Unions Spieler Sheraldo Becker, Marvin Friedrich, Kevin Behrens, Rani Khedira, Paul Jaeckel und Niko Giesselmann (v.l.) hatten in der Hinrunde viel zu jubeln. Foto: City-Press

Neues Jahr und das Stadtduell geht weiter. Der große Traditionsverein Hertha BSC gegen den Underdog 1. FC Union, der schon lange keiner mehr ist. Das Jahr 2021 ging eindeutig und völlig verdient an die Köpenicker. Union schloss die vergangene Saison auf Platz 7 ab, Hertha rettete sich auf Rang 14 gerade noch vor dem Abstieg. Nach der jetzigen Hinrunde sind die Rot-Weißen schon wieder vor den Blau-Weißen – sechs Punkte mehr auf dem Konto. In der KURIER-Serie lesen Sie, warum Union besser ist als Hertha. Im vierten Teil geht e schlichtweg um erbrachtes Arbeitspensum der Spieler.

Herthas Manager Fredi Bobic war im Juni mit dem Ziel angetreten, dass im gesamten Verein der Leistungsgedanke wieder im Vordergrund stehen sollte. Er wiederholte es nach der Rückrunde noch einmal, als er Bilanz zog: „Wir wollen überall besser werden und Leistungskultur auch bei der Hertha sehen. Wir müssen uns bewegen.“ Er meinte damit alle im Klub, aber natürlich auch die blau-weißen Profis. Da ist eine Steigerung nämlich am dringendsten notwendig. Denn die haben in 19 Pflichtspielen (zweimal Pokal, 17-mal Bundesliga) ihr Potenzial – um es positiv auszudrücken – nicht voll ausgeschöpft.

27 Spiele, Union ist fleißigster Bundesligist

Ein Blick zum Nachbarn aus Köpenick reicht da völlig aus. Kein anderer Bundesligist hat so viele Spiele in diesem Halbjahr in den Knochen wie Union. Insgesamt 27 Partien. 17 in der Bundesliga, zwei Europa-Play-offs plus 6 Conference-League-Gruppenspiele sowie zwei DFB-Pokalrunden. Das sind insgesamt 2460 Minuten (beim Pokalspiel bei Waldhof Mannheim musste der FCU in die Verlängerung). Da waren insgesamt zehn (!) englische Wochen seit dem 8. August zu überstehen. Im Sommer hatten einige geunkt, dass die Köpenicker vielleicht mit den Euro-Auftritten überfordert sind und deswegen in der Liga in Abstiegsnöte kommen. Nichts davon ist eingetreten – Platz 7, 27 Punkte in der Bundesliga eingefahren. Der Klassenerhalt ist eigentlich schon jetzt sicher.

Man kann Trainer Urs Fischer loben, weil das Schweizer Cleverle mit einem Mix aus sanfter Rotation, Kräfteschonung und punktueller Motivation vor dem Anpfiff fast immer die 100 Prozent und manchmal mehr aus den Spielern herausgekitzelt hat. Doch dazu gehören eben auch Profis, die das mit Begeisterung und Freude alles mitmachen. Union ist gefühlt seit zweieinhalb Jahren, seit dem Aufstieg 2019, im Dauerrausch – ohne abzuheben. Nachlässigkeit, Zufriedenheit sieht man nie, sobald der Anpfiff ertönt.

Hertha: Macht viel Geld träge?

Herthas Dodi Lukebakio konnte von der Gehaltsliste erstmal gestrichen werden, er wurde bis Saisonende an Wolfsburg ausgeliehen. Foto: City-Press

Das ist aber längst nicht alles. Unions Spieler verdienen im Durchschnitt nur knapp über die Hälfte wie die Kollegen von Hertha. Der Etat der Eisernen für die Profimannschaft liegt in dieser Saison bei rund 47 Millionen Euro. Bei Hertha waren es bis zum Sommer noch rund 80 Millionen Euro. Macht viel Geld träge? Man kann den Eindruck gewinnen, wenn man sich die Blau-Weißen Leistungen anschaut. Für Bobic ist das auf jeden Fall ein Problem. Er verkaufte und verlieh Großverdiener wie Jhon Cordoba, Matheus Cunha und Dodi Lukebakio. Der Prozess wird auch im Winter weitergehen. Die Gehälter müssen alleine wegen der Pandemie-Krise schrumpfen.

„Wir brauchen hungrige, gierige Spieler, die unseren Weg mitgehen wollen. Ich schaue mir alles an. Ich bekomme jeden Tag neue Erkenntnisse“, sagt der Hertha-Macher. Erst nach dem Trainerwechsel war er das erste Mal zufrieden und lobte den neuen Coach Tayfun Korkut: „Die Art und Weise, wie er gerne Fußball spielen lässt, auch mit den Spielern, die er vorgefunden hat, da sind wir auf einem guten Weg. Es ist aktiver, es ist offensiver, es ist genau das, nach dem wir gesucht haben: Die Spieler dahin zu bringen und von der Idee zu begeistern, dass sie nicht passiv spielen, sondern aktiv.“

Herthas Pokalderby gegen Union am 19. Januar wird die erste Reifeprüfung für Trainer und Mannschaft, um zu zeigen, dass man es besser kann.

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