Thomas Müller, das Energiebündel des FC Bayern, schreit seine Freude nach dem historischen Sieg gegen den FC Barcelona heraus. Foto: imago images/Müller

Was für eine Fußballnacht! Der FC Bayern demütigt im Champions-League-Viertelfinale den kriselnden FC Barcelona mit einem immer noch fast unfassbaren 8:2 (4:1). Ein historischer Sieg des Rekordmeisters in der Königsklasse. Und mittendrin: Doppel-Torschütze Thomas Müller. Es ist die Auferstehung des Jahres!

Nach dem Abpfiff postete er via Twitter seine Gefühle, seinen Stolz über das Acht-Tore-Festival gegen die müden Katalanen. Ein Foto mit der Anzeigentafel: 8:2 mit weißer Leuchtschrift und blauem Hintergrund. Dazu nur diese vier englischen Worte: „Unbelievable – what a game!“ Unglaublich – was für ein Spiel.

Noch irrealer als diese 90-Traum-Minuten ist aber Müllers Comeback – obwohl er nie richtig weg war – innerhalb des Bayern-Teams in den vergangenen zehn Monaten. Ex-Bayern-Trainer Niko Kovac hatte den ehemaligen Nationalspieler zum „Notnagel“ degradiert. Der offensive Spieler saß mehr auf der Bank, als er auf dem Rasen spielen durfte. Das änderte sich alles, als Kovac gehen musste und Hansi Flick das Kommando übernahm. Der Assistent von Bundestrainer Jogi Löw beim WM-Triumph 2014 setzte wieder voll auf Müller.

„Thomas ist einzigartig und nicht zu kopieren. Er war für uns immer wieder Signalgeber für unser Pressing. Das macht er einfach hervorragend“, lobte Flick den unorthodoxen Angreifer, der sich keinem statischen Spielsystem unterwerfen will.

So war es auch in dieser Traum-Nacht von Lissabon. Die Bayern waren überragend, doch Müller stach noch etwas heraus. Zwei Tore geschossen, dazu immer wieder Antreiber. Er bekam die Auszeichnung und die Trophäe für den „Man of the Match“. Flick: „Das hat er sich auch verdient.“

Rekordnationalspieler und TV-Experte Lothar Matthäus adelte den Weltmeister von 2014: „Wenn er etwas sagt, hören alle Spieler zu. Er ist nicht wegzudenken und ein absoluter Führungsspieler. Er vereint alles. Er ist ein Bayer, er ist ein Spaßvogel, kann aber auch ernst sein, wenn es mal nicht so läuft.“

Und Müller selbst? Er redet nicht über sich, sondern lobt andere. Zum Beispiel Robert Lewandowski. „Wie Lewy beim ersten Tor nicht einfach wild versucht, sich zu drehen und zu schießen, sondern mir den Ball wieder auflegt – da geht mir das Herz auf“, erklärte Müller. Über seinen neuen Königsklassenrekord als deutscher Spieler mit 113 Partien wollte er auch nicht viel sagen: „Das hat so was von gar nichts mit Fußball zu tun. Lasst uns lieber über Fußball reden.“

Stimmt! Denn Bayerns Machtdemonstration hat beim gedemütigten Gegner Barcelona Folgen. Trainer Quique Setien (61) steht vor dem Aus. Acht Gegentore kassierte Barca 1946 das letzte Mal in einem Spiel. Klub-Boss Josep Maria Bartomeu: „Es wird in der kommenden Woche Mitteilungen geben, wir müssen Entscheidungen treffen, nachdem sich die Dinge beruhigt haben.“ Als Nachfolger für Setien werden der Argentinier Mauricio Pochettino sowie die früheren Barca-Profis Xavi und Patrick Kluivert gehandelt.