Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen ehemaligen DFB-Funktionär. dpa

Und schon wieder Razzia beim DFB! Die Ermittler kannten den Weg nur zu gut. Doch die neuerliche Razzia in der Zentrale des krisengeplagten Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erschüttert den Verband mehr denn je. Die groß angelegten Durchsuchungen am Donnerstag durch die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main werfen rund eine Woche vor dem angestrebten Neuanfang einen dunklen Schatten auf die Präsidentenwahl am 11. März.

Der Verdacht diesmal: Untreue. „Ein ehemaliger Verantwortlicher des DFB soll im Namen des DFB einen Dienstleistungsvertrag mit einer Kommunikationsagentur geschlossen haben. Aufgrund dieses Vertrags soll der DFB insgesamt 360.000 Euro an die Kommunikationsagentur gezahlt haben“, teilte die Staatsanwaltschaft mit. „Bei dem Vertrag soll es sich um einen bloßen Scheinvertrag gehandelt haben.“

70 Beamte im Einsatz gegen DFB

Den Namen des früheren Funktionärs nannte die Staatsanwaltschaft nicht. Wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue wird auch gegen einen Verantwortlichen der Kommunikationsagentur ermittelt. An den Durchsuchungsmaßnahmen in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Berlin und Bremen seien insgesamt rund 70 Beamte beteiligt gewesen.

Zuletzt hatte es in Zusammenhang um den ominösen Vertrag des DFB mit dem ehemaligen Berater Kurt Diekmann schwere Vorwürfe in Richtung des scheidenden Schatzmeisters Stephan Osnabrügge und des Ex-Generalsekretärs Friedrich Curtius gegeben.

Bereits im Herbst 2020 war viel beim DFB los. Schon damals durchsuchte die Polizei Deutschlands Fußball-Zentrale. Imago

Damit steht der DFB vor seinem Bundestag am kommenden Freitag in Bonn mit der Wahl des neuen Präsidenten erneut im Blickpunkt behördlicher Ermittlungen. Im November 2021 hatte die Staatsanwaltschaft wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung Unterlagen aus der Zentrale von Sponsor Adidas mitgenommen. Medienberichten zufolge ging es dabei um die Versteuerung von Sachzuwendungen durch den langjährigen DFB-Sponsor zwischen 2015 und 2020.

Polizei durchsuchte DFB-Räume bereits 2020

Im Oktober 2020 waren in einem anderen Fall die Geschäftsräume des DFB in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise sowie Privatwohnungen mehrerer Funktionäre von Steuerfahndern durchsucht worden. Dabei ging es um die Besteuerung der Einnahmen aus der Bandenwerbung bei Heimspielen der Nationalmannschaft in den Jahren 2014 und 2015. Der DFB sei einer Besteuerung in Höhe von etwa 4,7 Millionen Euro entgangen, hatten die Ermittler damals mitgeteilt.

Ende Oktober letzten Jahres stellte die Staatsanwaltschaft das Steuerverfahren gegen den DFB-Interimsboss Rainer Koch aber ein. Der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes gehört auch der Uefa-Exekutive an. Davor waren bereits die Verfahren gegen die früheren DFB-Spitzenfunktionäre Reinhard Rauball und Helmut Sandrock eingestellt worden. Insgesamt sechs Funktionären war Beteiligung an einer Steuerhinterziehung in besonders schweren Fällen vorgeworfen worden.

Image des DFB leidet weiter

Aufgrund des massiv geschädigten Images des DFB haben sich die Präsidentschaftsanwärter Bernd Neuendorf und Peter Peters einen Neuanfang auf die Fahnen geschrieben. Daran sind ihre Vorgänger allerdings allesamt gescheitert. Zuletzt mussten drei Präsidenten in Folge vorzeitig ihren Hut nehmen.

Wie sich die neuerliche Durchsuchung auf die Neuaufstellung des DFB auswirkt, ist noch unklar. „An der Spitze des DFB hat es in den letzten Jahren erkennbar nicht harmoniert“, sagte Neuendorf, der dank der Stimmenmehrheit der Amateure als klarer Favorit bei der Wahl ins Rennen geht, erst zuletzt. Die Erwartung und sein Ziel sei, „dass beim DFB wieder Ruhe einkehrt“.

Am Donnerstag war wieder einmal das Gegenteil der Fall.

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