Die Pleitegeier warten schon, um sich an den insolvent gehenden Klubs der Liga zu laben.  Foto: imago images/Pressefoto Baumann

Berlin - In der Marktwirtschaft gibt es einen ganz gefährlichen Vogel. Es ist der Vultur insolventis – der Pleitegeier. Das Federtier soll wegen der Corona-Krise schon über über 13 Profi-Vereinen der Bundesliga und Zweiten Liga kreisen. Alarmstufe Rot bei der DFL. Der „Kicker“ berichtete über die dramatische Lage durch die Spielausfälle und den fehlenden TV-Geldern.

Bei einer Videokonferenz zwischen der DFL und den Klubs sollen die Bestandsaufnahmen gemacht worden sein. Zwölf Klubs sollen ihre Gelder aus der vierten Fernsehrate bereits an Kreditinstitute und andere Partner abgetreten haben, um die laufenden Rechnungen zu bezahlen.

Im Mai könnte es einen Erstligisten erwischen

Auch Not-Maßnahmen wie die bei vielen Vereinen ausgerufene Kurzarbeit würden Insolvenzen nicht verhindern, wenn der Spielbetrieb nicht wieder aufgenommen werden kann. Um ein klein bisschen zu relativieren: In der Zwischenzeit haben sich die meisten Vereine, auf Gehaltskürzungen mit ihren Profis und leitenden Angestellten geeinigt. Doch trotzdem ist die Lage bedrohlich.

In der Bundesliga sei ein Verein akut bedroht, könne seinen Verpflichtungen nur noch bis Mai nachkommen. Drei weitere Vereine müssten im Juni den Konkursverwalter bestellen, sollte nicht wieder gespielt werden. In der Zweiten Liga soll die Lage noch prekärer sein. Sieben Vereinen drohe die Insolvenz Ende Mai, zwei weitere Vereine müssten im Juni Insolvenz anmelden.

Durch unseren strategischen Partnerist die Liquidität deutlich besser als bei vielen anderen Vereinen.

Herthas Finanz-Boss Ino Schiller

Es wird immer deutlicher, wie abhängig die Bundesliga von den TV-Gelder ist. Die vierte Rate hätte jetzt ausgezahlt werden sollen. Doch der Spielbetrieb ruht seit Mitte März. Die Fernsehsender zahlen erst, wenn die Saison weitergespielt wird. Deswegen möchte die DFL auch, dass Anfang Mai wieder gespielt werden kann.

Doch das bestimmt nicht der Fußball selbst, sondern die Entwicklung der Pandemie. Noch ist völlig unklar, wann die Politik ihr Kontaktverbot für die Bevölkerung wieder lockert. Selbst der Trainingsbetrieb ist für die Klubs nicht sicher. Einige Vereine haben Ausnahmegenehmigungen bekommen, um nächste Woche wieder gemeinsam trainieren zu können, andere nicht. Die Stadt Bremen untersagte Werder zum Beispiel das Mannschaftstraining.

Und wie steht es um Berlins Bundesligisten? Hertha BSC gab eine Stellungnahme ab und verwies auf ein Interview mit Finanzboss Ingo Schiller: „Die Situation bei Hertha ist durch den Einstieg des strategischen Partners Tennor im vergangenen Sommer hinsichtlich der Liquidität deutlich besser als bei vielen anderen Vereinen.“ Beim 1. FC Union erklärte Pressesprecher Christian Arbeit: „Interne Gesprächsinhalte der Liga-Tagung kommentieren wir nicht in der Öffentlichkeit.“