Enzo Zidane hat offensichtlich Lust auf Bergbautradition. Foto: Imago Images

Einen ersten Blick auf die neue Heimat dürfte Enzo Zidane bei Google Maps gewagt haben. Aue. Im tiefen Tal der Zwickauer Mulde, zwischen Plauen, Chemnitz und Oberwiesenthal, erinnert nichts an den gewohnten Glanz, Glamour und Gigantismus der spanischen Hauptstadt Madrid. Doch ausgerechnet hier sieht der älteste Sohn von Real-Coach Zinedine Zidane offenbar seine sportliche Zukunft.

Zweitligist Erzgebirge Aue steht in konkreten Verhandlungen mit dem 25 Jahre alten Mittelfeldspieler. Ein Zidane in der sächsischen Provinz - die Veilchen stehen vor einem PR-Coup. „Die Gespräche sind weit fortgeschritten. Es gab mehrere Telefonkonferenzen. Enzo will nach Aue!“, wurde Klub-Boss Helge Leonhardt vom Onlineportal Tag24 zitiert.

Zidane erwartet bei einem Wechsel ein Kulturschock. Zwischen Bergbautradition, Männelmachern und knackig kalten Wintertagen wird die Eingewöhnung die vielleicht größte Herausforderung für den gebürtigen Bordelais, der Madrid seine Heimat nennt.

Aue hat dagegen eine Sicherheit: Aufmerksamkeit. Zidane, auch wenn er auch „nur“ der Sohn eines der größten Fußballers der Geschichte ist, ist der mit Abstand prominenteste Name, der das Trikot des Klubs tragen würde.

Den sportlichen Mehrwert muss Zidane allerdings erst beweisen. Der offensive Mittelfeldspieler ist zurzeit vereinslos, in der vergangenen Saison trat er für den spanischen Zweitligisten UD Almeria in Aktion. Zuvor war er sich bei den Stationen Deportivo Alaves, FC Lausanne-Sport, Rayo Majadahonda und Desportivo Aves nicht glücklich geworden.

Zidane hatte zuvor die Jugendmannschaften von Real Madrid durchlaufen. Die großen Fußstapfen seines Vaters erwiesen sich aber als viel zu groß. Auf keinem seiner Brüder Luca (22/Rayo Vallecano), Theo (18/Real Madrid U19) und Elyaz (14/Real Madrid Jugend) lastete ein derart großer Druck wie auf dem ältesten Zidane-Sohn.

In Aue ist Spaniens Presse und das Interesse der dortigen Öffentlichkeit weit weg - und spielerische Klasse gern gesehen. Man müsse in der Länderspielpause am Umschaltspiel nach der Balleroberung arbeiten, „auch schnelle Konterangriffe müssen wir hinkriegen“, sagte Trainer Dirk Schuster nach dem 0:0 bei Hannover 96 am Sonnabend.

Mutmaßlich wird auch Enzo Zidane Teil der Trainingsgruppe sein. Aus der Reserve locken ließ sich Schuster aber noch nicht. „Ich werde personalpolitische Entscheidungen nicht in der Öffentlichkeit kommentieren“, sagte er mit einem Grinsen. Nur so viel: „Zinedine Zidane war ein überragender Fußballer, gegen den ich selbst im UEFA-Cup gespielt habe. Ich habe sehr gute Erinnerungen an ihn.“

Womöglich tauschen sich beide bald über den weiteren Werdegang des Sohnes aus.