DFB-Boss Fritz Keller hat sich mit seinem Nazi-Vergleich ein fatales Eigentor geschossen. dpa

Ein Nazi-Vergleich bringt DFB-Präsident Fritz Keller in Not. Hatte bisher kaum ein Außenstehender den Streit im Präsidium des Verbandes verstehen können, hat jetzt der Präsident den Schwarzen Peter. Dass er den ohne Rücktritt wieder los wird, scheint mehr als fraglich.

Der Vorfall, der den Streit eskalieren lässt, spielte sich am vergangenen Freitag ab. Auf der Präsidiumssitzung verglich Keller Vize-Präsident Rainer Koch mit Roland Freisler. Der Nazi-Richter ist als Teilnehmer der Wannsee-Konferenz einer der Verantwortlichen für die Organisation des Holocaust und fällte später als Präsident des berüchtigten Volksgerichtshofes etwa 2600 Todesurteile. Koch ist Strafrichter am Oberlandesgericht München.

Wird Koch die Entschuldigung annehmen?

Keller entschuldigte sich umgehend sowohl persönlich als auch schriftlich bei Koch, kolportierte, dass die Entschuldigung angenommen wurde. Stimmt nicht. Koch will den „gesamten Vorgang mit zeitlichem Abstand zunächst in einem persönlichen Gespräch mit Keller aufarbeiten“.

Für Keller ist das ein Albtraum. Wenn er etwas in dieser Angelegenheit nicht hat, dann ist es Zeit. Je länger das Thema kocht, desto beschädigter wird Keller. Bestes Beispiel ist die Reaktion des süddeutschen Verbandes, aus dem Koch kommt. „Dies ist eine Äußerung, die völlig inakzeptabel ist. Gerade als langjähriger Vorsitzender Richter ist es völlig abwegig, ihn auch nur ansatzweise in die Nähe des höchsten Repräsentanten der unsäglichen und menschenverachtenden Willkürjustiz des Dritten Reiches zu rücken.“

Mindestens bis zum Wochenende wird der Fall alle Beteiligten bewegen. In Potsdam steigt eine Konferenz der 21 Landesverbände. Große Frage: Wird Koch die Entschuldigung annehmen, oder wird Keller zurücktreten?