Finale ein  und Béla Réthy  verabschiedete sich an seinem 66.  Geburtstag  vom Publikum: "Ich habe versucht, alle irgendwie mitzunehmen. Es freut mich, wenn es gefallen hat. Und sorry an die, die ich nicht erreichen konnte. Auf jeden Fall, liebe Zuschauer, war es mir eine große, große Ehre. Tschüss und adieu!" Zu hören war dabei auch eine gewisse Rührung.  

Emotionaler Abschied von Béla Réthy

Réthy war seit 1986 bei allen Fußball-Weltmeisterschaften für das ZDF im Einsatz, seit 1994 als Live-Reporter bei allen großen Turnieren. Wie alle Fußball-Reporter wird Béla Réthy gehasst und geliebt, gelobt und beschimpft. Am Mittwochabend verabschiedeten sich viele Fans auf Twitter sehr emotional von Béla Réthy. 

Das ZDF Sportstudio twitterte einen Beitrag des Kollegen Nils Kaben, der nach der Live-Übertragung des Spiels gezeigt wurde und Szenen aus der 40-jährigen Karriere Réthys umfasste. „Mit dir geht ein Stück Seele des ZDF-Sports“, sagte der Autor zum Endes des Beitrags. 

Und später twitterte das ZDF über den Abschied, bei dem ihm sogar ein Liedchen gesungen wurde:  

Zuvor hatte der Reporter in einem Interview gesagt, er verspüre kurz vor seinem letzten Auftritt als TV-Kommentator nur wenig Wehmut. „Vielleicht ist es anders, wenn ich zum letzten Mal den Kopfhörer mit dem Mikro absetze und zum Parkplatz latsche. Mal sehen“, sagte Réthy der Süddeutschen Zeitung.

„Ich habe eine gewisse Distanz zum Geschäft aufgebaut. Der Fußball ist kälter geworden, die Emotionen kleiner“, sagte Réthy. „Ich habe mehr Vorfreude auf das, was kommt. Ich habe einen Enkelsohn in Berlin, Jonathan, den kann ich heranwachsen sehen. Und ich verspüre Lust auf Terminlosigkeit, auf Laissez faire, nicht mehr Fußball gucken zu müssen. Vielleicht überlagert das die Wehmut.“

Meinungsmache in sozialen Medien ist "unzumutbar" 

Ebenfalls noch vor seinem letzten Spiel als Kommentator im ZDF hatte Réthy sich kritisch über die Entwicklung der Meinungsmache in den Sozialen Netzwerken geäußert. „Das ist unzumutbar für die ganze Gesellschaft, nicht nur für Fußball-Reporter“, sagte der Reporter im Gespräch mit dem SID.

Auch Réthy sah sich immer wieder Beleidigungen und Stimmungsmache ausgesetzt. „Ich versuche das ehrlich gesagt weitgehend zu ignorieren“, sagte er: „Da geht es ja auch um Lebensqualität, die ich nicht aufgeben möchte.“ Rethy fordert: "Wir sollten die jungen Leute auch darauf vorbereiten, was sich in den Sozialen Kanälen abspielt

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Béla Réthy: „Mal gelingt es, mal nicht“

Wenige Stunden vor seiner Abschiedsvorstellung würden „die Gefühle Karussell fahren“, hatte Réthy im „Morgenmagazin“ des ZDF am Mittwoch gesagt. „Aber ich habe sie alle noch im Griff.“ Bestimmte Schlussworte hätte er sich noch nicht überlegt, so der 66-Jährige am Morgen. „Ich mache das aus der Emotion heraus – so wie alles. Mal gelingt es, mal nicht“, hatte er für den Abend angekündigt. 

Sein größtes, sein speziellstes Spiel sei möglicherweise das WM-Finale 2002 zwischen Deutschland und Brasilien (0:2) gewesen, erzählte Réthy. Zum einen sei es das Duell der „zwei WM-Giganten“ gewesen. Zum anderen ist Réthy unter anderem in Brasilien aufgewachsen.

Sandro Wagner nennt Béla Réthy „absolute Legende“

Réthy war seit 1986 bei allen Fußball-Weltmeisterschaften für das ZDF im Einsatz, seit 1994 als Live-Reporter bei allen großen Turnieren. Die Atmosphäre in Katar bei seinem letzten Turnier wertet er als „inszeniert. In Brasilien oder Italien musst du nichts machen. Da passiert eine WM von alleine. Hier? Gab’s Stimmungsmacher mit Megafonen, die Stimmung konstruierten. Viel Fassade.“

Co-Kommentator Sandro Wagner nannte Béla Réthy eine „absolute Legende“.
Co-Kommentator Sandro Wagner nannte Béla Réthy eine „absolute Legende“. dpa/Lukas Barth

Marcel Reif: „Ich werde deine Stimme vermissen“

Co-Kommentator Sandro Wagner nannte Béla Réthy vor dessen letztem Einsatz am Mikrofon „eine absolute Legende. Ich bin mit seiner Stimme groß geworden, und ich weiß gar nicht mehr, wie viele große Spiele ich geschaut habe, in denen er der Kommentator war“, sagte Wagner in Doha. „Er ist ein überragender Typ, nicht nur am Mikrofon.“ 

Marcel Reif: „Ich werde deine Stimme vermissen.“
Marcel Reif: „Ich werde deine Stimme vermissen.“ IMAGO/Thomas Bartilla

Auch der langjährige Kommentatoren-Kollege Marcel Reif würdigte Réthy. „Ich werde deine Stimme vermissen, wenn der Ball rollt im TV“, schrieb der 73-Jährige in der Bild. „Aus Respekt und Demut vor dem Spiel und deiner Kundschaft hast du geredet wie ein normaler Mensch; wohl auch, weil du begriffen hattest, dass es bei aller Ambition und Eitelkeit nicht darum geht, nachzuweisen, dass man als Reporter im Nebenjob glatt auch noch einen Bezirksligisten trainieren könnte.“