Nach dem CL-Aus ist nicht nur bei Yussuf Poulsen die Enttäuschung groß. Foto: Imago Images/Picture Point

Keine Zeit für Trübsal hatten Julian Nagelsmann und RB Leipzig nach dem bitteren 0:3 im Champions-League-Halbfinale gegen Paris Saint-Germain. Mit dem Sonderflieger ging es direkt aus Lissabon zurück nach Leipzig, wo die Spieler ein paar Tage frei haben, während für Nagelsmann und RBL-Sportdirektor Markus Krösche die undankbare Aufgabe beginnt, in Rekordzeit die kommende Mammut-Saison vorzubereiten. Vom Himmel in die Hölle.

„Die kommende Saison wird sehr anstrengend und lang“, sagte Nagelsmann. Nur bis zum kommenden Dienstag bekommen die RB-Profis frei. Dann wird der 33-Jährige schon wenige Tage später in der anstehenden Länderspielpause wieder auf seine Nationalspieler verzichten müssen. Ein sinnvolles Einspielen für den nächsten Angriff in Bundesliga und Champions League wird extrem kompliziert. Und eine in Lissabon erfolgreich verdrängte Frage taucht nun auch wieder auf: Wer ersetzt künftig den zum FC Chelsea abgewanderten Werner?

Offenbar kein Stürmer von internationalem Rang. „Die beiden Stürmer von Paris kosten zusammen doppelt so viel wie unser gesamter Kader. Dieses Spiel kann uns nicht zeigen, was wir noch machen müssen auf dem Transfermarkt. Das ist einfach nicht drin im Portemonnaie“, sagte der RB-Coach nach der Pleite gegen PSG und ist sich bewusst, dass man die Kategorie Neymar und Mbappé in Leipzig in absehbarer Zeit nicht erreichen wird.

Die Hoffnung, dass durch die sprudelnden Millionen aus der Champions League mehr möglich sein könnte, hatten RB-Boss Oliver Mintzlaff und Sportdirektor Krösche schnell erstickt. Je nach Höhe der coronabedingten Prämienkürzungen durch die Uefa kann Leipzig womöglich mit insgesamt mehr als 60 Millionen Euro kalkulieren. Aber: „Mein Budget bleibt unverändert“, sagte Krösche. Und Mitzlaff ergänzte: „Wir bleiben in unseren Leitplanken.“ Heißt: Junge und talentierte Spieler günstig einkaufen, ausbilden und sie dann gewinnbringend weiterverkaufen. So, wie sie es in Leipzig schon in der Vergangenheit erfolgreich getan haben.

Doch auch da gibt es derzeit mehr Hürden als Hoffnung. Schon die Verhandlungen mit AS Rom über eine Fortsetzung der Leihe von Patrik Schick, der in der vergangenen Saison zehn Tore beisteuerte, sind eine Hängepartie. Der Tscheche muss erst mal zurück nach Italien, obwohl Leipzig ihn unbedingt behalten wollte. Als Alternative wird der Norweger Alexander Sörloth von Trabzonspor gehandelt. Sörloth traf in der vergangenen Saison 24 Mal und wurde Torschützenkönig in der Türkei. Eigentlich beim Londoner Klub Crystal Palace unter Vertrag, griff die Kaufpflicht für die Türken, weil Sörloth mehr als die Hälfte aller Pflichtspiele für Trabzonspor absolvierte. An ihm sollen jedoch auch Galatasaray und der VfL Wolfsburg interessiert sein.

Und ohnehin dürfte Sörloth nicht die einzige Option für die vakante Werner-Position sein. RB-Chef Mintzlaff, der auf dem Rückflug von Lissabon seinen 45. Geburtstag feierte, berichtete kürzlich von diversen Transfergesprächen, ohne einen Namen zu nennen. Weiterhin im Topf dürfte auch Bremens Milot Rashica sein.

Doch nicht nur in der Offensive gibt es Baustellen. Auch der Leihvertrag mit Linksverteidiger Angelino von Manchester City muss neu verhandelt werden. Eigentlich stand frühzeitig fest, dass der Spanier in Leipzig bleibt. Doch die Corona-Pause veränderte alles und die Voraussetzungen für ein langfristiges Engagement in Sachsen haben sich nach dem peinlichen Aus der Engländer in der Königsklasse nicht verbessert. Auch hier hängt es nun am Geld, denn selbst ein Scheich-Klub wie die Citizens müssen inmitten der Krise ein wenig auf ihre Ausgaben achten, erst recht, nachdem die Financial-Fairplay-Klage gegen Man City erst kürzlich abgeschmettert wurde.