Citypress
Niklas Stark, Marton Dardai, Javairo Dilrosun, Peter Pekarik und Dennis Jastrzembski von Hertha BSC feiern das Tor zum 0:1 im DFB-Pokalspiels gegen den SV Meppen.

Die vergangene Saison ist gefühlt gerade erst vorbei, das EM-Finale haben viele noch in den Köpfen, doch im DFB-Pokal rollte schon wieder der Ball. Und am Freitag geht sie bereits los, die 59. Bundesliga-Spielzeit. Hier sind elf Thesen zum Liga-Auftakt elf Thesen.

1. Bayern München kann sich nur selbst schlagen

14. Mai 2022: Borussia Dortmund und RB Leipzig sind punktgleich mit dem FC Bayern - die Entscheidung um den Meistertitel fällt tatsächlich am letzten Spieltag. Ein Wunschtraum? Ja, wahrscheinlich. Auch wenn wichtige Stützen wie David Alaba und Jerome Boateng die Münchner verließen, haben sie den besten Kader. Findet sich das Star-Ensemble unter Neu-Trainer Julian Nagelsmann ohne Störgeräusche, steht am Ende die zehnte Meisterschaft in Folge zu Buche.

2. Nagelsmann überzeugt, aber das Triple bleibt ein Traum.

Von ihm wird eine Weltkarriere nach dem Vorbild Jürgen Klopps erwartet, da wird sich Julian Nagelsmann keine Illusionen machen. Bei der TSG Hoffenheim und RB Leipzig bewies er, wie gut er darin ist, Spieler und ganze Teams zu entwickeln. Es ist dem Fußball-Denker Nagelsmann zuzutrauen, auch die Superstars der Bayern noch besser zu machen. Applaus dafür wird er aber nur bekommen, wenn er gleichzeitig Pokale holt. Es dürfte ihm gelingen - zumindest national.

3. Die Zuschauer sind wieder da, doch Corona ist nicht besiegt.

Die Fans strömen zu Tausenden zurück in die Stadien, so viel ist klar. Obwohl Geisterspiele aktuell kein Thema sind, wird das Coronavirus jedoch auch in der kommenden Saison seinen Einfluss haben. Wer darf ins Stadion? Nur Geimpfte und Genesene? Was ist mit Getesteten? Was passiert, wenn die Inzidenz durch die Decke geht? Mit der vorpandemischen Normalität wird die neue Spielzeit erst einmal wenig zu tun haben.

Imago
Jubeln jetzt in Liga 2: Rodrigo Zalazar und Simon Terodde vom FC Schalke 04.

4. Marken wie Schalke 04, Werder Bremen oder HSV fehlen der Liga

Der Segen der 2. Liga ist der Fluch des Oberhauses. Mit den Abstiegen der Schalker und Bremer verlor die Bundesliga traditionsreiche Publikumsmagnete, der Hamburger SV hängt seit Jahren in der Zweitklassigkeit fest. Zu viele Klubs von überregionalem Interesse gehören mittlerweile nicht mehr zu den 18 besten Vereinen des Landes. Es wird schwer für die Aufsteiger VfL Bochum und SpVgg Greuther Fürth, diese Fußstapfen zu füllen.

5. Für Mega-Transfers ist nicht die Zeit

Das Geld sitzt in der Pandemie nicht mehr so locker. Dayot Upamecano, den die Bayern für 42,5 Millionen Euro aus Leipzig holten, ist aktuell der teuerste Bundesliga-Zugang. Dahinter folgen Donyell Malen (Borussia Dortmund/30 Millionen) und Andre Silva (RB Leipzig/23 Millionen). Kein Vergleich zu den 118 Millionen Euro, die Manchester City für Jack Grealish ausgab. Auch der FC Chelsea schnürt für Romelu Lukaku ein 115-Millionen-Euro-Paket. Da kann die Bundesliga nicht mithalten.

Imago
Jetzt schon in prächtiger Torlaune: Erling Haaland vom BVB. Im Pokal feierte er gleich einen Dreierpack zum Einstieg.

