Leipzigs Cheftrainer Domenico Tedesco war beim Finale voll auf Adrenalin, aber bekam auch böse Sprüche zu hören. dpa/Woitas

Es war mehr als nur ein Pokal-Finale, es war der Kampf der Fußballkulturen. Fleißiger, kleiner Traditionsverein, der sich seit 44 Jahren im Profifußball behauptet gegen einen vor 13 Jahren gegründeten Retortenklub eines Getränkeherstellers. Am Ende siegte das große Geld. RB Leipzig gewinnt 5:3 nach Elferschießen (1:1 nach 90 und auch 120 Minuten) gegen den SC Freiburg. Die Leipziger Spieler feierten völlig verdient, doch RB-Trainer Domenico Tedesco war nach dem Abpfiff sauer – auf die Freiburger.

RB Leipzig-Trainer Domenico Tedesco: „Da war purer Hass“

Domenico Tedesco mit dem Pott in der Hand. dpa/Weller

Es war ein hitziges Spiel mit vielen Fouls, einer Roten Karte für den Leipziger Marcel Halstenberg (57., Notbremse) und jeder Menge Pöbeleien. Auch auf den Bänken beider Klubs. Es prallten zwei Fußballwelten aufeinander. Tedesco erhebt schwere Vorwürfe. Ein „Kollege“ aus dem Stab der Freiburger habe sich bei der Roten Karte gegen Halstenberg „nicht ganz sauber“ verhalten, legte der RB-Coach los und wetterte dann: „Man kann sich über eine Rote Karte freuen, aber dann den puren Hass mir gegenüber zu zeigen, da habe ich meine Probleme.“

Der Zoff eskalierte dann völlig nach dem Elferkrimi im Olympiastadion. Tedesco wollte nur ein faires Händeschütteln mit SC-Trainer Christian Streich und suchte ihn. „Dann kam genau diese Person auf mich zu und meinte, ich soll mich doch bitte verpieseln und feiern gehen.“ Tedesco antworte mit „Dankeschön“ und Kusshand. „Daraufhin ist dann die Bank explodiert. Da muss ich sagen, dass das einfach schade ist“, meinte der Pokalsieger-Coach.

Danach konnte er sich dann richtig über den ersten Titel für RB Leipzig freuen: „Ich glaube, dass die Mannschaft mehrmals bewiesen hat, dass sie Charakter hat, dass sie Mentalität hat. Ich bin überglücklich, sehr stolz auf die Mannschaft, sie hat extreme Widerstandsfähigkeit gezeigt.“

RB-Leipzig-Profis feiern auf Ibiza weiter

Das kann man diesem Team dann nun wirklich nicht absprechen. Wer über eine Stunde mit nur zehn Mann kämpft und am Ende den Pott in den Händen hält, hat es verdient und darf auch ein paar Tage feiern. Nach der Pokalnacht in Berlin ging es für die RB-Profis am Sonntag auf dem Leipziger Festplatz vor der Arena weiter. Am Montag düsen die Spieler nach Ibiza. Da geht die Sause dann erst richtig los.

Streich ist happy über seine SC-Fans

Im Mittelpunkt: Freiburg-Coach Christian Streich schwört sein Team ein. dpa/Stache

Und der unglückliche Verlierer Freiburg? Der war gar nicht so unglücklich! Kult-Trainer Christian Streich, dem eigentlich fast jeder Fußballfan in Deutschland den Pott gegönnt hätte, sagte: „Es war so toll mit den Leuten, was hier alles abgegangen ist. Wie sich die Fans aufgeführt haben in der Stadt – 30.000 und total friedlich. Wenn wir das bewahren könnten in diesem Verein, das wäre mein größter Wunsch. Da verzichte ich auch gerne auf einen Pokalsieg, auch wenn es mir schwerfällt.“ Die Botschaft war klar: Erfolg ist nicht alles, die Menschen sollen Freude haben …

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