Julian Nagelsmann rastete während und nach dem Spiel bei Borussia Mönchengladbach aus. Nun droht dem Trainer des FC Bayern eine Sperre. 
Julian Nagelsmann rastete während und nach dem Spiel bei Borussia Mönchengladbach aus. Nun droht dem Trainer des FC Bayern eine Sperre.  Sven Simon/imago

Die Wutattacke von Julian Nagelsmann wird ein Nachspiel haben. Der DFB teilt mit, dass nur einen Tag nach der 2:3-Pleite bei Borussia Mönchengladbach und Nagelsmanns Rumpelstilzchen-Auftritt inklusive wüster Beleidigungen gegen den Schiedsrichter Tobias Welz und sein Team offiziell gegen den Trainer des FC Bayern ermittelt wird. 

Nagelsmann schwante wohl noch am Abend, dass sein Ausraster und seine Pöbelei gegen die Unparteiischen Konsequenzen haben würden. Er schrieb auf Instagram: „Ich muss mich für die Wortwahl gegenüber dem Team rund um Tobias Welz entschuldigen. Da bin ich leider eindeutig zu weit gegangen.“

Dennoch: Der Kontrollausschuss des DFB nahm Ermittlungen auf, fordert von Nagelsmann eine Stellungnahme. Zum Rapport muss Nagelsmann wohl auch bei den Bayern-Bossen. 

Bayern-Trainer Julian Nagelsmann bekam von Schiedsrichter Tobias Welz in Mönchengladbach die Gelbe Karte. Nach dem Spiel rastete er erst richtig aus. 
Laci Perenyi/imago
Bayern-Trainer Julian Nagelsmann bekam von Schiedsrichter Tobias Welz in Mönchengladbach die Gelbe Karte. Nach dem Spiel rastete er erst richtig aus. 

Was war passiert? Nagelsmann hatte nach dem 2:3 des Rekordmeisters bei Borussia Mönchengladbach in den Stadiongängen laut gewettert und anschließend auch vor mehreren TV-Mikrofonen den Platzverweis kritisiert, den die Schiedsrichter in der achten Spielminute gegen Bayern-Verteidiger Dayot Upamecano ausgesprochen hatten. 

Julian Nagelsmann bezeichnet Unparteiische als „weichgespültes Pack“ 

Besonders heikel dürfte für Nagelsmann seine Wortwahl werden. Der 35 Jahre alte Trainer des FC Bayern tobte nach Abpfiff, rannte durch die Katakomben des Borussia-Parks, wo Dutzende Journalisten warteten. „Das ist doch ein Witz, will der mich verarschen oder was?“, schimpfte Nagelsmann lautstark, als er in Richtung Schiedsrichterkabine stürmte und dort Welz zur Rede stellte. 

Danach wurde es noch schlimmer: Als Nagelsmann nach rund zwei Minuten wieder herauskam, fluchte er erneut für alle laut hörbar, bezeichnete Welz und seine Kollegen als „weichgespültes Pack“. Eine schlimme Beleidigung, zumal diese eben nicht im Eifer des Gefechts oder direkt nach dem Platzverweis, sondern lange nach Abpfiff fiel. 

Mega-Ausraster: Steffen Baumgart versteht Julian Nagelsmann

Bereits auf der Pressekonferenz bat Nagelsmann die Journalisten um Milde. „Bitte nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Es ist nicht alles richtig, was ich sage oder von mir gebe. Deshalb nicht 18 Nachfragen und nicht auf jedes Titelblatt, bitte.“

Julian Nagelsmann (35) wirkte beim Training des FC Bayern am Sonntag nachdenklich. Sein Mega-Ausraster in Mönchengladbach beschäftigt nicht nur den DFB. 
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Julian Nagelsmann (35) wirkte beim Training des FC Bayern am Sonntag nachdenklich. Sein Mega-Ausraster in Mönchengladbach beschäftigt nicht nur den DFB. 

Das Echo aus der Branche fiel dennoch deutlich aus. Einzig Köln-Trainer Steffen Baumgart hielt ein flammendes Plädoyer für seinen Münchner Kollegen. „Das Wort ist falsch gewählt, absoluter Müll, das gehört sich nicht, darüber muss man nicht diskutieren“, sagte Baumgart dem TV-Sender Bild: „Er ist über die Grenze gegangen. Aber wenn sich jemand entschuldigt, und das war aus meiner Sicht eine ehrliche Entschuldigung, muss man das auch mal akzeptieren.“

Kollegen und Experten kritisierten Julian Nagelsmann

Für Baumgart ist es richtig, dass Trainer eine Vorbildfunktion erfüllen müssen, „aber wir sollten da den Mensch auch Mensch sein lassen“ und nicht nur „Roboter“ erziehen. „Jetzt kommt jeder aus den Löchern geschossen und sagt, wie er es hätte machen sollen. Aber keiner ist in der Situation.“

Anders sieht es Deutschlands Rekordnationalspieler. Lothar Matthäus wertete die Wortwahl als „weit daneben“. Er erwarte vom Cheftrainer des FC Bayern und von jedem Verantwortlichen an der Seitenlinie „eine richtige Wortwahl“ und „dass sie sich unter Kontrolle haben“.

Der frühere Meistertrainer Armin Veh erklärte derweil: „Er ist ein guter Trainer. Aber ihm fehlt eindeutig Souveränität. Was natürlich damit zu tun hat, dass er noch jung ist.“ Sky-Experte Didier Hamann spottete: „Wenn er nicht will, dass seine Worte auf die Goldwaage gelegt werden, dann muss er in die Dritte oder Vierte Liga gehen. Da interessiert es keinen, was er erzählt.“

Mega-Ausraster: Muss Nagelsmann auch beim FC Bayern zum Rapport?

Was Nagelsmann nun droht? Im ersten Schritt werde der Kontrollausschuss ihn zu Wochenbeginn anschreiben und zu einer Stellungnahme auffordern, teilte der DFB mit. Nach Vorliegen und Auswerten der Stellungnahme wird das Gremium dann über den weiteren Fortgang des Verfahrens entscheiden.

Doch der frühere Bayern-Kapitän Lothar Matthäus vermutet, dass Nagelsmann bei den Bayern-Bossen zum Rapport muss: „Jetzt nur Schwamm drüber – damit ist die Sache nicht bereinigt.“

Klar ist: Nach dem Ärger mit Kapitän Manuel Neuer steht Nagelsmann beim FC Bayern mehr und mehr in der Kritik.

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