Prince Boateng, hier im letzten Hertha-Test vor der Winterpause gegen Braunschweig, gibt gerne auf und neben dem Platz den Ton an.
Prince Boateng, hier im letzten Hertha-Test vor der Winterpause gegen Braunschweig, gibt gerne auf und neben dem Platz den Ton an. imago/ Jan Huebner

Es ist mittlerweile fast ein Jahrzehnt her, als Prince Boateng ein denkwürdiges Zeichen gegen Rassismus setzte. Der Hertha-Star, 2013 in Diensten des AC Mailand, verließ bei einem Testspiel gegen den Viertligisten Pro Patria wutentbrannt den Platz und sorgte für einen Spielabbruch, nachdem er von den Rängen rassistisch beleidigt worden war. Damals erntete Boateng für sein Zeichen viel Beifall. Doch viel verbessert hat sich seitdem nicht. Jetzt, während der WM in Katar, legt der 35 Jahre alte Hertha-Routinier den Finger erneut in die Fußball-Wunde.

„Afrikaner sind immer gut genug, um Fußball zu spielen. Führung hingegen traut man ihnen Jahrzehnte nach Ende des Kolonialismus noch immer nicht zu“, erklärte Boateng dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. 

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Prince Boateng vermisst schwarze Trainer

Walid Regragui ist Marokkaner und führte sein Heimatland als Cheftrainer völlig überraschend ins WM-Halbfinale. 
imago/Agencia MexSport
Walid Regragui ist Marokkaner und führte sein Heimatland als Cheftrainer völlig überraschend ins WM-Halbfinale. 

Boateng weiter: „Wir feiern in Europa gern unsere Weltoffenheit, die Toleranz unserer Gesellschaften. Wir gendern. Wir haben Frauenquoten. Wir haben inzwischen sogar Schiedsrichterinnen, die Männerfußballspiele pfeifen. Und das ist gut so. Aber wo sind die schwarzen Trainer, die weiße Spieler trainieren?“

Der frühere Nationalspieler Ghanas begrüßt es daher, dass bei der WM in Katar alle fünf afrikanischen Teilnehmer von Trainern mit afrikanischen Wurzeln angeleitet wurden. „Mannschaften brauchen Trainer, die ihre Spieler verstehen, ihre Stärken und Schwächen, ihre Herkunft, ihre Kultur, um ganz oben mitzuspielen“, sagte Boateng, der in seiner Karriere für 13 verschiedene europäische Klubs spielte.

Rassismus: Otto Addo springt Prince Boateng zur Seite

Unterstützung erhält Boateng von Otto Addo, der in Katar die Nationalmannschaft Ghanas betreute und den Einzug in das Achtelfinale verpasste. Schwarze Trainer seien im europäischen Fußball „krass unterrepräsentiert, vor allem in England oder Frankreich, wo aufgrund der Historie viele Menschen mit Migrationshintergrund leben“, sagte der 46-Jährige dem Magazin Elf Freunde, „es werden rassistische Strukturen unbewusst gelebt.“

Für Addo sind die fehlenden schwarzen Trainer auch ein Spiegel der Gesellschaft: „Fakt ist leider, dass Menschen mit Migrationshintergrund überall seltener Führungspositionen einnehmen, auch im Fußball.“

Hertha BSC: Prince Boateng will Trainer werden

Boateng selbst könnte die Quote schon bald verbessern. Der Berliner ist der Magath-Magie in der vergangenen Saison verfallen, strebt nach seinem im Sommer auslaufenden Vertrag bei Hertha BSC wohl eine Trainerkarriere an. Boateng: „Ich weiß noch nicht zu einhundert Prozent, was ich nach dem Sommer mache. Aber die letzten Wochen habe ich voll Lust, Trainer zu werden. Ich kenne Fußball. Ich denke Fußball. Mein Leben ist Fußball. Deshalb werde ich dem Fußball erhalten bleiben.“

Er selbst habe viele Trainer gesehen und erlebt. „Und ich denke, ich kann das auch – vielleicht sogar besser“, sagte der Mittelfeldspieler. Lob gab es derweil für Herthas Cheftrainer Sandro Schwarz. „Er macht das schon sehr, sehr gut. Er ist ein starker Typ. Ich finde es gut, wie er die Mannschaft behandelt, und ich glaube, man sieht, dass da etwas zusammengewachsen ist, auch wenn die Ergebnisse das nicht immer widerspiegeln.“

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