Während Gladbachs Trainer Marco Rose seinen Torschützen Florian Neuhaus liebkost, schiebt Leroy Sané Frust. Foto: AFP

Was, bitte, erlauben Bayern!? Dass sie Rückstände aufholen können, haben sie oft genug in den vergangenen Wochen gezeigt. Achtmal in Folge lagen sie zurück und haben doch nie verloren. Aber dass sie auch dicke Polster einfach wegwerfen, ist neu. So passiert im Klassiker bei Borussia Mönchengladbach und dem 2:3 (2:2). Erst feiern die Bayern, dann ist es nur noch ein Eiern.

Alles ist klar auf dem Weg zum elften Saisonsieg und dem Untermauern der Tabellenspitze. Weil Gladbachs Florian Neuhaus irgendwie völlig gedankenlos und total überflüssig mit seiner linken Hand unterhalb (!) seines Knies zum Ball geht, gibt’s Elfmeter und das 0:1 durch Robert Lewandowski (20.), der bereits sein 20. Saisontor erzielt. Damit nicht genug. Kaum hat Leon Goretzka Borussias Spielaufbau unterbunden, taucht er nach Doppelpass mit Leroy Sané auch schon vorm Strafraum auf, knallt, weil nicht angegriffen, das 0:2 rein (26.).

Jonas Hofmann schockt die Bayern doppelt

Was soll da noch passieren, zumal die Gladbacher bis dahin kaum am Spiel teilnehmen. Eine halbe Stunde sind sie so gut wie nicht dabei. Aber dann! Plötzlich sind sie da – und wie. Allerdings auch nur, weil sich die Münchner Fehler erlauben, die einfach bestraft werden müssen, die aber auch die fette Anzahl an Gegentoren in dieser Saison, 24 sind es inzwischen, so viele wie Freiburg, Hertha und sogar Aufsteiger Bielefeld haben, erklären.

Erst gibt Benjamin Pavard die Kugel leichtfertig her, schon bringt Jonas Hofmann sein Team mit dem 1:2 zurück (36.). Und weil Joshua Kimmich etwas unglücklich an der Mittellinie einen Zweikampf gegen Lars Stindl verliert und Niklas Süle hauchdünn das Abseits aufhebt, geht Hofmann wieder allein auf Neuer zu und stellt eiskalt auf 2:2 (45.).

Gibt’s nicht? Gibt’s doch! Kaum geht’s weiter, leisten sich die Bayern den nächsten Bock. Diesmal baut Süle das Spiel von hinten heraus ziemlich schlampig auf, der bisher doppelte Hofmann spritzt in einen Larifari-Pass, bis Neuhaus, der Elfmeter-Unglücksrabe, aus 18 Metern ganz frei zum Schuss kommt – das 3:2 zappelt im rechten oberen Winkel (49.). Wenn den Bayern so etwas passiert, hat das immer was von Spektakel.

Erst spät erholen sich die Münchner, drücken, schnüren die Gladbacher in deren Hälfte ein, aber so richtig was fällt ihnen nicht ein. Deshalb verlieren sie, wie schon im Vorjahr, erneut bei der Borussia und schmecken nach elf Spielen ohne Niederlage mal wieder eine Pleite.