Zieht die Konsequenzen und nimmt seinen Helm: Schalke-Boss Clemens Tönnies tritt als Aufsichtsratsvorsitzender zurück.  Foto: Imago Images 

Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei! Clemens Tönnies gibt auf und tritt nach 19 Jahren als Schalke-Boss zurück. Der 64-Jährige zieht damit die Konsequenzen aus dem immer weiter brodelnden Streit mit der königsblauen Fan-Szene.

„Wir als Aufsichtsrat des FC Schalke 04 bedauern die Entscheidung von Clemens Tönnies sehr", wird Dr. Jens Buchta, Tönnies Stellvertreter im Aufsichtsrat, in der Schalker Pressemitteilung vom Dienstagnachmittag zitiert. „Er hat das Gremium als Vorsitzender in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten mit seiner Mischung aus Bodenständigkeit und Dynamik geprägt, immer wieder war er der Motor, der wegweisende Prozesse angestoßen und federführend begleitet hat.“ Er werde „mit seiner Erfahrung und Expertise schwer zu ersetzen sein“.

Tönnies selbst kommt in der Mitteilung nicht zu Wort – der Klub verliert darin auch kein einziges kritisches Wort über ihn.

Dafür sorgten die zuletzt schwer gefrusteten Schalke-Fans. Neben dem jüngsten Skandal, dem massenhaften Corona-Ausbruch in seiner Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück, verspielte Tönnies bereits vergangenen Herbst sämtlichen Kredit bei den Anhängern, als er mit rassistischen Aussagen über Afrikaner für Empörung sorgte. 

Erst am Sonnabend demonstrierten parallel zum letzten Saisonspiel der Schalker beim 0:4 beim SC Freiburg rund 1000 Fans auf dem Vereinsgelände gegen den mächtigen Schalke-Boss. Am Eingang der alten Schalker Glückaufkampfbahn prangte zuletzt Banner mit der Aufschrift: „Keine Ausbeuter bei S04 - Tönnies Raus!“ sowie „Keine Rassisten auf Schalke!“

Chaos bei Schalke bleibt

Tönnies war seit 1994 Mitglied im Kontrollgremium des Klubs, seit 2011 dessen Vorsitzender. In dieser Zeit wurde Schalke dreimal Pokalsieger, fünfmal Vize-Meister und spielte zehnmal in der Champions League.

Doch auch nach Tönnies Rückzug droht weiter Chaos: Zuletzt wurden die sportlichen und wirtschaftlichen Probleme immer größer. Nach 16 sieglosen Spielen am Stück (schlechteste Schalker Rückrunde aller Zeiten) beendete der Revierklub die Saison nur auf Rang zwölf, hält aber weiter an Trainer David Wagner fest. Schon vor der Corona-Krise wuchsen die Verbindlichkeiten auf fast 200 Millionen Euro an. In seiner Not soll der Klub eine Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen beantragt haben, um den Fortbestand zu sichern.