Die Hand Gottes bei der WM 1985 war ein irreguläres Tor. Englands Keeperlegende Peter Shilton pocht auf die Wahrheit. Foto: imago images/Simon

Englands ehemaliger Torwart Peter Shilton ist 71 Jahre alt und besitzt Altersweisheit. Nach dem Tod Maradonas sagte er, dass der Argentinier nicht mit „Sportsgeist ausgestattet“ gewesen sei.

Er begründete es mit Maradonas Handtor im WM-Viertelfinale 1986, als Shilton für England im Tor stand. „Niemals hat er gesagt, dass er betrogen hat und dass er sich entschuldigen möchte. Stattdessen benutzte er seinen Ausdruck ‚Hand Gottes‘. Das war nicht richtig. Ein klares Vergehen. Betrug“, erklärt die Torwartlegende von der Insel. Damit hat der Ex-Nationalkeeper in der Sache recht.

„Shilton hat eine moralische Regel ‚Über Tote soll man nicht schlecht reden!‘ nicht befolgt“, schimpfen jetzt einige. Ich würde sagen: Er hat nicht ganz die Zeitspanne für Pietät eingehalten.

Shilton ist ein Sportsmann, der Fairplay und Wahrheit verinnerlicht hat. Maradona hat 34 Jahre lang verpasst, sich für die „Hand Gottes“ zu entschuldigen. Diesen Schmerz trägt Shilton als Leidtragender neben der aufrichtigen Trauer für Maradona in sich. Shilton hat das falsche Timing gewählt.

Wie 1986 in Mexiko, nur umgekehrt. Damals zu spät, jetzt zu früh. Wäre der Keeper einen Schritt nach der Bogenlampe seines Mitspielers Steve Hogde schneller aus seinem Kasten gelaufen, hätte Maradona nie die Hand benutzen können.