Hat im Sommer kommenden Jahres bestimmt noch nichts vor, oder? Hansi Flick, Erfolgstrainer des FC Bayern. Foto: Bernd Thissen/dpa-Pool/dpa

Das Anlegen von Kandidatenlisten zählt zu den Routinetätigkeiten eines Sportjournalisten. Und zumeist lautet dabei die Ausgangsfrage wie folgt: Wer kommt als Nachfolger von ... infrage? Für die drei Pünktchen im Lückentext durfte nach dem 0:6 der deutschen Nationalmannschaft gegen Spanien der Name Joachim Löw eingefügt werden, wenngleich es für den Moment trotz der Dringlichkeit doch eher unwahrscheinlich ist, dass der 60-Jährige gefeuert wird bzw. sich selbst aus dem Amt verabschiedet.

Es ist unwahrscheinlich, dass Löw zurücktritt

Dabei kommt dem Freiburger Löw womöglich zugute, dass der Freiburger Fritz Keller aktuell Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist. Und als Freiburger, das kennt man aus der Bundesliga, entlässt man halt so schnell keinen Trainer. Der ortsansässige Sportclub hat es jedenfalls fertiggebracht, in den vergangenen 30 Jahren mit gerade mal vier Übungsleitern über die Runden zu kommen.

Außerdem wäre so eine Demission in diesen Tagen, in denen ein Weltmeistertrainer so viel verdient wie ein Weltmeisterstürmer, für den ohnehin von der einen oder anderen Steuernachzahlung geschröpften DFB eine extrem kostspielige Sache. Oder andersrum: Warum sollte Löw auf eine fette Abfindung verzichten?

Im Gegensatz zu den ganz düsteren Zeiten des deutschen Nationalmannschaftsfußballs, als gegen Ende des 20. Jahrhunderts nach einem heillosen Casting Erich Ribbeck mit dem Coaching der DFB-Auswahl betraut wurde, gibt es aktuell aber doch den einen oder anderen deutschen Fußballlehrer mit dem Zeug zum Bundestrainer. Stichwort: Kandidatenliste.

Jürgen Klopp – man darf ja kurz mal träumen. Matthias Sammer – kann man sich ganz gut vorstellen. Ralf Rangnick – kann man sich nicht ganz so gut vorstellen. Thomas Tuchel – kann sich Thomas Tuchel ganz gut vorstellen, weil er beim DFB mit weitaus weniger Stars klarkommen müsste als bei Paris St. Germain. Stefan Kuntz – kann man sich beim DFB ganz gut vorstellen.

Beitrag zum WM-Gewinn wesentlicher als angenommen

Und dann gibt es da noch Hansi Flick, der kurzfristig in der aktuellen Not fraglos die bestmögliche Lösung wäre.

Der ehemalige Assistent von Löw, dessen Beitrag zum Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 wohl doch wesentlicher war als lange Zeit angenommen, könnte als unaufgeregter Interimscoach mit einem Stamm aus Profis, die er zum Triple geführt hat, in den kontinentalen Wettbewerb gehen. Also mit den Bayern-Spielern Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Serge Gnabry, Leroy Sané, Thomas Müller und vielleicht auch mit Niklas Süle und Jérôme Boateng, wenn die beiden Innenverteidiger im Frühjahr kommenden Jahres noch den Nachweis internationaler Klasse erbringen.

In Verbindung mit den Qualitäten von Toni Kroos, Kai Havertz, Florian Neuhaus, Timo Werner und Marco Reus könnte dies im Vergleich mit den besten Teams aus Europa zumindest eine konkurrenzfähige Mannschaft ergeben. Und die Zeit nach der EM? Nun, da gibt’s eine neue Kandidatenliste.