6. Haaland fordert Lewandowski heraus

14 Tore hinter Robert Lewandowski will Erling Haaland diesmal sicher nicht ins Ziel kommen. Die 27 Treffer des Torjägers von Borussia Dortmund aus der Vorsaison sind der Richtwert, aber da geht noch mehr. Sämtliche Top-Klubs der Welt werden zuschauen, wenn sich der Norweger anschickt, Bayerns 41-Tore-Mann Lewandowski zu überflügeln. Es könnte klappen, im Pokal schoss sich Haaland bereits mit einem Dreierpack bei Wehen Wiesbaden warm.

7. Der Abstiegskampf ist der Liga größtes Pfund

In Ermangelung eines spannenden Meisterrennens war der Kampf um das nackte Überleben in den Vorjahren durchaus unterhaltsam. Das könnte es wieder werden. Die Bochumer, die Fürther, der FSV Mainz 05, der 1. FC Köln und auch Arminia Bielefeld werden allesamt nur auf den rettenden Platz 15 schauen. Dazu rutscht für gewöhnlich der ein oder andere Verein unerwartet unten hinein. Ein Nervenkrimi bis zum Schluss ist fast garantiert.

8. Eine Fußball-Überdosis droht (wieder einmal)

Eng getaktete Fußball-Wochen sind die Fans aufgrund der Coronakrise gewohnt - und es wird so weitergehen. Neben der Bundesliga von Freitag bis Sonntag und der Champions League am Dienstag und Mittwoch (ab 14. September) macht die neue Conference League der Europa League am Donnerstag Konkurrenz. Bis Jahresende gibt es also Fußball satt und die Bundesliga-Rückrunde beginnt bereits am 7. Januar. Die Saison muss früh beendet werden, damit der Start der darauffolgenden Spielzeit wegen der Katar-WM im Winter 2022 vorgezogen werden kann.

9. International sind der Bundesliga andere voraus

Manchester City, der FC Chelsea und Paris St. Germain rüsten brutal auf. Um den Champions-League-Titel mitzuspielen, wird folglich selbst für Bayern München schwer. Vergangene Saison reichte es für sie und den BVB für das Viertelfinale. Wichtig für das Ansehen der Bundesliga wäre ein Erfolg von Eintracht Frankfurt oder Bayer Leverkusen in der Europa League. Dort stand zuletzt im Jahr 2009 mit Werder Bremen ein deutscher Vertreter im Finale - und da hieß der Wettbewerb noch UEFA Cup.

Imago
Wolfsburgs neuer Trainer Mark van Bommel (l.) und ein echter Berliner Junge: Maximilian Philipp, den der VfL jetzt fest verpflichtet hat.

10. Die neuen Trainer müssen liefern

Die Top sechs der abgelaufenen Saison haben neue Trainer und zwei von ihnen stehen gleich gehörig unter Druck. Während sich Oliver Glasner mit Eintracht Frankfurt in der ersten Pokalrunde beim Viertligisten Waldhof Mannheim blamierte, kam Mark van Bommel mit dem VfL Wolfsburg bei Preußen Münster zwar sportlich weiter. Doch der Niederländer leistete sich einen Wechselfehler, der nun das Aus bedeuten könnte. Für Jesse Marsch (RB Leipzig), Marco Rose (Borussia Dortmund) und Gerardo Seoane (Bayer Leverkusen) muss derweil die Champions-League-Qualifikation das Ziel sein.

11. Ein Team wird wieder überraschen. Hertha? Union?

Wer wird das neue Union Berlin? Möglicherweise Union Berlin. Die Köpenicker hatten sich als Abstiegskandidat mit einem ganz starken Platz sieben in der Vorsaison für die Conference League qualifiziert. Läuft alles zusammen, ist ein einstelliger Rang wieder drin. Doch auch der VfB Stuttgart, die TSG Hoffenheim, der SC Freiburg oder Hertha BSC werden zumindest mit einem Auge auf eine Überraschung schielen. Zumal die Herthaner eine durchaus starke Vorbereitung ablieferten, unter anderem Klopps Liverpool  schlugen. Doch der Auftritt im Pokal war etwas wackelig.