Die Grätsche ins Glück: Schleusener trifft zum 1:3 und rettet den Club. Foto: Imago Images/Zink

Die Sekunden nach dem Schlusspfiff, in denen der Club ausnahmsweise mal nicht als Depp dastand, gingen in einem einzigen "Jaaa" unter. Die Spieler des 1. FC Nürnberg brüllten sich die Erleichterung aus dem Hals, Fabian Schleusener, der beinahe in letzter Sekunde den Absturz des neunmaligen deutschen Meisters in die 3. Liga verhindert hatte, verschwand unter einem Menschenknäuel. Sein erster Saisontreffer zum 1:3 (0:0) beim FC Ingolstadt (90.+6) zog den Club, der zuvor das 2:0 aus dem Hinspiel verspielt hatte, wieder zurück vom Abgrund.

"Riesengroße Erleichterung, ich habe gedacht, ich sterbe", sagte der noch leicht zitternde Nürnberger Aufsichtsratschef Thomas Grethlein nach der nervenaufreibenden Schlussphase einer verrückten zweiten Halbzeit, in der der Club nach drei Gegentreffern in 13 Minuten schon fast abgestiegen war. "Es war sehr verrückt, ich bin schon lange dabei, das hat aber alles getoppt", sagte Michael Wiesinger bei DAZN. Der Nürnberger Übergangstrainer ergänzte: "Es war ein Kampfsieg, den nehmen wir mit. Wir müssen uns für nichts rechtfertigen, für gar nichts.

Es lief die sechste Minute der Nachspielzeit, nach Treffern von Stefan Kutschke (53.), Tobias Schröck (62.) und Robin Krauße (66.) war der Club seit 30 Minuten Drittligist, als der Ball plötzlich vor den Füßen von Fabian Schleusener landete: Praktisch von der gleichen Stelle, an der sich der 28-Jährige im März 2019 als Spieler des SV Sandhausen ein Bein gebrochen hatte, spitzelte er nun den Ball an Ingolstadts Torhüter Marco Knaller vorbei ins Netz. "Es war ein absolutes Gefühlschaos. Wir haben Ingolstadt wieder ins Leben zurückgeholt, weil wir die Standards schlecht verteidigt haben", sagte Wiesinger.

Der Club hatte früh eine gute Kopfballchance durch Mikael Ishak (9.), danach gab es kaum Torraumszenen. Ingolstadt wurde nach gut 20 Minuten allerdings mutiger, kämpfte sich in die Partie und besaß bei einem Freistoß von Robin Krauße (28.), dessen Schuss knapp am Tordreieck vorbeiflog, eine gute Gelegenheit zur Führung.

Nürnberg kam danach besser aus der Pause, konnte eine gute Chancen aber nicht nutzen. Und plötzlich kippte die Partie. Bei zwei Freistößen von Marcel Gaus agierten die bis dahin gut stehenden Nürnberger sehr ungeschickt. Die Sicherheit aus den ersten 50 Minuten war damit dahin, nach dem dritten Gegentreffer taumelte der Club - raffte sich aber noch einmal auf.

Nach der späten Rettung ist in Nürnberg noch ungewiss, wie es personell weitergeht. Wiesinger betonte mehrfach, er gehe davon aus, auf seinen Posten als Leiter des Nachwuchszentrums zurückzukehren. Sein Relegations-Assistent Marek Mintal wird als neuen Cheftrainer gehandelt. Der umstrittene Sportvorstand Robert Palikuca muss um seinen Job bangen.