Serge Gnabry erzielte das Tor des Abends in Bukarest. Foto: AFP/Vadim Ghirda

Der Gruppenfavorit marschiert. Auch das zweite Quali-Spiel zur WM-Endrunde 2022 in Katar hat das DFB-Team gewonnen, wenn auch mit angezogener Handbremse. Beim 1:0 (1:0) gegen Rumänien brennen die Jungs von Jogi Löw kein Feuerwerk ab. Es ist ein Dreier ohne Glanz und mit vielen vergebenen Chancen. Allein Gnabry rettet beim Arbeitssieg die weiße Weste.

Auf Experimente ist Löw bei seiner Abschiedstournee nicht mehr aus. Deshalb schickt der scheidende Bundestrainer exakt jene Startelf auf den Rasen, die beim 3:0 gegen Island überzeugt hatte. Nur läuft es längst nicht so gut wie drei Tage zuvor. Das liegt auch daran, dass sich die Rumänen das Spiel von Joshua Kimmich genau angeschaut haben und die Kreise des eigentlichen Pass- und Ideengeber eingrenzen.

Ilkay Gündogan läuft unter dem Radar

Trotzdem beherrscht das DFB-Team die Partie, auch wenn die Rumänen bei einigen Kontern durchaus ihre Stärken andeuten. Zugleich sind die Gäste um ruhiges, geradliniges Spiel bemüht, dem aber ab und an das Tempo fehlt. Damit hapert es auch an Überraschungen, selbst wenn Kai Havertz dennoch zu einer ersten guten Chance kommt (9.). Er scheitert an Florin Nita, dem 33-jährigen Torwart-Routinier der Rumänen, der jedoch erst sein drittes Länderspiel bestreitet.

Wie es mit einem schnellen und weiten Pass geht, zeigen dann auch weder Kimmich noch Ilkay Gündogan, der diesmal ein wenig unterm Radar läuft, sondern Antonio Rüdiger. Der Innenverteidiger schickt Havertz auf die Reise, der kriegt die Kugel zu Serge Gnabry – der Münchner hat bei seinem 15. Tor im 19. Länderspiel leichtes Spiel zum 1:0 (16.).

Ab da läuft eigentlich alles nach Plan. Nur sorgt die erneute frühe Führung nicht für die erforderliche Sicherheit, auch weil Kimmich Pech hat, da sein satter Distanzschuss an die Latte kracht (19.). Auch hier bringt Nita seine Finger an die Kugel. So wie nach der Pause, als die deutsche Elf vehement auf die Entscheidung drängt, gegen Leon Goretzka (trotz seiner Wadenblessur einsatzbereit, 50.), Gnabry nach starkem Solo (58.) und Gündogan (60.).

Immer ein Kringelchen zu viel

In dieser Phase ist plötzlich die miese Chancenverwertung das Problem, zumal Sané zwar in beste Position kommt, die Sache insgesamt aber zu lässig und manchmal auch zu eigensinnig angeht und zweimal ganz aussichtsreich vergibt (53., 63.). Einmal wendet er sich sogar ab, obwohl der Ball noch heiß ist. Professionell ist ein wenig anders. Löws Reaktion: Er hämmert verzweifelt ans Plexiglas der leeren Auswechselbank.

Es kommt trotz aller Überlegenheit keine Ruhe ins deutsche Spiel. Zu ungenau beim letzten Pass, immer wieder mit einem Kringelchen zu viel in der Nähe des Strafraumes und mit zu wenig Struktur in der torgefährlichen Zone – so bleibt es bis zuletzt eine enge und wacklige Kiste. Selbst Timo Werner schafft es nicht, für klare Fronten zu sorgen und so das Zittern zu vermeiden. Auch der Joker findet im überragenden Nita seinen Meister (80.). Jetzt ist es an Gnabry und Co., es am Mittwoch gegen Nordmazedonien besser zu machen.